Krisengipfel bei der Queen

Peter Nonnenmacher und dpa

Von Peter Nonnenmacher & dpa

Mo, 13. Januar 2020

Panorama

Britische Königin ist enttäuscht und will rasch einige wichtige Formalitäten in der Familie klären.

LONDON. Queen Elizabeth II., 93, hat laut Berichten in britischen Medien für Montag mehrere Familienmitglieder zum Gespräch auf ihrem Landgut Sandringham einberufen. Anlass ist die Ankündigung von Prinz Harry und Herzogin Meghan von ihrer Rolle als "Senior Royals" zurückzutreten.

Der Herzog und die Herzogin von Sussex wollen auch "finanziell unabhängig" werden und künftig mehr Zeit in Nordamerika verbringen, wo Meghan aufgewachsen ist. Derzeit hält sich Meghan in Kanada auf. Sie soll sich möglicherweise telefonisch zu dem Treffen zuschalten. Auf dem Landsitz in der ostenglischen Grafschaft Norfolk sollen neben Harry auch Thronfolger Prinz Charles und sein älterer Sohn Prinz William teilnehmen.

Der angekündigte Rückzug des Paares hatte in Großbritannien für Wirbel gesorgt. Unklar ist, was genau die Folge sein wird, denn die beiden wollen sich nicht komplett von den Royals lossagen. Selbst US-Präsidenten Donald Trump findet die Entscheidung nicht richtig.   "Ich habe einfach solchen Respekt für die Königin", erklärte Trump jetzt Fox News. "So hätte man sie nicht behandeln dürfen."

Auch Harrys Bruder William ist laut der Sunday Times traurig über die Entwicklung. "Ich habe mein Leben lang den Arm um meinen Bruder gelegt, und das kann ich nicht mehr tun, wir sind getrennte Einheiten", soll der Prinz nach Angaben eines Freundes gesagt haben.

Bei den Kirchgängern von Norfolk, wo die Queen am Sonntag zum Gottesdienst erwartet wurde, ist die Meinung geteilt. Die Pläne der jungen Royals seien für Elizabeth ein Schlag ins Gesicht, sagt Jean Acton. "Sie tut mir sehr leid. Es muss furchtbar sein." Christine Burton: "Ich hoffe, dass es die Familie nicht spaltet." Kate Watkin gibt der Öffentlichkeit eine Mitschuld an der Krise. "Ich denke, die Medien und wir selbst als Land haben sie zu dem Schritt gedrängt."

Bei dem Treffen soll es unter anderem um die Frage gehen, wie künftig für die Sicherheit von Harry, Meghan und ihrem acht Monate alten Sohn Archie gesorgt werden soll, wenn sie sich in Nordamerika aufhalten. Geklärt werden muss auch, bei welchen Anlässen das Paar noch öffentlich für die Royals auftreten wird. Auf die Anrede "Königliche Hoheit" müssen die beiden möglicherweise in Zukunft verzichten.

Auch das Thema Geld wird wohl auf den Tisch kommen: Harry erhält laut BBC von seinem Vater Charles jedes Jahr mehrere Millionen Pfund. In den nächsten Tagen muss geregelt werden, wie viel kommerzielle Eigeninitiative Harry und Meghan zugestanden werden kann, ohne dass sie sich dem Vorwurf aussetzen, ihren royalen Status in privaten Profit umzumünzen. Und welche Unterstützung ihnen weiter vom britischen Staat zuteilwerden soll. Ebenso beiläufig wie selbstverständlich hatten beide zum Beispiel das ihnen von der Königin zur Verfügung gestellte Anwesen Frogmore Cottage auf dem Windsor-Gelände als ihre weitere Basis im Königreich bezeichnet. Frogmore Cottage war erst vor zwei Jahren mit 2,4 Millionen Pfund Steuergeld für sie restauriert worden.