Neue Virusart weit verbreitet

dpa

Von dpa

Do, 18. Februar 2021

Deutschland

Anteil der britischen Corona-Variante steigt in Deutschland auf 22 Prozent / Spahn mahnt zu Vorsicht.

Neue, ansteckendere Varianten des Coronavirus breiten sich trotz rückläufiger Gesamtinfektionen in Deutschland schnell aus. Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg der Anteil des zuerst in Großbritannien entdeckten Typs binnen zwei Wochen von knapp 6 auf mehr als 22 Prozent.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Mittwoch in Berlin: "Wir müssen mit Blick auf die Mutationen sehr vorsichtig sein, wenn wir jetzt langsam den Lockdown verlassen." Nach einer Auswertung des RKI verdoppelt sich der Anteil der britischen Variante B.1.1.7 in Deutschland derzeit jede Woche. "Wir müssen damit rechnen, dass die Variante bald auch bei uns die dominierende werden könnte", sagte Spahn. Eine zuerst in Südafrika aufgetretene Mutation hat nun einen Anteil von 1,5 Prozent. Dies ermittelte das RKI Spahn zufolge in einer repräsentativen Stichprobe von 23 000 positiven Testergebnissen. In dem am Mittwoch veröffentlichten zweiwöchentlichen RKI-Bericht zu den Virusvarianten heißt es, es sei mit einer weiteren Erhöhung des Anteils der britischen Variante B.1.1.7 zu rechnen, wie es aus anderen europäischen Ländern berichtet werde.

Spahn dämpfte Erwartungen an rasche Lockerungen anhand eines festen Plans. Es sei richtig, als Erstes Kitas und Schulen stärker zu öffnen. Die Wirkung auf die Virus-Verbreitung sei aber abzuwarten. Alle zwei Wochen sei zu überprüfen, "wo wir stehen". Das Sinken der Infektionszahlen sei ermutigend". Am Mittwoch meldete das RKI insgesamt 7556 neue positive Testungen auf Sars-CoV-2 und 560 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus. Die bundesweite Inzidenz lag bei 57 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen.

In Brüssel schlug die EU-Kommission zusätzliche Maßnahmen gegen neue Virusvarianten vor und brachte dabei Notfallzulassungen für Impfstoffe ins Spiel. Die Verbreitung der zunächst in Großbritannien, Südafrika und Brasilien identifizierten Varianten könne einen "Paradigmenwechsel" im Kampf gegen Corona darstellen, teilte die Kommission mit. Die Varianten seien stärker ansteckend "und in einigen Fällen wurden sie mit einer potenziell erhöhten Schwere der Erkrankung in Verbindung gebracht".

Derweil geht die Zahl der neu gemeldeten Corona-Infektionen weltweit zurück. In der vergangenen Woche (bis 14. Februar) waren es noch 2,7 Millionen Neuinfektionen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berichtete. Das war ein Rückgang um 16 Prozent zur Vorwoche. Anfang Januar wurden der WHO mehr als fünf Millionen Neuinfektionen pro Woche gemeldet.