HINTERGRUND

Bernhard Walker

Von Bernhard Walker

Sa, 08. August 2020

Deutschland

Die Berechnung des Eigenanteils

In Baden-Württemberg leben fast 100 000 Menschen in einem Pflegeheim. Was die Kosten des Heimplatzes anbelangt, bekommen sie eine Unterstützung der Pflegeversicherung, die – je nach Grad der Pflegebedürftigkeit – zwischen 125 und 2005 Euro im Monat beträgt. Der Heimplatz ist meist deutlich teurer, so dass ein Eigenanteil entsteht. Der setzt sich aus verschiedenen Posten zusammen – für Unterkunft und Verpflegung, für die Investitionskosten sowie für eine Größe namens "einrichtungseinheitlicher Eigenanteil" (EEE). Der EEE bildet vor allem ab, wie viele Pflegekräfte in einem Heim arbeiten und wie sie bezahlt werden. Beim EEE liegt der Südwesten mit 1062 im Monat an der Spitze, das Schlusslicht bildet Thüringen mit 490 Euro. Als die Pflegeversicherung im Jahr 1995 eingeführt worden war, ging es auch darum, dass die meisten Pflegebedürftigen nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen sein sollten, das heißt: darauf, dass das Sozialamt ihnen hilft, den Heimplatz zu bezahlen. Dieses Ziel ist nicht erreicht. Denn derzeit braucht jeder dritte Heimbewohner diese Unterstützung. Zwar gab es zuletzt deutliche Rentenerhöhungen. Doch sind zugleich die Eigenanteile deutlich stärker gestiegen. "Das Problem der steigenden Eigenanteile muss in einer Reform der Pflegeversicherung angegangen werden", mahnt Ulrike Elsner, die Chefin des Verbands der Ersatzkassen. Sie verlangt, dass sich auch die private Pflegeversicherung am Solidarausgleich mit der gesetzlichen Versicherung beteiligt. Die privaten Anbieter versicherten vor allem einkommensstarke Personen mit einer geringeren Pflegewahrscheinlichkeit.