Eishockey

Plötzlich Außenseiter: EHC Freiburg in der DEL2

Benjamin Resetz

Von Benjamin Resetz

Do, 10. September 2015 um 00:00 Uhr

EHC Freiburg

Am Freitag starten die beiden höchsten deutschen Eishockey-Ligen in die Saison 2015/16. Mittendrin: der EHC Freiburg. Nach dem Titelgewinn in der Oberliga spielt der Club nun in der DEL 2.

Wohin führt der Weg des DEL-2-Aufsteigers EHC Freiburg? Der Sprung in die nächsthöhere Spielklasse birgt zahlreiche Unbekannte für die Puckjäger von der Ensisheimer Straße. Am Freitag, 19.30 Uhr, steht das erste Punktspiel gegen die Heilbronner Falken an. Am darauffolgenden Sonntag reist das Rudel zum ersten Auswärtsspiel nach Bad Nauheim. Wenngleich mehrere EHC-Cracks bereits Erfahrung in der zweithöchsten deutschen Spielklasse sammeln konnten, stapelt die Equipe um Trainer Leos Sulak tief. Das Ziel: Klassenerhalt.Das Eis ist präpariert für die größte sportliche Herausforderung im Freiburger Eishockey seit 2011, als der wirtschaftliche Zwangsabstieg in die viertklassige Regionalliga dem professionellen Kufensport im Breisgau ein jähes Ende bereitete. Nach einer durchwachsenen Saisonvorbereitung wird es nun ernst für die Wölfe aus dem Freiburger Westen. Ungewisse Wochen und Monate stehen der Equipe von Trainer Leos Sulak ins Haus. Neue Liga, neue Gegner, neue Herausforderungen warten auf das junge Team, das – gespickt mit zahlreichen Akteuren aus der vereinseigenen Talentschmiede – im harten Zweitligaalltag Fuß zu fassen versucht. Sind die Wölfe bereit, sich im Profigeschäft zu etablieren?

Der erste Blick auf die zurückliegenden Testspiele gegen Mannschaften aus Frankreich, der Schweiz sowie DEL-2-Meister Bietigheim Steelers, trieb manchem Fan die Sorgenfalten auf die Stirn. Einzig den Schweizer Zweitliga-Aufsteiger EHC Basel konnte man zweimal mit 4:0 besiegen.

Niedrigstes Budget aller DEL-2-Mannschaften

"Wir haben in der Vorbereitung viel ausprobiert und bewusst starke Gegner gewählt", beschwichtigt Trainer Sulak. "Sicher hätte man das eine oder andere Spiel gewinnen können. Trotzdem gab es viele Ansätze, die mir gut gefallen haben." Die vorläufigen Reihen stünden fest, gibt sich der Coach optimistisch. Die Mannschaft sei bereit und motiviert. "Und Eishockey spielen können sie alle."

Spielerisch unterscheidet sich die DEL 2 deutlich vom technisch anspruchsvollen, körperlich und taktisch jedoch kaum vergleichbaren Spielstil in der Oberliga. "Das Spiel ist härter und schneller. Du hast viel weniger Zeit, Entscheidungen zu treffen", prophezeit Stürmer Tobias Kunz, der bereits 2011 in Liga zwei für den EHC auflief. Gleichzeitig habe sich das Spiel sehr verändert. Eine Einschätzung, die sein Übungsleiter teilt: "In den ersten Wochen werden wir uns an das Tempo und die neuen Gegner gewöhnen müssen." Welche Rolle man schlussendlich spiele, werde sich erst später abzeichnen. Sulak: "Ich möchte an die Fans appellieren, uns auch dann zu unterstützen, wenn es nicht so gut läuft."

Aus der Tatsache, dass man die kommende Spielzeit mit dem niedrigsten Etat aller Zweitligisten bestreitet, machen die EHC-Verantwortlichen kein Geheimnis. Welche Summen der Verein tatsächlich investiert, zu diesem Thema hält sich die Führungsetage allerdings bedeckt. Von einem "niedrigen siebenstelligen Betrag" war gelegentlich die Rede. Es dürfte sich um einen Betrag knapp über der Eine-Million-Euro-Grenze handeln. "Entsprechend haben wir bei unseren Neuverpflichtungen auf ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis geachtet", so der Wölfe-Coach. Mit acht Neuen – bei neun Abgängen – war der EHC zuletzt ungewohnt aktiv auf dem Transfermarkt.

Ziel in der ersten DEL-2-Saison sei einzig der Klassenerhalt, erklärt Sulak nüchtern. "Alles andere wäre als Aufsteiger vermessen." Die letzten vier Teams der 15er Liga kämpfen in den Playdowns um den Klassenerhalt. "Im Optimalfall können wir das vermeiden", sagt Angreifer Tobias Kunz. Anspannung oder Vorfreude? "Eine Mischung aus beidem", befindet der Stürmer, der sich mit einem verstauchten Handgelenk plagt, bis Freitag jedoch aufs Eis zurückkehren wird.

Organisatorisch und in der öffentlichen Wahrnehmung wird sich derweil einiges ändern bei den Wölfen. Untereiswerbung ziert künftig die Spielfläche in der Franz-Siegel-Halle. Ferner wurden die öffentlichen Toiletten renoviert. Im Spiel selbst dauern die Drittelpausen künftig nicht mehr 15, sondern 18 Minuten. Die wohl offensichtlichste Änderung auf dem Eis stellt indes der "Goldene Helm" für den besten Scorer dar. So ist es in der DEL 2 Pflicht, dass der beste Torschütze und Vorlagengeber einer Mannschaft mit dem glänzenden Kopfschutz spielt. "Zunächst wird Philip Rießle als Kapitän das Ding aufsetzen", erklärt Trainer Sulak. "Von Sonntag an läuft dann unser bester Scorer mit dem Kopfschmuck auf."

Eine Änderung in den Ligastatuten begrüßt der Wölfe-Trainer sehr. Von der Saison 2017/18 an wird der sportliche Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL 2 wieder möglich sein. "Eine längst überfällige Regelung", wie Sulak befindet. Seit der Saison 2004/05 stand der Meister der DEL 2 sportlich stets vor verschlossenen Türen – Gleiches gilt auch in der kommenden Saison. Der Trainer hält die Neuerung für den richtigen Schritt: "Auf- und Abstieg gehören einfach zum europäischen Sport."