"Noch ist alles offen"

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 17. Januar 2021

Fussball International

Beim Schweizer Fußball-Erstligisten FC Baselsehnen sie sich nach einem Titel.

Der FC Basel hat es trotz einer turbulent-chaotischen Hinrunde geschafft, auf dem zweiten Platz zu überwintern. Trainer Ciriaco Sforza sieht sein Team im Aufwind. Beim einstigen Schweizer Vorzeigeclub hoffen sie auf einen Titel.

Ciriaco Sforza hat sich schon immer gerne schwierigen Aufgaben gestellt. Mit 23 Jahren wechselte der Mittelfeldspieler aus der Schweiz zum 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga, später holte er mit den Roten Teufeln als Aufsteiger die Meisterschaft. Sforza spielte für den FC Bayern und Inter Mailand. Nach seinem Karriereende nahm er direkt auf dem Trainerstuhl Platz.

Vor großen Herausforderungen hat er sich also nie gedrückt. Auch nicht, nachdem er 2015 eine vierjährige Auszeit nehmen musste. Wieder erstarkt stieg er 2019 beim FC Wil in der zweiten Schweizer Liga wieder ins Trainergeschäft ein. Als dann vergangenen Sommer der FC Basel anklopfte, begann seine bisher vielleicht schwierigste Aufgabe.

An der Spitze steht das Team aus der Hauptstadt

Sforza wechselte zu einem Riesen in der Krise: Von 2010 bis 2017 holte der FC Basel acht Meisterschaften in Serie. Extern und intern bezeichnete man die Nordschweizer als FCB der Schweiz. Zuletzt aber gelang den Young Boys Bern die Wachablösung: Dreimal in Folge haben die Hauptstädter den Titel gewonnen. Und trotzdem sagte Neutrainer Sforza nach seinem Antritt im Sommer: "Ich bin überzeugt, in Basel eine erfolgreiche Zeit zu haben."

Gut vier Monate später fällt Sforzas Fazit positiv aus: "Wir haben es besonders am Ende sehr gut gemacht: Dass wir im Dezember aufgeschlossen haben, stimmt mich sehr zufrieden", sagt Sforza am Dienstag. In der Tat haben die Nordschweizer 2020 einen starken Schlussspurt hingelegt. Nach schwachem Saisonstart ist es dem FCB im Dezember doch noch gelungen auf den zweiten Platz aufzuschließen. An der Spitze steht aber weiterhin der Konkurrent aus der Hauptstadt.

Der Corona-Spielplan hat den Schweizer Mannschaften nur eine kleine Pause gewährt. Gerade ist Sforza mit seinem Team in die Vorbereitung für die Rückrunde gestartet. "Trotz der kurzen Zeit wollen wir am Fundament arbeiten", sagt Sforza – will heißen: Der Trainer lässt an der Fitness arbeiten, will insgesamt mehr Explosivität sehen. Dass seinen Spielern diese in der ersten Saisonhälfte phasenweise abging, liegt auch an der chaotischen Hinrunde der Basler. Corona-Fälle, Quarantäne-Pausen, Unruhe und Personalwechsel im Verein sowie offen ausgetragene Konflikte mit der Fanszene. Im November schließlich wählten die Mitglieder in Reto Baumgartner einen neuen Präsidenten. Sein unbeliebter Vorgänger allerdings hält als größter Anteilseigner weiterhin die Fäden in der Hand. Glaubt man der Klatschpresse, rumort es intern weiterhin gewaltig: Der einstige Serienmeister kommt nicht zur Ruhe.

Hinzu kamen Personalprobleme: In Arthur Cabral, Kapitän Valentin Stocker und Taulant Xhaka fielen lange Zeit Leistungsträger aus. Im Oktober verließ der paraguayische Verteidiger Omar Alderete in Richtung Hertha Berlin. Die von der Vereinsführung angekündigten Neuzugänge ließen bisher auf sich warten.

Es verwundert daher kaum, dass Sforza nicht wirklich zurückblicken will. "Wir bleiben geduldig", sagt der FCB-Trainer. Seine Spieler pflichten ihm bei: Nach dem deutlichen 5:0-Testspielerfolg über den FC Aarau unter der Woche gab der Stürmer und zweifache Torschütze Ricky van Wolfswinkel im vereinseigenen TV-Kanal zu Protokoll: "Wir alle sind gut drauf." Sforza hofft indes, dass sein Team fortan kompakter in der Verteidigung und aggressiver im Pressing agiert. Gelingt das, sieht er auch die Meisterschaft noch nicht verloren: "Noch ist alles offen." Ohnehin findet Sforza, dass es oben eng zugeht: "Kein Team ist weit weg, am Ende entscheidet in unserer Liga derzeit oft die Tagesform."

Wie gut diese bei ihnen momentan ist, können die Basler kommende Woche zeigen. Dann starten sie gegen den FC Zürich mit dem ersten Pflichtspiel ins neue Jahr. Nach drei titellosen Jahren wieder die Meisterschaft zu holen, wird dabei kein leichtes Unterfangen: Doch leicht hat es sich Ciriaco Sforza ohnehin noch nie gemacht.