"Ohne Zuschauer fehlt atmosphärisch schon was"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 09. März 2020

Biathlon

Benedikt Doll registriert beim Biathlon-Weltcup in Nove Mesto die rauchfreie Luft und die schnellen Ski der Norweger.

NOVE MESTO. Es ist ein Bild, das sich einprägt: Vier Norweger fahren auf der ersten Runde des Massenstartrennens beim Biathlon-Weltcup in Nove Mesto (Tschechien) den übrigen Startern einfach davon. Benedikt Doll (SZ Breitnau) gesteht, man habe sich da im übrigen Feld schon ein bisschen blöd angeschaut. "Die hatten ja 10 km/h mehr als alle anderen."

Die Norweger haben überragende Athleten in ihren Reihen, keine Frage – und wenn er in Höchstform ist auch den Besten überhaupt: Johannes Thingnes Boe. Sie haben das größte Reservoir an Nachwuchsbiathleten, sie haben in Siegfried Mazet einen der weltbesten Trainer und sie haben die größte und beste Wachsmannschaft der Welt. Johannes Thingnes Boe sagte nach seinem Sieg im Massenstart: "Dieses Rennen hat unser Wachs-Truck gewonnen." Es zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Weltcupsaison: Die Norweger haben immer sehr gutes bis perfektes Material. "Zum Ende des Rennens hat sich der Unterschied etwas angeglichen", sagt Doll, der nach tadellosem ersten Liegendschießen auf dem vierten Platz lag. Als er sich das zweite Mal am Schießstand hinlegt, erwischt es ihn: drei Fehler, drei Strafrunden. "Die Fehler waren alle rechts. Ich kann es mir nicht so richtig erklären. Ich merke im Moment, dass nicht viel zur Null fehlt." Gleiches gilt für die beiden Stehendschießen: Eine Scheibe bleibt jeweils stehen, abermals fehlt nicht viel. Der 29-Jährige wird 17. und ist im Weltcup nun Neunter.

Tags zuvor im Männerstaffelrennen war Schlussläufer Doll als Fünfter durch das Ziel gelaufen. Liegend und stehend hatte er jeweils einmal nachladen müssen. Auf der Schlussrunde, auf die Doll mit etwas Rückstand auf den russischen und schwedischen Schlussläufer ging, tobte der Kampf um Platz drei: "Am langen Anstieg bin ich gut rangekommen, aber am zweiten flachen Anstieg haben sie gezündet, dann war’s vorbei. Ich habe stehend zu langsam geschossen, während die ganz schön was riskiert haben."

Der Weltcup in Nove Mesto fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: "Auf der Strecke hat es weniger nach Zigarettenrauch und Alkohol gestunken", sagt Benedikt Doll, "wenn keine Zuschauer da sind, fehlt atmosphärisch aber schon was." Die deutsche Mannschaft reist am Dienstag weiter nach Kontiolahti (Finnland) zum vorletzten Biathlon-Weltcup der Saison. Mit Benedikt Doll.

Aber ohne Roman Rees, der in Nove Mesto den Sprint gelaufen ist. Der Biathlet vom SV Schauinsland war nachnominiert worden, weil Philipp Nawrath (SK Nesselwang) krank ausfiel. "Ich wollte die Chance einfach wahrnehmen", sagt Rees, der mit Startnummer 105 ins Rennen ging. "Da waren so viel tiefe Spuren auf der Strecke, dass ich Schwierigkeiten hatte, die Ski aus den Rillen herauszukriegen." Das erste Schießen absolvierte der 27-Jährige ohne Fehl und Tadel, auf der Strecke verlor er jedoch Zeit: "Ich hatte keinen Speed." Bei der zweiten Fünferserie drückte er aufs Tempo, prompt unterlief ihm ein Fehler. Die Strafrunde und die läuferischen Probleme, die auf der Schlussrunde zunahmen, spülten Rees auf den 45. Platz zurück: "Meine Leistung war nicht so gut, aber ich hoffe, beim Weltcupfinale in Oslo dabei zu sein."