Bergbauern in Südtirol: Knecht auf Zeit

Marcel Burkhardt

Von Marcel Burkhardt

Sa, 28. August 2010

Panorama

Das Leben der Südtiroler Bergbauern ist hart – erst recht, wenn sie in Not geraten. Zum Glück gibt’s Freiwillige, die unentgeltlich mit anpacken.

Rauch. In dichten, grauen Schwaden zieht er den Waldrücken hinauf. Aus den Blicken der Bauern spricht Furcht: die Kinder, die Alten, der Hof, die Tiere! Alles, woran ihr Herz hängt, in Gefahr. Heinrich Breitenberger (48) lässt die Sense ins Gras fallen. "Oh Gott!", ruft seine Frau Ilse (36) und presst ihre Hände fest gegen die Brust. Im Ultental beginnen die Sirenen zu heulen. Der Bauer reißt seine Tasche auf, greift nach dem Handy, wählt die Nummer vom Hof, zittert, vertippt sich, "hach", weiter. Es wählt, surrt. Sekunden wuchern zu einer gefühlten Ewigkeit. Die sonnenverbrannten Gesichter der Bauern haben ihre Farbe verloren, über Stirn und Wangen rinnt Schweiß hinab. Haben die Buben mit Feuer gespielt? Hat sich das Heu selbst entzündet? Im vorigen Sommer war die Hitze im Stadl schon einmal auf 70 Grad geklettert, trotz neuen Gebläses.
Endlich, Großmutter Walburgas Stimme. "Und?", ruft Ilse. Heinrich streichelt ihr über die Schulter: "Nicht unser Hof." Die Bauern setzen sich ins Gras, mitgenommen, erleichtert. Sie schließen die Augen, atmen tief durch. Die Luft duftet nach frisch gehauenen Gräsern, Blumen und Kräutern. Grillen zirpen ringsum, unweit stürzt ein Bach ins Tal, Wind rauscht durch die Wipfel der Fichten und Tannen. Das Paradies am Berg – unten im Tal die Hölle. Die Flammen werden zwei Häuser und Ställe mitsamt dem Vieh verschlingen, die Existenz zweier Familien in Schutt und Asche brennen.
"Ein schauderhafter Wahnsinn", sagt Ilse immer wieder. "Die armen Leute." Dann aber plötzlich, keine fünf Minuten sind vergangen, greift sie nach ihrer Sense, richtet sich auf. Auch ihr Mann, ihr ältester Sohn Julian (16) und Erntehelfer Rüdiger Löwegrün (63) stehen auf. Wortlos arbeiten sie weiter. Die Sonne sticht – ideales Wetter fürs Heuen, da wird jede Minute genutzt.
An heißen, trockenen Sommertagen arbeiten die Breitenbergers bis zu ...

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