"Nachlässigkeit oder Eingriff von außen"

afp

Von afp

Sa, 08. August 2020

Ausland

In Beirut rätselt man über die genaue Ursache der Katastrophe / Aufruf zu Demonstrationen.

(dpa/AFP). In einem Rennen gegen die Zeit haben Rettungshelfer nach Überlebenden der Explosionen in der libanesischen Hauptstadt Beirut gesucht. Drei Tage nach der Katastrophe bargen sie weitere Opfer. Die Zahl der Toten stieg auf 154, wie das libanesische Gesundheitsministerium erklärte. Viele Schwerverletzte kämpfen auf den Intensivstationen um ihr Leben. Das libanesische Rote Kreuz schätzt, dass noch 100 Menschen vermisst werden.

Hilfsorganisationen warnen, die Kliniken seien überlastet. Internationale Teams waren an der Suche beteiligt, darunter das Technische Hilfswerk (THW). Ein Krisenunterstützungsteam (KUT) der Bundeswehr sollte am Freitag eintreffen. Deutsche Rettungshelfer zeigten sich vom Ausmaß der Zerstörung in Beirut schockiert. "Das Einsatzgebiet ist wirklich riesig", sagte die THW-Sprecherin Georgia Pfleiderer. Die Schäden seien immens.

Der libanesische Präsident Michel Aoun hat sich zum Unglückshergang geäußert und von "Nachlässigkeit oder einem Eingreifen von außen" als Ursache gesprochen. Es sei möglich, dass die Explosionen durch "Fahrlässigkeit oder durch äußere Einwirkung, mit einer Rakete oder einer Bombe", ausgelöst wurden, sagte er in einem Fernsehinterview. Forderungen nach einer internationalen Untersuchung wies er zurück. Eine solche würde "die Wahrheit verwässern".

In der Nacht auf Freitag kam es in Beirut vereinzelt zu Protesten. Aktivisten haben für Samstag nach den Beerdigungen von Opfern zu Demonstrationen aufgerufen. Vereinzelt wird auch nach der Verantwortung der schiitischen Hisbollah für die Explosion gefragt. Die Iran-treue Organisation ist an der Regierung beteiligt und bildet im Libanon einen Staat im Staate. Der Bruder von Ex-Regierungschef Saad Hariri, Baha Hariri, sagte nach Angaben lokaler Medien, die Hisbollah kontrolliere den Beiruter Hafen. Nichts komme dort ohne sie hinein und hinaus. Die Explosion soll durch große Mengen Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein, die seit Jahren ohne Sicherheitsmaßnahmen im Hafen gelagert wurden. Außenminister Heiko Maas (SPD) forderte von der Regierung "echten Reformwillen".