Raumfahrt

Nasa-Rover Perseverance twittert: "Ich bin sicher auf dem Mars"

Christina Horsten

Von Christina Horsten (dpa)

Fr, 19. Februar 2021 um 20:30 Uhr

Panorama

Der Nasa-Rover Perseverance ist auf dem roten Planeten gelandet. Der Roboter wird sich dort an den Vorbereitungen der bemannten Erkundung beteiligen, die in den 203034 Jahren stattfinden soll.

Vor neun Jahren landete mit Curiosity der bislang letzte Nasa-Rover auf dem Mars. Jetzt ist mit Perseverance ein technisch noch deutlich ausgefeilterer Roboter dazu gekommen. Die Landung lief rund – aber, so sagt die Nasa: "Die Mission hat gerade erst begonnen."

Der US-Rover Perseverance ist erfolgreich auf dem Mars gelandet. "Landung bestätigt", hieß es am Donnerstag aus dem Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa im kalifornischen Pasadena – und unter den Ingenieuren und Wissenschaftlern brandete Applaus und Jubel auf. Schon wenige Minuten nach der Landung schickte Perseverance erste pixelige Schwarz-Weiß-Fotos. Darauf zu sehen sind unter anderem Schatten und Räder des Rovers sowie Oberfläche und Horizont des Mars.

Entwicklung und Bau des Roboters haben acht Jahre gedauert

"Was für ein wundervoller Tag", sagte der kommissarische Nasa-Chef Steve Jurczyk. "Was für ein wundervolles Team, das durch alle Widrigkeiten und Herausforderungen gearbeitet hat, die die Landung eines Mars-Rovers mit sich bringen – und dann auch noch die Herausforderungen der Corona-Pandemie." US-Präsident Joe Biden gratulierte allen Beteiligten über Twitter zur erfolgreichen Landung: "Heute ist wieder bewiesen worden, dass mit der Kraft von Wissenschaft und amerikanischem Einfallsreichtum nichts unmöglich ist."

Der im Juli 2020 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus gestartete Roboter setzte nach 203 Flugtagen und 472 Millionen zurückgelegten Kilometern mit einem riskanten und mehrminütigen Manöver in einem bislang noch nie vor Ort untersuchten ausgetrockneten See namens Jezero Crater auf. Diesen See mit einem Durchmesser von etwa 45 Kilometern soll Perseverance (auf Deutsch etwa: Durchhaltevermögen) in den kommenden zwei Jahren untersuchen. Der Rover sei ersten Erkenntnissen zufolge nach der Landung in gutem Zustand, sagte Nasa-Manager Matt Wallace.

Die Entwicklung und der Bau des umgerechnet 2,2 Milliarden Euro teuren Roboters hatten acht Jahre gedauert. Er soll auf dem Mars nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens suchen sowie das Klima und die Geologie des Planeten erforschen. Zudem solle der Roboter bei den Vorbereitungen für die in den 2030er Jahren geplante bemannte Erkundung des Mars helfen, sagte der kommissarische Nasa-Chef Jurczyk. "Diese Landung ist einer dieser Schlüsselmomente für die Nasa, die USA und die globale Weltraumforschung."

An Bord hat der rund 1000 Kilogramm schwere Roboter von der Größe eines Kleinwagens unter anderem sieben wissenschaftliche Instrumente, 23 Kameras, einen Laser – und er wartet mit zahlreichen Nasa-Premieren auf: Erstmals wurden mit Perseverance Mikrofone auf den Mars geschickt, erstmals ein kleiner Hubschrauber, und erstmals sollen in einer gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrt-Agentur Esa entwickelten Mission Proben vom Mars zurück zur Erde gebracht werden.
Ein Leichtgewicht für den roten Planeten

Die Nasa hat für ihre Mars-Mission ein ganz besonderes Gerät dabei, und für viele Raumfahrtfreunde ist dieses der heimliche Star des Abenteuers: der Mini-Helikopter Ingenuity. Dieser ähnelt eher einer Drohne als einem Helikopter. Die Ingenieure mussten das Fluggerät so leicht wie möglich bauen, damit es in der extrem dünnen Atmosphäre des Planeten abheben kann.

Das Gerät wiegt gerade einmal 1,8 Kilogramm und besteht aus vier Füßen, einem Flugkörper und zwei Propellern. Die Propeller drehen sich 2400 Mal pro Minute und damit etwa fünf Mal schneller als bei einem normalen Hubschrauber auf der Erde.

Ingenuity, was sich ins Deutsche mit Einfallsreichtum übersetzen lässt, ist mit vier Solarpaneelen ausgestattet, um seine Batterien wieder aufladen zu können. Ein großer Teil der Energie wird benötigt, um das Fluggerät nach Nachttemperaturen von minus 90 Grad wieder aufzuwärmen. Während seiner Flüge kann Ingenuity Fotos und Videos vom Mars machen. Auf der Reise zum roten Planeten wurde der Hubschrauber im Bauch des Mars-Rovers Perseverance transportiert.

Wegen der Corona-Pandemie war nur rund die Hälfte der Nasa-Mitarbeiter im Kontrollzentrum anwesend, die normalerweise bei einem solchen Manöver dort arbeiten würden. Sie trugen Masken mit einem Bild des Rovers darauf und hielten Abstand voneinander. "Das Team rastet völlig aus, das ist alles so surreal", sagte Chef-Ingenieur Rob Manning. Die große Plastikdose Erdnüsse, die vor einem solchen Landeversuch normalerweise herumgereicht wird und Glück bringen soll, sei durch individuelle Päckchen für jeden ersetzt worden, hatte er zuvor verraten. Nasa-Manager Thomas Zurbuchen zerriss bei einer Pressekonferenz wenige Stunden nach der erfolgreichen Landung symbolisch den für ein Scheitern der Mission erstellten und ausgedruckten Notfallplan.

Perseverance ist bereits der fünfte Rover, den die Nasa zum Mars gebracht hat. Zuletzt war 2012 Curiosity dort angekommen. Insgesamt war bislang allerdings nicht einmal die Hälfte aller weltweit gestarteten Mars-Missionen erfolgreich. In der vergangenen Woche waren kurz hintereinander Raumsonden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und aus China erfolgreich in die Umlaufbahn des Planeten eingeschwenkt. Al-Amal, die Sonde der Vereinigten Arabischen Emirate, soll nicht landen, das Aufsetzen des chinesischen Raumschiffs Tianwen 1 ist in zwei bis drei Monaten geplant.

"Ich bin sicher auf dem Mars", hieß es nach der Landung auf dem Twitter-Account von Perseverance. "Durchhaltevermögen bringt dich überall hin." Auch auf dem Twitter-Profil der Nasa wurde die Landung bestätigt – mit dem Zusatz: "Der Countdown zum Mars ist abgeschlossen, aber die Mission hat gerade erst begonnen .")