Nachruf

Der rote, grüne Weise – zum Tode von Erhard Eppler

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

So, 20. Oktober 2019 um 20:44 Uhr

Deutschland

BZ-Plus Früher als andere hat er für Ökologie, Abrüstung und faire Entwicklungshilfe gekämpft und dafür Karrieren geopfert: Der SPD-Politiker Erhard Eppler. Ein Linker, den die Rechten der Partei respektierten.

Mochten andere trompeten. Mehr Zuhörer hat im lärmenden Politikbetrieb manchmal die leise Stimme. So war das bei ihm. Wenn er bei Parteitagen zum Pult schritt, verstummte das Palaver im Saal – weniger aus Ehrfurcht, mehr vor Erwartung. Denn was dieser Redner mit dem Rollkragenhemd und dem weißen Kinnbart ihnen auf seine leise, eindringliche Art zu sagen hatte, war nie langweilig, oft grundsätzlich und immer von Belang. Nicht selten war er es, der seinen Genossen in mühseligen Richtungsdebatten und kippeligen Streitfragen den entscheidenden Impuls gab: Erhard Eppler.

Macht? Wenn er sie hatte, dann eine Macht des Wortes, der Überzeugungskraft und Integrität. Macht im gewöhnlichen Sinn dagegen hat Eppler kaum je gehabt. Das kann man tragisch finden, denn zeitweise hat er wirklich darum gekämpft. Vielleicht war es aber auch ein Glück, dass ihm das, was man Karriere nennt, nie so richtig gelungen ist – Glück für ihn und seine Partei. Das ließ ihm die Luft zum Atmen, die einer braucht, den die Sozialdemokraten – und deren Beobachter – schon vor langen Jahren zum "Vordenker" der SPD ernannt haben.

Ein Linker, der Respekt bei den Parteirechten genoss
Vordenker, das klingt nach Vorturner, und das wollte Eppler nie sein – Vorausdenker allerdings schon. Und das konnte er wie kaum ein zweiter in der Politik: die langen Linien identifizieren, Pläne von den Folgen her beurteilen, "respice finem", das Ende bedenken. In zahllosen Reden, Büchern, Interviews und Essays hat er es bewiesen, und mancher veritable Machtpolitiker hat ganz gern davon profitiert, Gerhard Schröder zum Beispiel, der in Charakter und Temperament so ganz anders Gestrickte.

Die beiden schätzten einander, was nicht wenige gewundert hat. Und wenn der eine, der Kanzler, in den Zwängen der Tagespolitik ...

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