BZ-Wahlzeit

Berliner Volkswirt Fratzscher hält den Staat für nicht unterfinanziert

Hannes Koch

Von Hannes Koch

Do, 29. August 2013

Bundestagswahl

Er lehnt Steuererhöhungspläne der Opposition ab

BERLIN. Der Wirtschaftsforscher Marcel Fratzscher lehnt die Steuererhöhungspläne von SPD, Grünen und Linken zur Bundestagswahl ab. Er meint, höhere Steuern sind nicht notwendig. Ohnehin werde der Staat in Zukunft Überschüsse erwirtschaften. Die könne er zum Beispiel in eine bessere Bildung investieren, sagt der Chef der Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dadurch stiegen auch die Einkommen im Niedriglohnsektor. Mit Fratzscher sprach Hannes Koch.

BZ: Geht es Deutschland vor der Bundestagswahl ökonomisch tatsächlich super oder bleibt für die neue Bundesregierung noch etwas zu tun?
Fratzscher: Die deutsche Wirtschaft scheint zu brummen. Aber dieser Eindruck ist falsch. Wir haben nicht alles richtig gemacht. Zwar steht Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten relativ gut da, jedoch sollte die Frage sein, ob wir unserem eigenen Anspruch gerecht werden. Wir sind im Winterhalbjahr knapp einer Rezession entgangen, und unser Wachstum wird mit etwa 0,4 Prozent in diesem Jahr weiterhin schwach sein. Wir verzeichnen zwar Erfolge, indem der Staatshaushalt wieder ins Lot gekommen und die Zahl der Arbeitslosen unter drei Millionen gesunken ist. Wir dürfen aber die Kehrseite nicht vergessen. Das Wirtschaftswachstum seit 2000 war enttäuschend, und heute leben viele Menschen von geringeren Realeinkommen als vor zehn Jahren.
BZ: Warum sind die Einkommen gesunken?
Fratzscher: Der Hauptgrund liegt in den fehlenden Investitionen, die zu einem schwachen Produktivitätswachstum ...

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