"Petersilie auf der olympischen Platte"

kna

Von kna

Di, 16. März 2021

Olympische Spiele

Frauen mussten hart kämpfen um ihre Teilnahme an den Spielen – und um Gleichberechtigung.

(KNA/gg). Mit einem Kniff haben sich vor 100 Jahren Frauen die Teilnahme an Leichtathletik-Wettbewerben bei Olympia erkämpft. Weil sie nicht mitmachen durften, "haben sie sich ihre eigenen Spiele geschaffen", erklärt die Leipziger Sporthistorikerin Petra Tzschoppe zum 100. Jahrestag der ersten Frauenolympiade am 24. März 1921. Pierre de Coubertin, Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, habe Frauen im Sport strikt abgelehnt und dies mit Werten wie männlichem Athletismus, Internationalismus und Fairplay begründet. Frauen hätten damals allenfalls Beifall spenden sollen, "quasi als Petersilie auf der olympischen Platte", so Tzschoppe.

Nach der ersten Frauenolympiade in Monte Carlo habe der Druck auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) zugenommen, sagt die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Nachdem Coubertin 1925 aus dem Präsidentenamt geschieden war, habe das IOC allmählich auch Leichtathletikwettbewerbe für Frauen geöffnet. Aber "erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts" habe es größere Fortschritte bei deren Olympia-Teilnahme gegeben.

Mittlerweile sei das IOC "erkennbar auf der Höhe der Zeit angekommen", erklärt die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Das belegt der Blick auf das Olympische Programm: Sollten die Sommerspiele in Tokio in diesem Jahr wie geplant vom 23. Juli bis 8. August stattfinden können, wird es 339 Wettbewerbe in 33 Sportarten geben – 165 für Männer, 156 für Frauen, 12 im Mixed und 6 offene im Reiten. Im Olympia-Programm gibt es inzwischen sogar zwei Disziplinen, die den Frauen vorbehalten sind: die Rhythmische Sportgymnastik und das Synchronschwimmen.

Seit Jahren drängt das IOC auf eine Gleichstellung der Frauen. Vor allem Kampfsportverbände, die lange nur Männer-Wettbewerbe anboten, mussten umdenken. So wollte das IOC vor Jahren den Ringkampfsport, der schon Bestandteil von Olympia in der Antike gewesen ist, aus dem Programm streichen – unter anderem, weil der Ringer-Weltverband zu wenig für die Frauen getan hatte.

Laut Petra Tzschoppe gibt es in sportpolitischen Führungspositionen noch immer "deutlichen Nachholbedarf"; auch Trainerinnen, Schieds- und Kampfrichterinnen seien im internationalen Sport "stark unterrepräsentiert".

Die erstmalige Beteiligung von Frauen an Olympia war indes bereits im Jahr 1900 das herausragende Merkmal der Spiele von Paris. Da sie eingebettet waren in die Weltausstellung, verteilten sich die Wettkämpfe damals über rund fünf Monate. An sechs Wettbewerben in vier Sportarten nahmen Frauen teil. Erste weibliche Olympiasiegerin wurde Gräfin Helene de Pourtales (Schweiz), die bei den Segelwettbewerben in einer Bootsklasse zur siegreichen Besatzung zählte. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem Neffen führte sie ihr Boot zum Erfolg.