700 Anmeldungen

In Kehl findet das womöglich größte Tauzieh-Turnier Deutschlands statt

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Do, 13. Juni 2019 um 06:15 Uhr

Offenburg

Die Sportfreunde Goldscheuer veranstalten am am kommenden Wochenende ein großes Tauziehturnier. Dafür haben sich etwa 700 Athleten aus 10 Ländern angemeldet.

Die Tauzieher aus dem Kehler Ortsteil klotzen diesmal richtig: Zum 70. Geburtstag stellen die Sportfreunde Goldscheuer am kommenden Samstag und Sonntag, 15. und 16. Juni, ein wahres Mammut-Turnier auf die Beine. Nie soll es in Deutschland, wie es heißt, ein größeres Turnier gegeben haben. 700 Athleten aus 50 Clubs sind angemeldet. Sie stammen aus zehn europäischen Ländern.

Jeder dürfte schon mal Tauziehen ausprobiert haben – die Regeln sind ja auch nicht unbedingt schwer zu verstehen. Grob gesagt: Einer steht rechts am Seil, ein anderer links. Sieger ist, wer den anderen über eine bestimmte Markierung hinweg gezogen hat.

Wer die Sportart mal in Vollendung erleben will, hüben wie drüben mit jeweils acht Ziehern, dem sei der Besuch des Sportfestes der Sportfreunde Goldscheuer empfohlen. Nach 1989 und 1999 war es der Ehrgeiz, jetzt, zum 70. Geburtstag, erneut ein großes Turnier zu stemmen, wohl wissend, dass die Tauziehabteilung international einen sehr guten Ruf hat.

Tauziehen gibt’s in der Region seit fast 100 Jahren

Eigentlich ist das sportliche Tauziehen in der Umgebung sogar schon fast 100 Jahre alt. Bereits 1921 wurde der Kraftsportverein Gemeinde Marlen gegründet, neben Tauziehen gab es auch Stemmen, Ringen und Rasenkraftsport. Der Zweite Weltkrieg brachte den Sport zum erliegen, der Verein wurde aufgelöst.

Am 29. Mai 1949 gründeten der einstige Kraftsportverein zusammen mit den Kickern und Reitern die Sportfreunde Goldscheuer. Ab 1955 ging man auch wieder ans Seil – und bereits vier Jahre später wurde der erste deutsche Meisterschaft eingefahren. Es sollten bislang weitere 45 folgen.

Auch international haben Athleten aus Goldscheuer schon mehrfach Extraklasse bewiesen und bei Europa- und Weltmeisterschaften mit der deutschen Nationalmannschaft Titel geholt. Zu diesen zählt auch Daniel Fien, Sportler und Vereinstrainer zugleich.

Der 34-Jährige schiebt gleich ein Vorurteil vom Tisch: "Viele Laien stellen sich unter Tauziehern große, dicke Männer vor." Eine völlig falsche Vorstellung. Käme ein Tauzieher-Spitzenteam in normaler Straßenkleidung daher, käme kaum jemand auf die Idee, dass es sich um Sportskameraden handelt, für die Kraft wichtig ist, kaum mal, dass einer durch überragende Muckis auffällt. Auch Fien mit seinen 80 Kilo Körpergewicht nicht: "Kraft ist bei uns längst nicht alles. Tauziehen ist ein Sport, der viele Komponenten vereint, neben Kraft auch Ausdauer, eine gute Technik, wozu die richtige Körperhaltung zählt, dann auch das Zusammenspiel unter den Athleten." Es gelte, den Bewegungsablauf optimal zu koordinieren.

Man könne es ein bisschen auch mit einem Ruder-Achter vergleichen: Pure Kraft alleine reiche nicht aus, die Abläufe müssten sehr geschmeidig sein. "Um richtig gut zu werden, braucht man mindestens fünf bis sieben Jahre."

Und vor allem: gezieltes Training, das sich im Team am Seil abspielt, aber auch individuell im Kraftraum. Jetzt freut sich der studierte Vermessungsingenieur, beim Landratsamt beschäftigt, erst mal auf das Turnier am kommenden Samstag und Sonntag, 15. und 16. Juni, auf dem Sportplatz in Goldscheuer.

Die angemeldeten 700 Sportler kommen aus Deutschland, dem spanischen Baskenland, Belgien, Italien, Niederlande, Schweden, der Schweiz, aus Irland, Lettland und Polen.

Die großen Jungs machen den Anfang

Es wird in sechs Kategorien gezogen, beginnend am Samstag mit der schwersten Klasse, "Männer 700 kg". Was bedeutet, dass jedes Team nicht mehr als 700 Kilo auf die Waage bringen darf. Auch Frauen stehen am Seil (520 kg), auch eine U-23-Klasse gibt es wie auch eine Mixed-Klasse. Daniel Fien kennt sich in der Sportart bestens aus, kein Wunder, stand er doch bereits mit 13 erstmals am Seil und trat damals in die Fußstapfen von Vater und Großvater, "auch der Onkel hat gezogen, und Bruder Andreas zieht auch".

Daniel Fien kennt natürlich alle Regeln und Kniffe aus dem Effeff. Etwa dass ein einzelner Zug als gewonnen gilt, wenn die Markierung am Seil über die Mittellinie gezogen wurde. Oder dass Absitzen ebenso zur Verwarnung führt wie Abstützen auf dem Boden mit der Hand, Anheben des Seils oder Einklemmen des Seils mit dem Oberschenkel. Und selbst das Nachgreifen mit den Händen sei nicht erlaubt, sagt Fien: "Die Hand muss immer auf demselben Fleck bleiben."

Manchmal dauert der Zug acht Minuten

Und wie lange dauert denn ein einzelner Zug? Der kann bereits nach zehn Sekunden fertig sein oder erst nach acht Minuten. "Man muss", sagt Fien, "halt einfach sehr clever sein. Dicke Arme reichen jedenfalls nicht aus."
Das Turnierprogramm

Zwei Tage lang steht der Sportplatz in Goldscheuer im Zeichen des internationalen Tauziehsports:
Samstag, 15. Juni: Männer 700 kg (11–15 Uhr), Frauen 520-Kilo-Klasse (11.30–15 Uhr), Männer 580 kg (16–20 Uhr). Von 20 bis 1 Uhr "Die Fete" mit Tom & Andy.
Sonntag, 16. Juni: Mixed-Teams 580 kg (9.30–12 Uhr), U 23/450 kg (10-12 Uhr), Männer 640 kg (13-17 Uhr). Ab 20 Uhr Abschlussparty.