Das Mysterium geht weiter

dpa

Von dpa

Fr, 12. Juli 2019

Panorama

Auf der Suche nach der 15-jährigen Emanuela Orlandi wurden im Vatikan zwei Gräber geöffnet.

ROM (dpa). Kaum ein Kriminalfall beschäftigt den Vatikan so lange wie dieser: Die Tochter eines päpstlichen Dieners verschwindet spurlos. Nun wurden zwei Gräber auf einem deutschen Friedhof in Rom geöffnet. Doch das Ergebnis der Öffnung erstaunt noch mehr.

Eigentlich waren sie gekommen, um nach den Gebeinen eines verschwundenen Mädchens zu suchen und Licht in einen der rätselhaftesten Fälle der Geschichte des Vatikans zu bringen. Doch stattdessen öffnete sich ein weiteres Mysterium. Auf dem deutschen Pilgerfriedhof im Vatikan machten sich am Donnerstag Kriminaltechniker zu schaffen, um zwei Gräber zu öffnen. Lag Emanuela Orlandi hier? Die damals 15-jährige Tochter eines päpstlichen Dieners war vor 36 Jahren spurlos verschwunden. Seitdem ist keine Theorie zu abstrus, um den Fall zu erklären.

Nun schien Bewegung in die Sache zu kommen. Eigentlich liegen auf dem kleinen Friedhof hinter Vatikanmauern Adelige und Geistliche aus dem deutsch- und flämischsprachigen Raum. Könnte jemand Emanuelas Leiche dort deponiert haben? Doch Stunden, nachdem die Beteiligten in der Anlage namens Campo Santo Teutonico ein Gebet sprachen und sich Forensiker mit weißen Helmen ans Werk machten, kam die Nachricht: Beide Gräber seien komplett leer gewesen, erklärte Papstsprecher Alessandro Gisotti. Also weder die Überreste von Emanuela noch die der Bestatteten waren darin.

Pietro Orlandi, Emanuelas Bruder, zeigt sich zwar erleichtert. "Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn man die Überreste von Emanuela gefunden hätte", sagte er. Aber alle seien sehr "verwundert" gewesen, dass die Gräber leer gewesen seien. Unglaublich, nennt er es.

Die Gräber gehören zu Sophie von Hohenlohe, gestorben 1836, und zu Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg, 1840 gestorben. Wo sind deren Gebeine? Wurden die Gräber geöffnet und die Überreste herausgenommen? Oder lagen die Personen nie dort? Der Vatikan schweigt sich über die Hintergründe aus.

Es hieß lediglich, im Hohenlohe-Grab sei ein Hohlraum von etwa 4 mal 3,70 Metern entdeckt worden. Und auch das Mecklenburg-Grab sei vollkommen leer gewesen. Die Hinterbliebenen der Adeligen seien über das Ergebnis benachrichtigt worden, fügte Papstsprecher Gisotti hinzu. Es sollten nun Dokumente ausgewertet werden, in denen Renovierungen auf dem Friedhof dokumentiert sind.

Emanuela war 1983 vom Besuch einer Musikschule in Rom nicht zurückgekehrt. Ihr Vater war Hofdiener von Papst Johannes Paul II. Einmal sollte Emanuela Opfer Krimineller geworden sein, die den Papst-Attentäter Ali Agca freipressen wollten. Dann wieder hieß es, Emanuela sei von Vatikandiplomaten entführt und auf Sexpartys ausgebeutet worden.

Auch die römische Unterwelt kam ins Spiel. Auf der Suche nach Spuren wurde sogar das Grab des Mafiabosses Enrico De Pedis geöffnet. Ergebnislos. Im Herbst letzten Jahres wurden dann Knochen bei einer vatikanischen Botschaft in Rom entdeckt und untersucht. Wieder Fehlanzeige. Sie stammten aus der Antike. Zuletzt soll ein Hinweis bei der Familie eingegangen sein, in einem Grab mit einer Engelsstatue zu suchen – das Hohenlohe-Grab.