Geschichte

Rauchzeichen – die Ära der Zigarette geht zu Ende

Dirk Schindelbeck

Von Dirk Schindelbeck

Sa, 04. März 2017 um 00:01 Uhr

Panorama

Allgegenwärtig steht das Gesundheitsproblem im Raum: So hat es sich bald ausgequalmt. Wir geben eine Rückschau auf 150 Jahre Zigarettengeschichte, die hierzulande allmählich zu Ende geht.

Es scheint, dass sich die Ära der Zigarette ihrem Ende zuneigt. Angesichts der sich stets intensivierenden Gesundheits- und Suchtdebatte verliert sie Stück um Stück jener gesellschaftlichen Bedeutung, die sie sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts im sozialen, emotionalen und intellektuellen Leben erobert hatte. Zeit also für eine Bilanz.
"Kein anderes Requisit gibt uns Gelegenheit zu derart graziösen Bewegungen wie die Zigarette. Kein anderes Requisit auch gibt dem Manne so hübsche Gelegenheit, der Frau ebenso harmlos wie beziehungsreich und huldigend sich zu nähern, wenn er ihr Feuer reicht. Ein Teetisch und ein Gespräch zu zweien ohne den blauen, zarten Rauch ist wie ein Raum ohne Vorhänge und ohne Blumen: nackt und hart."
Das überbordende Zigarettenlob stammt von der Dichterin Luise Rinser. Zu lesen in einer Werbeanzeige im Rahmen der Kampagne "Rauchen mit Verstand" für eine 1954 neu eingeführte Filterzigarette. Dass sich Schriftsteller als Reklametexter betätigten, erregte damals zwar die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung, die bundesdeutsche Öffentlichkeit jedoch störte sich daran kaum.
Im Gegenteil galt es als durchaus legitim, dass unter hoher geistiger Anspannung stehende Menschen wie Politiker, Ärzte und Schriftsteller sich mit und in blauem Dunst anregten und Konzentration suchten. Und wer gar eine existenzielle Botschaft ausdrücken wollte – wie Jean-Paul Sartre, Juliette Gréco oder Humphrey Bogart –, für den war die Zigarette ein unverzichtbares Stück seiner Persönlichkeit. Noch bis weit in die siebziger Jahre hinein gehörte sie wie selbstverständlich zum öffentlichen Leben. Unvergessen die Fernsehabende, in denen Erik Ode alias "Der Kommissar", in dichte Rauchschwaden gehüllt, über verzwickten Kriminalfällen brütete, bis ihn offenbar der Geistesblitz aus der Tabakwolke ereilte, der ihn instinktsicher auf die Fährte des Mörders brachte.
Von dieser Zigaretten-Präsenz ist nichts mehr da. Ihr schubweiser Rückzug aus unserem Alltag setzte bereits Anfang der siebziger Jahre ein, als das Werbefernsehen keine Spots mehr ausstrahlte und damit auch eine so beliebte Figur wie das tobende HB-Männchen dem Bewusstsein entglitt. Seither haben ...

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