Sind wir noch zu retten?

Andreas Frey

Von Andreas Frey

Sa, 23. Februar 2013

Panorama

Drohen, warnen, alarmieren: Klimaforscher zeichnen meist ein düsteres Bild des Klimawandels – höchste Zeit, das zu ändern.

Doha ist gescheitert, Durban ist gescheitert, Cancun und natürlich Kopenhagen, die angeblich wichtigste Konferenz der Menschheit. All die Klimagipfel haben kaum etwas bewirkt, die Erde heizt sich weiter auf. Nur Hamburg ist an diesem tristen Wintertag mal wieder meilenweit von Wärme und Sonnenschein entfernt. Bei minus ein Grad und Ostwind legt das Forschungsschiff Ludwig Prandtl an der Fischauktionshalle ab und kämpft sich durch die halbvereiste Unterelbe. Eisschollen treiben vorbei, sammeln sich am Ufer, decken den Fluss zu.

Einer der Gastgeber dieses Nachmittags ist Hans von Storch, Klimaforscher an der Uni Hamburg und Leiter des Helmholtz-Zentrums für Küstenforschung in Geesthacht. Und wie er da am Bug des Schiffes steht und hinaus auf den Fluss blickt, mit Mantel und Mütze, könnte man ihn glatt für einen Seemann halten. Kein bärbeißiger, mürrischer Typ, kein Käpten Ahab, aber einer mit Ecken und Kanten; einer, der seine Meinung sagt, wenn es sein muss.

Neben ihm an der Reling steht Werner Krauß, der andere Gastgeber dieses Ausflugs auf die Elbe. Krauß ist Ethnologe, ein Beobachter, und nicht nur fachlich eher ein Antipode zum runden Seemann Hans von Storch. Zusammen haben sie das Buch "Die Klimafalle" geschrieben. Darin gehen sie der Frage nach, was bloß falsch läuft in der Klimaforschung. Und geben Antworten, wie es besser laufen könnte.

Der Klimaforscher und der Ethnologe – allein diese Konstellation macht dieses Buch zu einem bemerkenswerten Werk. Der eine erforscht die Natur, der andere die Menschen. Ein ungewöhnliches Paar, und doch genau die richtige Kombination, sich diesem komplexen Phänomen zu nähern.

Einer der Hauptvorwürfe der beiden lautet: Viele Klimawissenschaftler seien zu alarmistisch. Sie würden uns einzig den Schrecken der Erderwärmung vor Augen führen, Katastrophenszenarien zeichnen, die Apokalypse beschwören, überhöhen und dramatisieren. "Die Kommunikationsstrategie der vergangenen zwei Jahrzehnte bestand im Wesentlichen darin, die möglichen dramatischen Folgen des menschengemachten Klimawandels zu beschreiben", sagt Hans von Storch. Man muss nicht lange suchen, um diesen ...

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