Serienstart

Neue Staffel von "Game of Thrones": Das Endspiel kann beginnen

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Mo, 15. April 2019 um 19:03 Uhr

Computer & Medien

Die Bühne für den großen Kampf der zerstrittenen Guten gegen das tote Böse ist bereitet: Die achte und letzte Staffel des Fantasy-Epos "Game of Thrones" hat begonnen.

Es ist Samwell Tarly, der Jon Schnee eine Wahrheit mitteilt, die die Zuschauerinnen und Zuschauer schon lange kannten: "Du bist König der ganzen verdammten sieben Königslande", sagt der gute Sam beim Wiedersehen mit dem alten Freund in der Krypta von Winterfell, dem Familiensitz des Hauses Stark. Zuvor hatten die beiden eine recht unangenehme Unterhaltung darüber, dass Jon Schnees neue Flamme Daenerys Targaryen den Bruder und Vater von Tarly mit Hilfe ihrer Drachen bei lebendigem Leib hat verbrennen lassen. "Du bist König Aegon Targaryen, sechster seines Namens" – Jon Schnee, der vermeintlich uneheliche Sohn von Ned Stark, der immer nichts wusste, weiß jetzt alles. Er ist der rechtmäßige Erbe des Eisernen Throns. Und die Frau, die er liebt, ist seine Tante. Was wird er mit diesem Wissen machen?

Und da sind wir dann nun. Die achte und letzte Staffel "Game of Thrones" hat begonnen. In sechs Folgen, knappen 438 Minuten, wollen David Benioff und D.B. Weiss die vielen Handlungsstränge der Kult-Fantasy-Serie über Macht und Politik zu einem fulminanten Finale bringen und das Schicksal von Westeros besiegeln. Für alle, die diese Saga nicht kennen: "Game of Thrones" erzählt vom Kampf mehrerer großer Familien um den Eisernen Thron, die Herrschaft über den Kontinent Westeros. Während die Familien Lennister, Stark, Baratheon und Targaryen Kriege führen, versammelt sich im Norden des Reichs eine Armee Untoter, die die gesamte Westerosi-Zivilisation auszurotten droht. Es ist eine große Heroen-Geschichte, mit vielen Handlungssträngen und Charakteren. Dass in Staffel acht ausgerechnet Jon Schnee, der vermeintliche Bastard der Starks, Anspruch auf den Thron haben könnte, hätte 2011 wohl niemand ahnen können.

Gefilmt wurde unter anderem in Nordirland, Kroatien und Island, noch aufwendiger als bisher. Drachen werden fliegen, das Zombie-Heer wird gen Süden marschieren und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wieder viele sympathische und unsympathische Charaktere qualvolle Tode sterben. George R.R. Martin, Autor der Buchvorlage, hatte dies schon in einer der ersten Skizzierungen des Epos geplant: "Einige der Opfer werden sympathische Hauptcharaktere sein", schrieb er seinem Lektor 1993 beim Versenden der ersten Kapitel der Buchvorlage zur Serie. "Ich will, dass der Leser das Gefühl hat, das nie jemand vollkommen sicher ist, nicht einmal die Charaktere, die Helden zu sein scheinen. Die Spannung steigt immer an, wenn jeder Charakter jederzeit sterben könnte."

Und gestorben wurde viel in den bisherigen Staffeln: vom Stark-Clan sind nur noch vier Mitglieder übrig geblieben, die Lennisters und Baratheons wurden radikal dezimiert, der treue Stark-Gehilfe Hodor starb heldenhaft, das Massaker bei der "Roten Hochzeit" in der dritten Staffel wurde adäquat gerächt, geradezu befriedigend war der Tod von Super-Strippenzieher Littlefinger in Staffel sieben. Wer jetzt noch lebt, muss sich entscheiden: Wofür oder wogegen kämpfe ich jetzt mit wem – und warum? "Game of Thrones" war immer mehr als Sterben, Sex und Schwertkampf, auch wenn diese drei Bestandteile so wichtig waren und sind.

Die Wartezeit auf Staffel acht verbrachten die Fans mit reichlich Spekulationen. Wer wird am Ende auf den Thron sitzen – wenn es ihn denn überhaupt noch gibt? Was wird aus Jon und Daenerys? Welches Unheil wird Zombie-Drache Viserion anrichten? Wird der Nachtkönig die Toten von Winterfell zum Leben erwecken? Und welcher ihrer Brüder wird am Ende die intrigante Cersei Lennister töten – oder wird es gar Arya Stark sein?

Die erste Folge von Staffel acht, in der Nacht zum Montag erstmals gesendet, bereitet elegant die Bühne für den großen Kampf der zerstrittenen Guten gegen das tote Böse, der jetzt kommen muss. Mit schönen bildlichen Parallelen zur ersten Folge von Staffel eins inszeniert Regisseur David Nutter die Ankunft von Daenerys, Jon und ihren Truppen auf Winterfell. Auch die Szene in der Krypta hatte eine Parallele – dort fragte in Folge eins Robert Baratheon Ned Stark, ob er die rechte Hand des Königs werden wolle – die Entscheidung, mit der alles Übel begann. Und reihenweise treffen Charaktere, die sich lange nicht gesehen hatten, wieder aufeinander. Und selbst größte Feinde finden gute Worte füreinander: "Du lebt noch, gut gemacht."

Als Gegengewicht zu all den schweren Enthüllungen und Begegnungen bekommt Jon Schnee von Daenerys eine erste Flugstunde auf einem Drachen – zu einem Date natürlich. Noch mal ein bisschen Spaß haben, bevor es ernst wird. Und ernst wird es werden, denn den Nachtkönig, die Weißen Wanderer und die Zombie-Armee gab es in Folge eins nicht zu sehen – nur deren mörderisches Werk. Wie die Staffel strukturiert wird, ist vollkommen offen, Folgentitel wurden noch nicht veröffentlicht. Lange wird die Ruhe nicht andauern. Denn bekannt ist schon, dass bei Folge drei Miguel Sapochnik Regie führte: Er ist bei "Game of Thrones" der Fachmann für Großkampfszenen.

"Game of Thrones" Staffel 8, Veröffentlichung neuer Folgen bis 19. Mai jeweils montags um 3 Uhr auf Sky. Kauf/Leihe tags darauf bei Amazon, iTunes, Google Play Store.

Auch das noch: Das Thron-Orakel

Daenerys Targaryen ist die Top-Kandidatin auf den umkämpften Eisernen Thron. Das sagen Informatikstudenten der Technischen Universität München. Sie entwickelten einen Algorithmus, um Todesfälle in der Serie "Game of Thrones" vorherzusagen. Targaryens Überlebenschance liegt demnach bei 99 Prozent, Jon Snows bei 88. Erste Todeskandidatin mit einer Wahrscheinlichkeit von 73 Prozent ist Sansa Stark. Ein wichtiger Faktor für die Prognose ist, wie viele Verwandte einer Figur bereits starben. Und Männer sind gefährdeter als Frauen. Jon Snows Wiederauferstehung sagte der Algorithmus 2016 korrekt voraus. Allerdings prognostizierte er damals auch Daenerys Targaryens Tod. Zwei Jahre später gilt sie quasi als unsterblich. (dpa)