Sturmschäden

Tief "Mortimer": Bahn stellt Fernverkehr im Norden weitgehend ein

dpa

Von dpa

Mo, 30. September 2019 um 09:17 Uhr

Panorama

Sturmtief "Mortimer" zieht über Teile Deutschlands, kippt Bäume um, bricht Äste ab. Am Morgen geht für Reisende auf vielen Strecken nichts mehr. Schäden gibt es auch in Baden-Württemberg.

Die Deutsche Bahn hat ihren Fernverkehr in Norddeutschland wegen des Sturmtiefs "Mortimer" weitgehend eingestellt. Betroffen von der Sperrung am Montagmorgen ab etwa 8 Uhr waren die Strecken Hamburg - Berlin, Hamburg - Hannover, Bremen - Hannover, Hannover - Göttingen, Hannover - Wolfsburg und die Strecke Wolfsburg - Braunschweig - Hildesheim - Göttingen, wie die Deutsche Bahn via Twitter mitteilte. "Züge des Fernverkehrs werden zurückgehalten", hieß es. Im Regionalverkehr gab es zunächst keine größeren Behinderungen.

Auswirkungen auch im Südwesten

"Mortimer" hat auch Baden-Württemberg in der Nacht zu Montag ordentlich durchgepustet. Wegen eines umgestürzten Baums auf den Gleisen bei Backnang (Rems-Murr-Kreis) fuhren Züge am Montagmorgen zwischen Winnenden und Backnang nur eingeschränkt. Laut einem Sprecher der Bahn war ein Gleis am Morgen wieder frei, S-Bahnen der Linie S3 fuhren dennoch zunächst nur zwischen Stuttgart und Winnenden. Für Pendler wurde ein Busersatzverkehr eingerichtet.

Regionalzüge fuhren die Strecke am Morgen nur in eine Richtung - Bahnen nach Stuttgart fuhren über eine Umleitung. Wann auch das zweite Gleis wieder befahrbar sein wird, war zunächst unklar.

Umgestürzte Bäume

Der starke Wind hielt auch die Einsatzkräfte bei Karlsruhe und Pforzheim in Atem. Wie das Polizeipräsidium in Karlsruhe am Montagmorgen mitteilte, kam es zu insgesamt 42 Einsätzen - hauptsächlich wegen umgestürzter Bäume und herabgefallener Äste, doch auch wegen umgekippter Toilettenhäuschen mussten die Kräfte ausrücken. Herabfallende Baumteile beschädigten laut Polizei fünf Fahrzeuge und richteten einen Schaden von rund 15.000 Euro an.

Auch die anderen Polizeipräsidien in Baden-Württemberg berichteten von umgestürzten Bäumen, Bauzäunen und Verkehrsschildern. Verletzte gab es nach Polizeiangaben vom Morgen jedoch keine.

Spektakuläre Rettungsaktion bei Dortmund

In Niedersachsen krachte am Montagmorgen ein Baum in eine Oberleitung. Ein ICE konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr in die Unfallstelle bei Nienburg, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Verletzt wurde niemand. Die Passagiere mussten aber zunächst im Zug ausharren, da nicht klar war, ob noch Strom durch die kaputte Oberleitung fließt und dadurch eine Gefahr für sie besteht.

Die Züge der IC-Linie Norddeich Mole - Bremen - Hannover - Leipzig wurden größtenteils umgeleitet und verspäteten sich um circa 60 Minuten. Am Morgen war zunächst unklar, wie lange die Störung dauern würde, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte.

In der Nacht hatte es zunächst nur geringfügige Schäden durch "Mortimer" gegeben. Die Lagezentren der Polizei in allen 16 Bundesländern berichteten hauptsächlich von umgekippten Bäumen und abgebrochenen Ästen. Meldungen von Verletzten gab es den Angaben zufolge am frühen Morgen keine.

Eine spektakuläre Rettungsaktion erlebten Hunderte Schafe auf einer Weide in Dortmund. Starke Regenfälle hatten die Weide mit rund 300 Tieren geflutet. Die Feuerwehr setzte ein Rettungsboot ein und baute Stege, um die Tiere vor dem Ertrinken zu retten, wie ein Sprecher der Einsatzkräfte am frühen Montagmorgen sagte. Bis 02.00 Uhr waren den Angaben zufolge 200 Tiere von der Weide geholt. Die Wiese stand nach Angaben eines dpa-Fotografen anderthalb bis zwei Meter unter Wasser. Mehrere Tiere, darunter auch Lämmer, seien in den Wassermassen verendet. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 120 Einsatzkräften vor Ort.

Die Verwaltung des Nationalparks Harz warnte am Montag vor dem Betreten der Wälder in dem Mittelgebirge. Es könnten jederzeit Bäume umstürzen, sagte Sprecher Friedhart Knolle am Morgen in Wernigerode. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Leipzig wurden am frühen Montagmorgen Windgeschwindigkeiten von knapp 145 Kilometern pro Stunde auf dem höchsten Berg des Mittelgebirges gemessen.

Im Saarland gingen bis 2.20 Uhr rund 50 Notrufe wegen umgekippter Bäume oder Bauzäune ein. Ein Baum sei auf ein geparktes Auto gefallen.

Laub bietet Angriffsfläche

Der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes zufolge sollen sich die stärksten Böen über den Norden in den Nordosten und Osten Deutschlands verlagern, wo sie bis zum Nachmittag anhalten sollen. Im Norden und Nordosten bestehe Unwettergefahr durch einzelne orkanartige Böen. Vereinzelt könne es zu kurzen Gewittern kommen. Mit dem Abzug von "Mortimer" nach Osten schwäche sich der Wind von Westen her rasch ab. Dort werde bereits am Montagvormittag kaum noch etwas vom Sturm zu spüren sein.

Der Deutsche Wetterdienst hatte das Tief "Mortimer" als ein kleines Tief, "das recht flink unterwegs ist und nicht unterschätzt werden sollte", angekündigt.

Gefahrenpotenzial sah der DWD unter anderem, weil die Bäume noch voll belaubt seien und dem Wind damit eine große Angriffsfläche böten, so dass sie auch bei nicht ganz so hohen Windstärken umstürzen könnten.