Nachrichten aus der Hölle

Cedric Rehman

Von Cedric Rehman

Di, 25. Juni 2019

Ausland

BZ-Plus Ein italienischer Filmemacher hält von Tunesien aus über Whatsapp Kontakt mit vielen Migranten, die zwischen die Fronten in Libyens Bürgerkrieg geraten sind.

Das Smartphone auf dem Opaltisch in der Wohnung in der tunesischen Stadt Medenine gibt nur Freizeichen von sich. Michelangelo Severgnini wischt den Anruf weg und klickt einen neuen Kontakt in seinem Whatsapp-Adressbuch an. Die Verbindung baut sich auf, aber niemand nimmt ab. "Hassan Libya" antwortet nicht, wie auch die anderen vor ihm. Severgnini versucht es nun bei "George Libya": Wieder ist nur der Freiton zu hören. Die Internetverbindung in dem nordafrikanischen Bürgerkriegsland ist unzuverlässig, der Kontakt schwierig zu Migranten, die sich dort unter schlimmsten Bedingungen von Bürgerkrieg und Menschenrechtsverletzungen aufhalten.

Dann knackt es in der Leitung, jemand nimmt den Anruf an. "Hallo Bro, hier spricht Miche, wo bist du? Wie geht es dir?", ruft Severgnini in die Freisprechanlage seines Mobiltelefons. Durch das Rauschen in der Verbindung nach Libyen erzählt George, wie die Miliz der Stadt Misurata ihm sein Geld abgeknöpft hat. "Sie kommen in unsere Unterkünfte und bedrohen uns." Er verschwand danach aus Misurata. Er habe seinen Freund auf dem Weg zurücklassen müssen, weil den ein Schuss ins Bein getroffen hatte. Kein Krankenhaus wollte einen Afrikaner behandeln, erzählt er. Was er getan hat, um die Schmerzen des Freundes zu lindern? "Ich habe ihm Wasser gegeben", sagt George. Er selbst sei nun in der libyschen Hauptstadt Tripolis, erzählt er.

Tripolis ist seit April umkämpft zwischen den Truppen der international anerkannten Regierung von ...

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