Nur allein oder zu zweit nach draußen

Norbert Wallet, Christopher Ziedler und dpa

Von Norbert Wallet, Christopher Ziedler & dpa

Mo, 23. März 2020

Deutschland

Weitere Einschränkungen wegen Coronavirus / Ausnahmen für Familien / Drei Todesfälle in Südbaden / Kanzlerin selbst in Quarantäne.

BERLIN. In Baden-Württemberg dürfen von diesem Montag an wegen des Coronavirus nur noch zwei Menschen zusammen draußen sein. Eine Ausnahme gibt es für Familien. Das sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nach einer Telefonschalte der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag. Indes muss die Kanzlerin selbst in Quarantäne. In Südbaden gab es am Wochenende drei neue Todesfälle.

Zuletzt galt in Baden-Württemberg, dass drei Menschen zusammen unterwegs sein durften, die nicht einer Familie angehören. Neu ist auch, dass Menschen, die nicht gemeinsam in einem Haushalt leben, in der Öffentlichkeit einen Abstand von 1,5 Metern zueinander halten sollen. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich während einer Videokonferenz auf eine weitere Verschärfung der Leitlinien im Umgang mit dem Coronavirus verständigt.

Gruppen feiernder Menschen seien künftig nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch "in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen angesichts der ernsten Lage in unserem Land inakzeptabel", heißt es in dem Beschluss. "Das sind nicht irgendwelche Empfehlungen, das sind Regeln, die einzuhalten sind", sagte Merkel. Bei Verstößen werde es Strafen geben. Weiter möglich bleiben soll ausdrücklich das Verlassen der Wohnung aus beruflichen Gründen, zur Notbetreuung der Kinder, für Einkäufe, Arztbesuche erforderliche Termine oder Prüfungen. Erlaubt ist auch individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft. Geschlossen werden alle Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie etwa Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen (nicht aber Physiotherapie) oder Tattoo-Studios. Alle Maßnahmen gelten zunächst für die kommenden 14 Tage.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte, sein Land sei bereits mit strengen Maßnahmen vorangegangen, an denen sich nun die bundesweiten Leitlinien orientierten. Er zeigte sich erfreut darüber, dass die im Land verhängten Maßnahmen wirkten. "Corona-Partys sind verschwunden, die Abstandsgebote beim Einkaufen werden eingehalten, das ist sehr erfreulich", sagte Kretschmann. Er betonte, dass es zwei Wochen brauche, bis die nun beschlossenen Schritte auch wirkten. "Bis dahin müssen wir durchhalten", sagte er.

In Deutschland waren bis Sonntag mehr als 24 100 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt geworden. Mehr als 90 mit Sars-CoV-2 Infizierte sind bislang bundesweit gestorben. Am Freitag und Samstag sind im Ortenaukreis ein Mann und eine Frau, jeweils über-80-jährig, und in Freiburg eine über-90-jährige Frau gestorben.

Nicht einmal eine Stunde nach Merkels Auftritt vor Journalisten teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntag mit, dass die Kanzlerin selbst zum Corona-Verdachtsfall geworden ist. "Die Bundeskanzlerin wurde nach ihrem heutigen Presseauftritt davon unterrichtet, dass ein Arzt, der am Freitagnachmittag eine prophylaktische Pneumokokken-Impfung bei ihr vorgenommen hatte, mittlerweile positiv auf das Coronavirus getestet wurde", heißt es: "Daraufhin hat die Bundeskanzlerin entschieden, sich unverzüglich in häusliche Quarantäne zu begeben."

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