Meteorologen

Hitzewellen bis Unwetter: Der Jojo-Sommer ist zu Ende

dpa

Von dpa

Do, 01. September 2016 um 00:00 Uhr

Panorama

Der meteorologische Sommer, der nun zu Ende ist, war geprägt von Extremen – von Hitzewellen bis zu Unwettern, die teils schwere Schäden angerichtet haben.

Unwetterartige Gewitter, die teilweise große Schäden angerichtet haben, Hitzewellen und tropische Luft: Der gelegentlich extrem wechselhafte Sommer, der deshalb auch Jojo-Sommer genannt wird, ist aus Sicht der Meteorologen nun zu Ende. Meteorologisch dauert der Sommer vom 1. Juni bis 31. August. "Insgesamt verlief er recht warm bei durchschnittlichem Niederschlag und Sonnenschein", heißt es in der Bilanz des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in Offenbach.

Wie war der Sommer im

Vergleich zu früheren Jahren ?
Der Sommer war etwas wärmer als andere: Die durchschnittliche Temperatur von 17,8 Grad lag um 1,5 Grad über dem Mittel aus den Jahren 1961 bis 1990. Die Rekordtemperatur des Jahres wurde am 27. August in Saarbrücken-Burbach mit 37,9 Grad gemessen. Kurz zuvor hatte es schon einen Vorgeschmack auf den Herbst gegeben: Am 11. August wurden in Carlsfeld im Erzgebirge und in Nürnberg-Netzstall jeweils nur 1,3 Grad gemessen. Einige der rund 2000 Messstationen in Deutschland registrierten am 11. und 18. August sogar Bodenfrost.
Wo war der Sommer am schönsten?
Am häufigsten schien die Sonne auf Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Sonnigstes – aber auch trockenstes – Bundesland war Sachsen-Anhalt. Bei den Temperaturen landete es auf Platz zwei nach Spitzenreiter Berlin.

Der Süden schnitt deutlich schlechter ab: In Bayern gab es die meisten Niederschläge, gefolgt von Baden-Württemberg. Am kühlsten war es zwar in Schleswig-Holstein, allerdings direkt gefolgt von Bayern. Die Sonne machte sich dagegen besonders in Nordrhein-Westfalen rar.

Wo war es zu nass? Und

wo zu trocken?
Mit rund 230 Litern pro Quadratmeter verfehlte der Sommer sein Niederschlagssoll von 239 Litern knapp. Spitzenreiter bei den Tagesregenmengen war Groß Berßen (Niedersachsen) mit exakt 150,7 Litern pro Quadratmeter (23. Juni).

Am nassesten war der Sommer am Alpenrand zwischen Werdenfelser und Berchtesgadener Land mit bis zu 700 Litern. Am trockensten war es von Nordthüringen bis zur Altmark – mit örtlich nur 85 Litern.

Wo richteten Niederschläge

und Gewitter Katastrophen an?
Heftige Gewitter mit extrem starken Niederschlägen verursachten immer wieder Überschwemmungen mit hohen Schäden. Besonders schlimm: Im niederbayerischen Simbach am Inn gingen gleich zum meteorologischen Beginn des Sommers am 1. Juni in 48 Stunden mehr als 180 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Bei den Überschwemmungen und einer Flutwelle starben mehrere Menschen. Mehrere schwere Gewitter brachten in Hamminkeln-Mühlenrott am Niederrhein ebenfalls am 1. Juni 120,3 Liter Niederschlag und führten zu Überflutungen. Bei dem Musikfestival "Rock am Ring" in der Eifel wurden am 3. Juni mehrere Besucher von Blitzschlägen verletzt. Bei einem Gewitter in Ochsenhausen in Baden-Württemberg fielen am 25. Juni in kurzer Zeit 91 Liter. Ein langsam ziehendes Gewitter brachte dem hessischen Bad Hersfeld am 21. Juli 82 Liter Regen.

Wie war der Sommer 2016

im Vergleich zum Vorjahr?
Der Sommer 2015 war mit durchschnittlich 18,5 Grad etwas (0,7 Grad) wärmer. Der deutsche Temperaturrekord war zudem im Vorjahr gleich zweimal erreicht worden: Die Thermometer hatten am 5. Juli und 7. August im fränkischen Kitzingen jeweils 40,3 Grad angezeigt. Um diesen Spitzenwert zu knacken, kam die Hitzewelle Ende August 2016 zu spät, sorgte dafür aber nachts für angenehme Abkühlung. Die Sonnenscheindauer lag mit 680 Stunden deutlich über dem Soll von 604 Stunden, das 2016 genau getroffen wurde. Dabei war es 2015 auch deutlich trockener, nur 86 Prozent des Niederschlags wurden erreicht.

Ist der Sommer 2016

ein Zeichen für den Klimawandel?
Uwe Kirsche vom DWD betont: "Ein einzelner Sommer macht noch keinen Klimawandel." So starke Niederschläge und Hitzewellen habe es auch früher schon mal gegeben.

Rückblickend könnte es in einigen Jahren allerdings durchaus heißen: "Das waren klare Signale für den Klimawandel." Dieser werde sich den Klimaforschern zufolge in ausgeprägten Hitzewellen und häufigeren Unwettern zeigen mit Niederschlägen wie in Simbach und im baden-württembergischen Braunsbach, wo schon Ende Mai ein Sturmtief gewütet hatte.