Forschung im Universum

Start des deutschen Teleskops E-Rosita ins All erneut verschoben

dpa, BZ

Von dpa & BZ-Redaktion

Fr, 12. Juli 2019 um 11:03 Uhr

Panorama

Schon der zweite verpatzte Start – das deutsche Röntgenteleskop bleibt weiter am Boden. Jetzt soll es am Samstag abheben, um Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien zu erforschen.

Es habe Probleme mit der russischen Trägerrakete gegeben, sagte eine Sprecherin des maßgeblich am Bau von E-Rosita beteiligten Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München.

Das nächste Startfenster ist an diesem Samstag um 14.31 Uhr. Die Entscheidung, ob die Rakete dann vom Weltraumbahnhof Baikonur abheben kann, falle am Samstagvormittag, sagte die Sprecherin.

Der Start war bereits am 21. Juni wegen technischer Probleme verschoben worden. Damals war eine Batterie nicht voll geladen, die in einer Phase zur Zündung der Rakete notwendig gewesen wäre.

Mit dem Teleskop soll eine Karte entstehen, die das Universum und seine Entwicklung abbildet

An Bord der Trägerrakete ist auch ein russisches Teleskop. Etwa drei Monate nach dem Start sollen die Teleskope ihr 1,5 Millionen Kilometer entferntes Ziel erreichen, vom dem aus sie eine kosmische Inventur des Universums beginnen. E-Rosita soll Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien in bisher unerreichter Auflösung erforschen. Aus den Daten soll eine Himmelskarte entstehen, die das Universum und seine Entwicklung abbildet.

Mit sieben parallel ausgerichteten Spiegelsystemen soll E-Rosita (extended Roentgen Survey with an Imaging Telescope Array) die Strukturen des Alls über Röntgenstrahlung sichtbar machen. Seit dem Urknall dehnt sich das Universum aus. Eigentlich sollte diese Expansion durch die Schwerkraft der Materie verlangsamt werden. Doch angetrieben durch die Dunkle Energie beschleunigt sich die Ausdehnung sogar – und wie Dunkle Energie funktioniert, ist auch weitgehend ungeklärt.

Etwa 100.000 Galaxienhaufen sollen abgebildet werden

Wie kann man also Dunkle Energie, die unsichtbar ist und sich nur auf riesigen Entfernungen bemerkbar macht, mit einem Röntgenteleskop erforschen? Der Schlüssel sind Galaxienhaufen, Ansammlungen von Tausenden Einzelgalaxien, die durch Schwerkraft aneinander gebunden sind. Ihre Verteilung zeigt, wie sich das Universum seit dem Urknall ausdehnt. Im Inneren dieser Galaxienhaufen befindet sich ein Gas, das so heiß ist, dass es Röntgenstrahlung aussendet und damit für E-Rosita sichtbar wird.

Etwa 100.000 Galaxienhaufen sollen identifiziert und ihre Verteilung in Raum und Zeit – denn schließlich sehen wir diese Objekte aufgrund der endlichen Lichtgeschwindigkeit in der Vergangenheit – bestimmt werden. Der Vergleich mit der Gegenwart, also der Beobachtung nahe gelegener Haufen, erschließt die zeitliche Variation der Strukturen. Und so lässt sich beispielsweise klären, ob und wie sich der Anteil der Dunklen Energie an der Energiedichte im Universum im Laufe der kosmischen Evolution geändert hat.