Haferdrink aus dem Schwarzwald

René Zipperlen

Von René Zipperlen

So, 20. Oktober 2019

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Mehr als nur Milch: Kann die Freiburger Molkerei mit veganen Drinks am boomenden Markt punkten?.

Mit der Tochterfirma Black Forest Nature will die Molkerei Schwarzwaldmilch auf den Trend zur veganen Ernährung aufspringen: mit einem hochpreisigen Bio-Haferdrink. Ob die Marke Schwarzwald hier zum Stich kommen kann?

Die Freiburger Molkerei Schwarzwaldmilch reagiert auf den Trend zum Verzicht auf tierische Produkte, bevor sie ihn negativ zu spüren bekommt, und steigt über eine Tochtergesellschaft in den boomenden Markt für veganen Milchersatz ein. Am Donnerstag stellte die Black Forest Nature GmbH das Produkt vor, das ab März 2020 in den Regalen stehen soll: einen Haferdrink. Er trägt das strenge Siegel des Bioland-Verbands, das Getreide stammt aus dem Schwarzwald, zum Teil von eigenen Milchbauern. Produziert wird am Standort Offenburg, abgefüllt in der Freiburger Zentrale. Unter dem Markennamen "Velike!" (als Mix aus dem Englischen "we like", wir mögen, und "vegan") gibt es neben der Grundvariante noch einen Drink mit Mandelzusatz, einen mit einem Schuss Calcium – das der Ersatzmilch im Vergleich zum tierischen Produkt fehlt – sowie eine etwas ölreichere "Barista"-Variante für Milchkaffee und Cappuccino.

Geschäftsleiter Andreas Helm ist vom Erfolg überzeugt. Zwar habe veganer Milchersatz nur einen Marktanteil von ein bis zwei Prozent, Haferdrinks hätten aber in zwölf Monaten um 50 Prozent zugelegt. Außerdem habe der Drink in einer groß angelegten Blindverkostung die Konkurrenz hinter sich gelassen. Er schmeckt im Vergleich etwas weniger süß, was über die Fermentierung des Hafer-Wasser-Breis gesteuert wird. Auch enthält "Velike!" weniger Salz als etwa die Drinks von Alnatura oder Edeka. Dafür einen höheren Nährwert, also mehr Kalorien.

Zu den Investitionskosten und geplanten Mengen gibt man sich bedeckt. Eingelagert sind aber 200 Tonnen Hafer, das reicht für rund 1,3 Millionen Liter.

Sticht der Schwarzwald auch beim Thema Hafer?

Bei Milchprodukten hat die Freiburger Molkerei mit dem Alleinstellungsmerkmal Schwarzwald eine beeindruckende Bilanz: Die Eigenmarken wachsen deutlich über dem Markttrend mit zuletzt zwischen 12 und 15 Prozent, so Geschäftsführer Andreas Schneider.

Der weiß, dass diese Produkte "vor Schwarzwald triefen" müssen. Auf das Milchmarketing mit sanften Tälern und Bollenhut auf der Packung trifft das allemal zu.: Wer Schwarzwald denkt, denkt auch an Weiden und Kühe.

Hafer ist bisher kein Bestandteil des Markenkerns Schwarzwald. Und die am Donnerstag vorgestellten Packungen sehen im Grunde aus, wie Packungen für Haferdrinks eben aussehen. Nur oben in der Ecke verrät ein grünes Logo mit stilisierter Kuckucksuhr die Heimat des Hafers. Reicht das aus, um aus der schon gut präsenten Konkurrenz im Supermarktregal herauszustechen?

Zudem sind die geplanten 2,29 Euro für den Liter im Milchkarton ein stolzer Verkaufspreis. Schwarzwaldmilchpartner Edeka verkauft seinen eigenen Biohaferdrink für 99 Cent. Er trägt freilich nur das weniger strenge EU-Biosiegel und stabilisiert den Drink mit Zusatzstoffen. Alpro setzt noch Vitamine und Zichorien zu, hat kein Biosiegel und kostet rund 1,99 Euro. Bioplatzhirsch Alnatura verspricht "Hafer aus Deutschland", trägt das EU-Siegel und setzt wie "Velike" nur etwas Salz und Öl zu, mit 1,49 Euro liegt der Liter deutlich unter dem Neuling.

Anders sieht es aus mit dem Frischeprodukt: Damit steht "Velike" als erster Haferdrink in der Glasflasche im Kühlregal – Konkurrent Innocent, eine Coca-Cola-Tochter, kommt nur in der Plastikflasche und steht in der Regel bei dessen Frucht-Smoothies. Die Flaschenvariante soll 2,49 Euro kosten.

Allerdings verbreitet Geschäftsleiter Helm große Zuversicht und verweist auf die große "Leistungsbereitschaft" des Einzelhandels. Mit einigen Händlern habe man bereits Lieferverträge abgeschlossen, auch mit Bioläden sei man in Kontakt. Denkbar seien auch weitere Produkte für den veganen Markt, zu denen Helm noch nichts sagen möchte. Der Eintrag beim Deutschen Patent- und Markenamt verrät aber, wohin die Reise gehen könnte: Für Quark, Joghurt und Sahne aus Hafer und anderen Getreidesorten hat sich "Velike" Markenrechte gesichert. Ebenso für Eis und Fruchtdrinks.