Stellenspezial Logistik

Netzausbau durch Paketflut

dpa

Von dpa

Mo, 16. April 2018 um 11:03 Uhr

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Anzeige Wer seine Paketnetze nicht ausbaut, gerät in die Defensive. Der Onlinehandel treibt die Zusteller zum Ausbau ihrer Infrastruktur an. Die Post startete mit dem Bau eines weiteren Paketzentrums in Nordrhein-Westfalen; und auch die Konkurrenz schläft nicht.

Für die Paketdienstleister sind sie das Rückgrat im Paketgeschäft, die großen Logistik- und Paketzentren. In den Regionen fungieren sie als Verteilstellen in einem eng geknüpften Spinnennetz, an dessen Ende die sogenannten letzte Meile zum Kunden steht, private Haushalte wie auch Gewerbetreibende. Doch die Paketzentren ächzen unter einer Dauerlast, denn der boomende Onlinehandel drückt immer mehr Waren in die Netze.

"Die Infrastruktur muss optimiert werden", beschreibt Ingo Bertram vom Paketdienstleister Hermes die Lage. Das Unternehmen ist eine Tochterfirma des Otto-Versands und gehört zu den größten Konkurrenten des Branchenprimus Deutsche Post DHL. "Wir hatten im Sommer Mengen auf den Fahrzeugen, die bereits dem Volumen des vorangegangenen Weihnachtsgeschäfts entsprechen."

Erst im vergangenen April hatten die Hamburger in Bad Rappenau in der Nähe von Heilbronn ein Logistikzentrum, in dem bis zu 25 000 Sendungen pro Stunde sortiert werden können, eröffnet. Der Ausbau gehört zu einem Investitionsprogramm zur Erweiterung des Paketnetzwerks. Bis Ende 2019 will das Unternehmen dafür rund 300 Millionen Euro in die Hand nehmen. Das größte Paketzentrum in Deutschland ist seit gut einem Jahr in Obertshausen bei Frankfurt in Betrieb.

Die Deutsche Post hatte hier ihr 34 Paketzentrum eröffnet. Doch bei den Bonnern geht es weiter Schlag auf Schlag: Im Spätsommer 2017 startete das Unternehmen auf dem ehemaligen Opelwerksgelände in Bochum den Bau eines weiteren Paketzentrums.

Wie in Obertshausen sollen hier bis zu 50 000 Pakete pro Stunde oder 400 000 pro Schicht sortiert werden können und 600 neue Jobs entstehen. Eine solche Kapazität kann kaum ein anderer Standort in Europa vorweisen. Nur das Logistikzentrum von Hermes in der britischen Stadt Rugby kann da mit einer Tageskapazität von 1,5 Millionen Pakete mithalten.

Insgesamt hat die Post nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren rund 750 Millionen Euro in den Ausbau ihres Paketnetzes gesteckt. Das Unternehmen investiere kontinuierlich in die Paketinfrastruktur, um das steigende Volumen zustellen zu können, betonte eine Sprecherin. Mittlerweile sei die Post in der Lage, in jeder Betriebsstunde mehr als eine Million Sendungen in ihren Paketzentren zu bearbeiten. Und mit Bochum werde im Netzwerk ein idealer Zugang zu einem der größten Ballungsräume in Europa geschaffen.

Tatsächlich tun die Logistikfirmen alles, um weiter vom Boom des Onlinehandels zu profitieren. "Wir kämpfen um jedes Paket", lautet die Devise von Jürgen Gerdes, im Postvorstand für Briefe, Pakete und E-Commerce zuständig. Doch der gelbe Riese kann die Paketflut allein kaum stemmen. Die aktuellen Zahlen der Studie über den Kurier-, Express- und Paketmarkt (KEP) verdeutlichen die Entwicklung. Im Jahr 2021 werde das Sendevolumen, getragen hauptsächlich vom Paketversand, auf mehr als vier Milliarden ansteigen, eine Milliarde mehr als noch 2016. Im Privatkundengeschäft lag der Zuwachs 2016 bei Plus 13 Prozent. Handelsverbände wie der HDE oder der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel erwarteten auch für 2017 ein Plus von elf Prozent. Eine Untersuchung der Unternehmensberater von McKinsey aus 2016 rechnet bis 2025 sogar mit einer Verdoppelung des Paketvolumens. Davon soll dann ein Fünftel auf Auslieferung und Zustellung am gleichen Tag entfallen.

Gleichzeitig kommen neue Herausforderungen auf die Paketdienstleister zu: Neue Wettbewerber wie Internethändler drängen auf den Markt und neue Geschäftsmodelle entstehen. Kein Wunder, dass sich die Unternehmen für die zukunft wappnen wollen. Seit fünf Jahren rüstet die GLS, Tochterfirma der britischen Royal Mail, ihr Netz auf, um das steigende Volumen bewältigen zu können. Und DPD nahm im vergangenen Herbst ein neues Sortierzentrum in Steinen in der Nähe von Lörrach ans Netz.