Ostsee-Fähre

"Und dann war das Schiff weg" – Ein Überlebender des Estonia-Unglücks erinnert sich

Markus Vögele und André Anwar

Von Markus Vögele & André Anwar

So, 29. September 2019 um 15:06 Uhr

Panorama

BZ-Plus Vor 25 Jahren sank die Ostsee-Fähre Estonia. 852 Menschen starben. Manfred Rothe aus Neckargemünd hat acht Stunden lang um sein Leben gekämpft und überlebt. Bis heute ranken sich Mythen um das Unglück.

Mit letzter Kraft, erinnert sich Manfred Rothe, habe er sich über Wasser gehalten. Drei-, viermal sei er schon kurz untergegangen gewesen im 13 Grad kalten Wasser der Ostsee in jenen dramatischen Minuten des 28. September 1994, zwischen ein und zwei Uhr morgens. "Als ich wieder auftauchte und mich umdrehte, sah ich die Bugspitze, die senkrecht aus dem Wasser ragte und sank", erzählt er. Die Stimmung sei ganz eigentümlich gewesen – eine klare Nacht bei Vollmond, das Wasser war zu diesem Zeitpunkt wieder still. "Und dann war das Schiff weg." Von nun an sollte er acht Stunden um sein Leben kämpfen.

Der Apotheker und Lebensmittelchemiker aus Neckargemünd ist einer von 137 Menschen, die das schwerste Schiffsunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte überlebt haben. 852 andere ertranken oder erfroren in jener verhängnisvollen Nacht, etwa die Hälfte von ihnen Schweden, als die Estonia vor der finnischen Küste nahe der Insel Utö sank. Nur 94 der Toten wurden geborgen.

Dass Rothe, damals 36 Jahre alt, an Bord war, war Zufall
Als die Auto- und Passagierfähre am Vorabend der Katastrophe mit 17-minütiger Verspätung um 19.17 Uhr das letzte Mal vom estnischen Tallinn Richtung Stockholm auslief, war die Ostsee stürmisch gewesen. An Bord ahnte noch keiner, dass sie den Hafen der schwedischen Hauptstadt nie erreichen würden. Dass Rothe, damals 36 Jahre alt, an Bord war, so erinnert er sich, sei Zufall gewesen. Gemeinsam mit einem Freund ...

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