Auf Katastrophe vorbereitet

dpa

Von dpa

Mo, 26. August 2019

Panorama

"Prepper" in den USA wollen sich im Notfall selbst versorgen können / Einige stehen rechter Szene nah.

NEW YORK (dpa). Rund 15 verschiedene Wanderrucksäcke reihen sich im Wohnzimmer von Jason Charles im New Yorker Stadtteil Harlem. Unzählige Lebensmittelkonserven füllen sein Apartment, und im Garderobenschrank gibt es eine riesige Kiste voller Ramen-Nudel-Päckchen. Für acht Monate reichen seine Vorräte, schätzt Charles. Der Feuerwehrmann ist ein "Prepper".

Der Begriff ist vom englischen "to be prepared" (vorbereitet sein) abgeleitet. "Prepper" rüsten sich mit Vorräten für Katastrophen oder einen Zusammenbruch staatlicher Strukturen. Sie bereiten sich darauf vor, länger daheim ausharren zu müssen oder schnellstmöglich die Flucht zu ergreifen. Teilweise beschaffen sie sich auch Waffen.

In Deutschland rückten sie zuletzt in den Fokus der Öffentlichkeit – allerdings hauptsächlich aufgrund von Überschneidungen, die es teils mit Reichsbürgern und Rechtsextremisten gibt. Auch in den USA wird vielen "Preppern" eine Nähe zu rechten Verschwörungstheoretikern nachgesagt. Die Szene ist jedoch in beiden Ländern nicht homogen. Viel Aufmerksamkeit gibt es in den USA für schrullige Figuren, deren ausufernde Vorbereitungen in Fernsehsendungen gezeigt werden, und Millionäre, die sich luxuriöse Verstecke an geheimen Orten bauen. "Prepper" sind aber auch ganz gewöhnliche Menschen wie Charles. Ihm geht es nach eigener Aussage um Fitness und mentale Vorbereitung – und darum, mit unerwarteten Situationen klarzukommen. Es ist für ihn Hobby und zugleich wie eine Versicherung.

Wie viele "Prepper" es in den USA gibt, ist unklar. Nach Katastrophen sei aber zu beobachten, dass sich schlagartig mehr Menschen auf jedweden Notfall vorbereiten wollten, sagt Jeffrey Schlegelmilch, Vize-Direktor des Nationalen Zentrums für Katastrophenbereitschaft (NCDP) an der Columbia-Universität. Sogenannte Disaster Kits, die für den Ernstfall wappnen sollen, werden zu Verkaufsschlagern. Dabei gebe es keine Beweise für ihren Nutzen, so Schlegelmilch.

Eine andere Komponente, die im Gegensatz nützt: soziale Verbindungen wie beispielsweise Hilfe unter Nachbarn. Diese könnten genauso wichtig oder sogar wichtiger sein als Ausrüstungen und Vorräte, erklärt er.

Inshirah Overton wurde während der Finanzkrise 2008 zur "Prepperin". Als ihre Firma einen Einstellungsstopp verkündete, entschied sie, unabhängiger "vom System" zu werden. Nun nimmt die Juristin an Treffen teil, die sich gezielt an weibliche "Prepperinnen" richten. Die Themen reichen vom Herstellen eigener Seife bis zur Zusammenstellung einer frauenfreundlichen Ausrüstung für den Fall einer schnellen Flucht. Weder Charles noch Overton bereiten sich auf eine spezifische Katastrophe vor. Welcher Natur ein Extremfall wäre, spielt laut Schlegelmilch auch keine Rolle. Es sei "egal, ob es eine Flut ist, ein Feuer oder ein Angriff von Godzilla" – man bereite sich auf die Katastrophe vor.