Pastavielfalt und das Brot des Toni

Dieter Erggelet

Von Dieter Erggelet

Mo, 02. Dezember 2019

Emmendingen

Beim Nudelverkauf zugunsten der BZ-Weihnachtsaktion wurden die Wartezeiten mit guten Gesprächen überbrückt.

EMMENDINGEN. Warteschlangen sind auch ein Ort für Begegnungen, behaupten Sozialexperten. Die Besucherschlange am Samstagmorgen vor der Geschäftsstelle der Badischen Zeitung zum Auftakt der 16. Verkaufsaktion italienischer Spezialitäten hat auch längst eine solche Funktion. Bereits 45 Minuten vor Verkaufsbeginn um 9 Uhr fanden anregende Gespräche und Begegnungen s

tatt und schon zwei Stunden später hieß es wieder "ausverkauft".

Rasch waren die Temperaturen um den Gefrierpunkt vergessen. Oscar Guidone streifte die rote Weihnachtsmannkluft über und erfreute Alt und Jung. "Startplatz eins" in der Warteschlange nahmen Andreas Kollmann und Marion Klassner ein. "Stammkunden von Oscar Guidone", wie sie versicherten. Den Kindern wurde die Wartezeit mit Gummibärchen vom Weihnachtsmann Oscar verkürzt.

Den potentiellen Anhängern seiner italienischen Spezialitäten erzählte er die Geschichte über die Entstehung des Panettone, dem italienischen Weihnachtskuchen, der in Mailand entstand. Ludovico il Moro war ein Feudalherrscher und angeblich ein großer Fiesling. Wer von seinen Untergebenen nicht parierte, dem drohte der Tod. Der italienische Herzog gab im Jahr 1495 ein festliches Essen für die damalige High Society in Mailand. Das Dessert misslang und beinahe kostete es dem Koch und den Köchen den Kopf. Da half der Küchenhelfer Toni mit einem Rezept von süßem Brot mit Rosinen und kandierten Früchten aus der Patsche. Das Leben der Küchenmannschaft war gerettet und das "Brot des Toni" erfunden.

Innerhalb von wenigen Stunden wechselten rund 500 Kilogramm italienischer Nudelspezialitäten und 54 Panettone aus Torre Annunziata, der Heimatstadt von EU-Stadtrat Oscar Guidone (FWV) ihre Besitzer. Das Spektrum der 15 Nudelsorten reichte von schmalen Spaghetti bis zu breiten Bandnudeln. Bevorzugt waren die Sorten Cappelletti (Mützchen) und Gemelli (Zwillinge). Sie fanden rasch ihre fachkundigen Feinschmecker. "Bei unseren Italienreisen verstauen wir die Nudeln im Bus. Das spart enorm Kosten" sagte Brigitte Zentis.

Für das Team um Brigitte Zentis, Isolde Franke, Stephanie und Philipp Oswald sowie seiner siebenjährigen Tochter Elise waren Konzentration und Rechenkünste gefordert. Statt einer vollelektronischen Registrierkasse war Kopfrechnen oder notfalls der altbewährte Taschenrechner angesagt. Ein großer Teil der Einnahmen aus dem Nudel- und Limoncelloverkauf geht an die BZ-Aktion Weihnachtswunsch", versicherte Guidone. "Zwar ist unser mitgebrachter Limoncello nicht ganz billig, dennoch diese Limoncellosorte von der Amalfiküste mit ihrer besonderen Zitronensorte ist eine wesentlich seltenere Spezialität als der Limoncello aus der Toscana", erklärte Brigitte Zentis. Der Erlös für die BZ-Aktion Weihnachtswunsch wird dieses Mal wieder umso höher ausfallen, zumal der Firmenchef Vincenzo Setaro aus Guidones Heimatstadt 100 Kilogramm aus der Kollektion seiner Nudelfabrik als Spende zur Verfügung stellte. Vor wenigen Monaten feierte diese weltbekannte Nudelmanufaktur ihr 80-jähriges Firmenjubiläum. Damit unter den Kunden keine Unstimmigkeiten entstehen wurde die Menge zu Beginn auf zehn Kilo pro Einkauf beschränkt. Eine Ausnahme machte Guidone bei Paula Bleckmann. Die Medienwissenschaftlerin deckte ihre 23-köpfige Verwandtschaft mit den kulinarischen Köstlichkeiten ein. Sie lud 40 Kilo Nudeln in den Kinderanhänger ihres Fahrrads. "Jetzt muss ich allerdings kräftig in die Pedale treten", versicherte sie schmunzelnd.

Für BZ-Redaktionsleiter Gerhard Walser blieb in der Warteschlange immer wieder Zeit, über tagesaktuelle Zeitungsberichte mit den Lesern zu diskutieren. Das Bauprojekt um das Kaufhaus Krauss und der öffentliche Nahverkehr brachten die BZ-Leser zur Sprache. Und auch kulinarisch wurde gefachsimpelt. "Ihr Rezept vom Spinatgericht mit Tomaten im vergangenen Jahr gelang perfekt. Ein Erlebnis für Gaumen und Auge. Haben sie weitere in petto?", lautete die Frage einer Leserin. Der Emmendinger Lokalchef zauberte einen Zettel hervor und verriet sein neues Rezept (siehe Infobox) – natürlich mit Setaro-Nudeln.