Verkauf des Weltbild-Verlags

Die Pornojäger

Susanne Stiefel

Von Susanne Stiefel

Di, 03. Januar 2012

Deutschland

Keuschheit predigen und Pornos verkaufen? Das geht nicht, fanden Brüder aus dem Allgäu. Darum machten sie dem katholischen Weltbild-Verlag die Hölle heiß.

Zwei Brüder treten an gegen die deutschen Bischöfe. Nicht, weil sie Ungläubige wären. Nein, sie sind fromm, haben einen basisdemokratischen Nischenverlag für ein gläubiges Publikum und wollen nicht dulden, dass die Kirche Geschäfte mit Sex macht – mit dem katholischen Weltbild-Verlag und Titeln wie "Schlampeninternat" und "Vögelbar". Nun haben die Bischöfe beschlossen, sich von ihrem sehr weltlichen Unternehmen zu trennen. Und daran sind die katholischen Rebellen aus Immenried im Allgäu nicht unschuldig.

Es werde keinen übereilten Verkauf geben, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in Freiburg der Nachrichtenagentur dpa. Der Erhalt der Arbeitsplätze in dem katholischen Verlag habe eine sehr hohe Priorität. Am Ziel, den Verlag zu veräußern, halte die Kirche aber uneingeschränkt fest. Einen Verkauf in den kommenden zwei Jahren bezeichnete Zollitsch als realistisch.

Im Immenrieder Verlagshaus gegenüber der Kirche knallten nach Erhalt der Nachricht keine Korken. Bernhard Müller ist auch nicht in lautes Siegesgeschrei ausgebrochen, als sein jahrelanger Kampf gegen den Weltbildverlag nun erfolgreich war. Eitelkeit und Stolz gehören schließlich zu den schweren Sünden, das weiß hier im Allgäu jeder, und so bleibt der umtriebige Glaubenskämpfer ein leiser Sieger. "Damit habe ich nicht gerechnet", sagt der 50-Jährige und guckt bescheiden, "und ganz sicher nicht so schnell". Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Große ...

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