Appelle statt Verbote

Neue Schilder am Tuniberg sollen für mehr Rücksicht sorgen

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Mi, 18. August 2021 um 16:03 Uhr

Munzingen

Auf den Wirtschaftswegen am Tuniberg kommt es immer wieder zu Unfällen, zwischen Autos, Traktoren und Radfahrern. Nun ermahnen 72 Hinweisschilder zu gegenseitiger Rücksichtnahme.

Immer wieder einmal ist es in der Vergangenheit zu Unfällen auf den Wirtschaftswegen des Tunibergs gekommen. Deshalb werden nun in den nächsten Wochen an den Zufahrten und bekannten Wanderparkplätzen Schilder aufgestellt, die Radler, Autofahrer, Wanderer und Winzer zur gegenseitigen Rücksichtnahme aufrufen.

"Wir wollen nicht mit Verboten arbeiten, sondern alle Verkehrsteilnehmer und Landwirte für ein gutes Miteinander sensibilisieren", sagt Günter Linser, Vorsitzender des Vereins Tuniberg Wein und Initiator der Aktion, bei der Vorstellung des Projekts beim Attilafelsen oberhalb von Niederrimsingen. Linser hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass die Bereitschaft, gegenseitig aufeinander Rücksicht zu nehmen, leider abgenommen hat.

Immer wieder, so erklärt er auf Nachfrage, habe es am Tuniberg auch einmal gekracht. Inzwischen nutzten unzählige Radfahrer die kleine Erhebung im Oberrheingraben für einen Ausflug oder für ein regelmäßiges Training. "Einige rasen dabei auch um die Kurven oder die Abfahrten hinunter." Von Winzern, die mit ihren Traktoren aus den Rebzeilen auf die Wirtschaftswege fahren, seien diese Radler manchmal nur schwer rechtzeitig zu sehen. Es habe aber auch schon Unfälle zwischen Autos und Traktoren oder zwischen Pkws und Radlern gegeben. Hinzu komme, dass immer mehr Wanderer ihren Müll in der Landschaft und den Reben zurücklassen würden.

Immer mehr Müll bleibt liegen

Als sich Linser überlegte, wie die Hinweisschilder gestaltet werden könnten, suchte er nach Vorlagen aus anderen Weinbaugebieten. Dort fand er aber nur Verbotsschilder. "Das wollte ich hier am Tuniberg nicht, weil Verbote häufig unnötige Emotionen auslösen. Ich setze mehr auf Verständnis", erläutert er seine Position.

Bevor der Vorsitzende des Vereins Tuniberg Wein sein Vorhaben in die Tat umsetzte, führte er zahlreiche Gespräche mit Bürgermeistern und Ortsvorstehern, Weinkollegen sowie mit den Verantwortlichen des Badischen Weinbauverbandes in Freiburg. Überall sei seine Idee positiv aufgenommen worden. Man habe schließlich beschlossen, insgesamt 72 Hinweisschilder an den Zufahrten und den markanten Punkten des Tunibergs aufzustellen, auf dem die Winzer rund 1100 Hektar Weinberge bewirtschaften. "Der Appell, mehr aufeinander zuzugehen, richtet sich übrigens auch an uns Winzer", betont Linser.

Grafisch sind die neuen Hinweisschilder, die es nach Angaben der Organisatoren bundesweit so noch nicht gibt, in drei Teile gegliedert. Neben bildlich dargestellten Radfahrern, Wanderern, Traktoren und Rebzeilen, sind die Sätze "Bitte parke nicht vor den Rebzeilen", "Bitte nimm deinen Müll wieder mit" und "Bitte nimm Rücksicht" zu sehen.

Ein Schild kostet 80 Euro

Ein Hinweisschild kostet zusammen mit der Stange, an der es befestigt ist, laut Linser 80 Euro. Aufgestellt würden sie vor allem von den Mitgliedern des Vereins Tuniberg Wein. An der Finanzierung beteiligten sich unter anderem mehrere Ortsverwaltungen und der Badische Weinbauverband, sodass an dem Verein Tuniberg Wein nur noch rund 2000 Euro hängenbleiben würden.

Das erste der neuen Hinweisschilder wurde am Attilafelsen oberhalb von Niederrimsingen von der Badischen Weinkönigin Kathrin Lang enthüllt. Sie lobte die Idee, an das gegenseitige Verständnis zu appellieren und nicht mit Verboten zu arbeiten: "Es ist wichtig, dass Touristen und Winzer gut kooperieren." Das Projekt könne für ganz Deutschland eine Vorbildfunktion haben. Holger Klein, der stellvertretende Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, dankte den Initiatoren und sprach die Hoffnung aus, "dass es viele Nachahmer gibt".