Neue Chancen trotz Pandemie

Bernadette Winter

Von Bernadette Winter (dpa)

Sa, 27. Februar 2021

APA

Wer sich verändern will, kann das jederzeit tun.

Kurzarbeit, Kündigung, Konzernpleite: Die Corona-Krise geht am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorüber. Doch was heißt das für individuelle Berufswünsche und Karrierepläne?

Prinzipiell sei es immer wichtig, offen für Entwicklungen zu bleiben, meint Cordula Nussbaum. Krise hin oder her. "Dass man einen Beruf lernt und bis zur Rente in einer Firma bleibt, ist heute nicht mehr realistisch." Zudem änderten sich die Berufsbilder so schnell, dass es grob fahrlässig wäre, sich in Sicherheit zu wiegen.

Die Psychologin und Coachin rät, den Markt und seine Tendenzen stets im Blick zu behalten und sich selbst die Freude zu erhalten, neue Themen zu erarbeiten, Interessen zu pflegen. "In der Krise profitieren die, die schon vorher neugierig waren, vielleicht sogar mehrere Standbeine hatten."

Aber wann sollte man tatsächlich einen Wechsel ins Auge fassen? "Wenn es genügend Hinweise gibt, dass man den Beruf nicht mehr wird ausüben können, ist es sinnvoll, sich umzuorientieren", sagt Alexander Brungs. Der Sprecher des Deutschen Coaching-Verbands warnt allerdings vor Panik und Aktionismus.

Hat man die Entscheidung getroffen, sich umzuorientieren, geht es an die Selbstanalyse. "Was macht mich aus, in welchem kulturellen Umfeld fühle ich mich aufgehoben und welche Skills, Stärken und Werte habe ich?", beschreibt Christina Georgsson vom Deutschen Bundesverband Coaching die zentralen Fragen. "Überlegen Sie sich: Welche Branche wäre vergleichbar zu meiner jetzigen? Sehen Sie sich selbst als Problemlöser für eine bestimmte Aufgabe", schlägt die Beraterin vor.

Georgsson sieht große Chancen auf dem sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt, also Stellen, die zwar vakant, aber (noch) nicht offiziell ausgeschrieben sind. Wer seine Stärken und Wünsche kenne, könne sich entsprechend passende Unternehmen raussuchen und anschreiben. "In der Regel sind das eher die Familienunternehmen oder der gehobene Mittelstand, den gilt es zu erobern." Würden Stellen noch zurückgehalten, sei man schon mal im Gespräch.

Oder man wagt den ganz großen Umbruch und geht ins Ausland. So schildert Georgsson den Fall einer Klientin, die nach ihrem Job als Key Account-Managerin bei einer Reiseagentur jetzt als Führungskraft im Vertragsmanagement einer Agentur auf Kreta arbeitet. "Führungskräfte, die international aufgestellt sind, werden wieder eine Chance erhalten", sagt die Karriereberaterin.

Wer seinen Job verloren habe, könne sich eine Zwischenlösung suchen, die nichts mit den bisherigen Tätigkeiten zu tun habe. Nussbaum empfiehlt jedoch, trotzdem im Thema zu bleiben – etwa, indem man Netzwerke nutzt oder ehemalige Kontakte aufwärmt. "Satteln Sie nicht gleich um", warnt sie, "sondern halten Sie den Fuß in der Tür". So könne es sogar sinnvoll sein, sich selbst eine Deadline zu setzen, bis zu der man den Alternativjob machen will.

Dass es Weitsicht und Mut braucht, um Dinge zu machen, die außerhalb der Komfortzone liegen, weiß Beraterin Georgsson. Sie lenkt den Blick auf das Positive: So könne die Corona-Krise einen auch befördern, weil man ohne die herausfordernde Lage für bestimmte Schritte oder Entscheidungen vielleicht nicht den Mut hätte oder zu bequem wäre.