BZ-Jobmotor-Siegerporträt

Höfler & Stoll – Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 16. April 2019 um 19:34 Uhr

Wirtschaft

Für den Architekten Richard Stoll liegt der Schlüssel zum Erfolg in gelungener Teamarbeit. Sein Büro in Heitersheim hat im vergangenen Jahr fünf Mitarbeiter hinzugewonnen.

Welche Firma hat in Südbaden die meisten Stellen geschaffen? Wer bindet seine Mitarbeiter am besten an den Betrieb? Beim Wettbewerb Jobmotor zeichnen die Badischen Zeitung und ihre Partner außergewöhnliche Unternehmen aus. Das Heitersheimer Architekturbüro Höfler & Stoll hat den Preis in der Kategorie "Neue Mitarbeiter" für Firmen bis 20 Beschäftigte gewonnen.

Das Geheimnis ist die richtige Mischung aus Offenheit und Ungestörtheit bei der Arbeit. So lässt sich Richard Stolls Konzept für das Gedeihen seines 1989 gegründeten Architekturbüros zusammenfassen. Mit den Jahren hat Stoll den Ansatz verfeinert – und er trägt Früchte, unterstützt von einer boomenden Baukonjunktur. Vergangenes Jahr hat der Betrieb fünf Mitarbeiter hinzugewonnen. Nun sind 18 Menschen für Höfler & Stoll in Heitersheim tätig. Der Hauptengpass der Branche besteht derzeit darin, überhaupt Bewerber anzulocken.

"Wir haben bei uns vor rund einem Jahr unseren sogenannten stillen Mittwoch eingeführt", erzählt Stoll. Gemeint ist damit, dass seine Mitarbeiter am Mittwochnachmittag keine Telefonanrufe, Handykontakte und E-Mails mehr beantworten. Nur in ganz dringenden Fällen stellt das Sekretariat laut Stoll noch durch. "Anfangs hat es da durchaus Einwände und Widerstand gegeben", erinnert sich der 59-jährige Architekt aus Ehrenkirchen-Offnadingen. "Gerade unsere Projektleiter waren erst der Ansicht, dass man ihre Erreichbarkeit nicht einschränken darf. Doch mittlerweile hat sich die Stimmung geändert."

Die Zeit des ungestörten Arbeitens sei ungemein hilfreich und erhöhe die Produktivität enorm, wenn es darum gehe, neue Ideen und kreative Lösungen für Bauvorhaben zu ersinnen. "Und es hilft auch, wenn man konzentriert etwa eine Rechnung gründlich prüfen muss oder andere Aufgaben abarbeitet, die Aufmerksamkeit und einen klaren Geist erfordern", sagt Stoll. Auf der anderen Seite sei aber auch der Austausch im Team äußerst wichtig, erläutert der verheiratete Vater zweier Kinder. Seine Frau Ulrika arbeitet von Anfang an im Büro mit, ein Sohn ist mittlerweile ebenfalls Architekt.

Dass Offenheit für Stoll eine große Rolle spielt, wird beim Gang durch das rund 400 Quadratmeter große Architekturbüro deutlich. In der Halle, die einst eine Schlosserei war, sitzen die Mitarbeiter an großen Schreibtischinseln, zwischen denen Regale mit Aktenordnern für eine gewisse Abtrennung sorgen. Doch es dominiert großzügige Offenheit mit einer hohen Decke und viel Raum, um in Kontakt zu treten. "Vielleicht neigen gerade wir Architekten oftmals ein wenig zu Eigenbrötlerei mit unseren Einfällen", sagt Stoll. Da wolle er gegensteuern. "Ich ermutige dazu, dass alle die Pläne und Visualisierungen der Projekte, an denen sie gerade arbeiten, an ihrem Platz aufhängen. Dann können die anderen drauf schauen, wenn sie durchs Büro gehen, man kommt ins Gespräch, und daraus ergeben sich nicht selten wichtige Hinweise auf mögliche Schwachpunkte und weitere Verbesserungsmöglichkeiten."

Damit das funktioniere, müsse das Team harmonieren. "Da bin ich als Chef gefordert", erklärt Stoll. Überhaupt müssten Architekturbüros sich derzeit anstrengen, um neue Mitarbeiter zu finden. "Vor allem, wenn man nicht in Freiburg sitzt, sondern etwas abseits auf dem Land", sagt Stoll. Natürlich gebe es flexible Arbeitszeitmodelle. "Da muss man heute als Arbeitgeber entgegenkommend sein, sonst wird es sehr schwierig." Etwa ein Drittel der Kollegen sei länger als 20 Jahre im Büro, zugleich lege man aber Wert darauf, über Auszubildende und Praktikanten frische Impulse von außen zu bekommen. Überdies seien Kontakte zu Berufseinsteigern wertvoll, wenn später Stellen zu besetzen seien. "Zur Mitarbeiterfreundlichkeit gehört aber auch, dass wir bei den IT-Systemen auf dem neuesten Stand sind", sagt Stoll.

Gegründet hat Stoll das Büro 1989 mit seinem damaligen Geschäftspartner Werner Höfler. Seit 2014 führt er den Betrieb alleine. "Ich wollte immer ein eigenes Büro", sagt der Unternehmer, der in Stuttgart Architektur studiert hat. Dass er nicht dafür gemacht sei, sich in eine Hierarchie einzuordnen, sei ihm spätestens während des Wehrdiensts bei der Bundeswehr klar geworden. Zusammenarbeit auf Augenhöhe – das sei bis heute sein Leitmotiv, auch im Umgang mit den eigenen Beschäftigten.

Das Büro plant und realisiert sowohl Projekte im Wohnungsbau, Ein- und Mehrfamilienhäuser, also auch Gewerbebauten und öffentliche Bauten. Die Heitersheimer zeichnen beispielsweise verantwortlich für die Sanierung des Freiburger Hofs beim Martinstor in Freiburg mit seinem preisgekrönten Dachstuhl, die Erweiterung der Kita in Schallstadt-Mengen oder die Erweiterung und den Umbau der Winzergenossenschaft Wolfenweiler. "Projekte von Höfler & Stoll waren immer wieder Ziele unserer Touren beim Tag der Architektur, bei denen herausragende Bauten präsentiert werden", sagt Wolfgang Mittl, bis vor Kurzem Chef der zuständigen Kammergruppe der Architektenkammer.

Weitere Berichte zum Wettbewerb Jobmotor sowie Bildergalerien von der Preisverleihung gibt’s in einem Online-Dossier unter mehr.bz/jobmotor