Wer pflegt, bekommt häufiger Diabetes

André Anwar

Von André Anwar

Di, 24. September 2019

Panorama

Studie aus Schweden zeigt, dass manche Berufsgruppen deutlich gefährdeter sind als andere.

STOCKHOLM. In einigen Berufen tritt Diabetes viel häufiger auf als in anderen. Das hat eine großangelegte Studie des renommierten schwedischen Karolinska Instituts, das auch die Nobel-Preise vergibt, ergeben. So seien Lkw-Fahrer, Putzfrauen, Pflegekräfte, Fabrikarbeiter und Kellner besonders gefährdet, Lehrer, Führungskräfte und Krankengymnasten dagegen weniger.

Die Studie soll die umfangreichste sein, die bisher zu diesem Thema aufgelegt wurde. Die Wissenschaftler des Karolinska Instituts werteten die Daten von 4,6 Millionen Schweden der Jahrgänge 1937 bis 1979 aus. Das ist fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung des skandinavischen Landes. Laut der nun im Fachjournal Diabetologia veröffentlichten Studie ist Altersdiabetes in bestimmten Berufsgruppen besonders verbreitet, in anderen kaum. Laut der Rangliste der Forscher, erkranken knapp zehn Prozent aller männlichen Lastwagenfahrer irgendwann in ihrem Leben an Diabetes. Putzkräfte, Kranken- und Pflegepersonal sowie Lager- und Fabrikarbeiter erkranken dreimal häufiger an Altersdiabetes als Krankengymnastinnen. Chefs in unterschiedlichen Funktionen, Ökonomen, Ingenieure und Architekten werden am seltensten "zuckerkrank".

Bei Frauen gibt es Altersdiabetesdiagnose besonders häufig auch bei Restaurant- und Küchenkräften. Am seltensten erkranken dahingegen Krankengymnastinnen, zahnmedizinische Fachassistentinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen und Schauspielerinnen.

Unregelmäßige Arbeitszeiten könnten eine Rolle spielen

"Uns hat am meisten überrascht, dass der Unterschied so groß ist zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen", sagt Studienleiterin Sofia Carlsson vom Karolinska Institut der Badischen Zeitung. "Ein dreimal so großes Risiko in bestimmten Berufen, das ist sehr viel. Der Unterschied beim Erkrankungsrisiko ist um einiges höher, als man in Studien gemessen hat, in denen es nur um Bildungs- und Einkommensunterschiede ging", betont die schwedische Epidemiologin.

Arbeitsbedingungen, wie viel Stress, unregelmäßige Arbeitszeiten und langes Stillsitzen wird als ein wichtiger Risikofaktor für Diabetes betrachtet. Aber auch andere Gründe spielen eine Rolle. Epidemiologin Sofia Carlsson nennt folgende: In den Hochrisikoberufsgruppen für Zuckererkrankungen werde häufig mehr geraucht als in den anderen Gruppen. Auch Übergewicht sei dort weiter verbreitet als in den Gruppen mit geringerem Risiko. Insgesamt sei die Kondition bei den Hochrisikogruppen allgemein schlechter als in den Berufsgruppen mit niedrigerem Erkrankungsanteil.

Laut Carlsson ist allerdings nicht nur der Beruf ausschlaggebend. Oft hätten Betroffene schon vor der Berufswahl ungesunde Lebensgewohnheiten. Das zeigten die schwedischen Armeemusterungsunterlagen der Schulabgänger. Wichtig sei, speziell das Augenmerk auf gefährdete Berufsgruppen zu richten. Jeder könne gesünder leben, unabhängig vom Beruf. Einen Tipp hat sie: "Es brauch nicht viel, um das Risiko für Diabetes deutlich zu reduzieren. Ein 30-minütiger, zügiger Spaziergang am Tag reicht schon, das zeigen frühere Studien."