Fußball-WM

Polen und Argentinien erreichen Achtelfinale – Saudi Arabien und Mexico fliegen raus

Mi, 30. November 2022 um 22:07 Uhr

Fußball-WM

Mitfavorit Argentinien und Polen stehen im Achtelfinale der Fußball-WM in Katar. Saudi-Arabien und Mexico schenken sich im Finale der Gruppe C nichts – und erreichen beide nicht die K.o.-Runde.

Polen vs. Argentinien

Lionel Messi hat Argentinien im großen Superstar-Gipfel trotz eines Elfmeter-Fehlschusses in das Achtelfinale geführt - und auch Robert Lewandowski feierte nach einer dramatischen Schlussphase mit Polen den erstmaligen Einzug in die K.o.-Phase seit 36 Jahren. Messi scheiterte am Mittwoch beim 2:0 (0:0) in seinem WM-Rekordspiel zwar mit einem Foulelfmeter an Polens Torhüter Wojciech Szczesny (39. Minute). Doch Alexis Mac Allister (48.) und Julian Alvarez (68.) sorgten für den verdienten Sieg der Südamerikaner, die sich angeführt vom überragenden Messi zum ersten Mal bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft wie ein Titelkandidat präsentierten.

Dass der als Tabellenführer in das Duell gestartete Lewandowski ebenfalls weiter auf WM-Ehren hoffen darf, lag an der Fairplay-Wertung. Die sprach im Vegleich mit dem punktgleichen Mexiko für die Polen. Die Niederlage vor 44 089 Zuschauern war daher zu verschmerzen. Argentinien trifft nun am Samstag im Achtelfinale auf Australien, Polen bekommt es mit Weltmeister Frankreich zu tun.

In der Weltfußballer-Kraftprobe mit Lewandowski verhinderten Mac Allister und Alvarez mit ihren Toren, dass Messis Elfer-Fehlschuss nicht zur schmerzhaften Schlüsselszene für die Südamerikaner im Stadion 974 am Hafen von Doha wurde. Das Fußball-Genie musste sich bei der Nervenprobe vom Punkt dem Elfmeter-Experten Szczesny geschlagen geben. Nachdem der Juve-Schlussmann Messi nach einer Flanke am Kopf getroffen hatte, rang sich Schiedsrichter Danny Makkelie nach längerer Ansicht der Video-Bilder unter dem Jubel der argentinischen Fan-Übermacht auf den Rängen zum diskussionswürdigen Strafstoß durch.

Nach dem parierten Elfmeter gegen Saudi-Arabien riss Szczesny auch gegen Argentiniens neuen WM-Rekordspieler reaktionsschnell die rechte Pranke hoch. Der Retter wurde danach heftigst von seinen Teamkollegen geherzt. Beim Treffer von Mac Allister kurz nach der Pause war er dann aber machtlos. Es war Polens erster Gegentreffer nach weit über 400 Minuten. Das war aber diesmal nicht alles.

Nach dem bereits feststehenden Achtelfinal-Einzug der WM-Attraktionen Cristiano Ronaldo, Neymar und Kylian Mbappé stand das direkte Aufeinandertreffen von Messi und Lewandowski wie bislang kein anderes Star-Duell dieser WM Fokus. Jede Geste, jede Mimik, jede noch so scheinbar unwichtige Kleinigkeit des früheren und des aktuellen Führungsspielers des FC Barcelona wurde von den Kameras eingefangen. Am Ende hatte der mit mehr individuellen Auszeichnungen dekorierte Messi das bessere Ende für sich.

Im Anschluss an eine respektvolle Umarmung vor dem Anpfiff entwickelte sich das Spiel, das für die beiden in ihrem Nationalteam typisch ist. Messi war praktisch überall, holte sich die Bälle im Mittelfeld, trickste, passte, schoss - doch im 22. WM-Spiel wollte ihm einfach kein Tor glücken. Immer wieder versuchte die polnische Defensive ihn mit mehreren Spielern zuzustellen; anders ist der PSG-Profi auch mit schon 35 Jahren nicht zu stoppen.

Und Lewandowski? Der hielt sich meist abseits der vielen Action-Momente auf. Der Modellathlet, der nach seinem ersten WM-Tor beim 2:0 gegen Saudi-Arabien mit Tränen in den Augen einen Kindheitstraum erfüllte, lauerte auf seinen großen Augenblick im Gipfeltreffen. Wenn der Ball mal zu ihm nach vorne kam, gingen die Albiceleste-Verteidiger Nicolás Otamendi und Cristian Romero rustikal gegen den früheren Bayern-Star zur Sache. Genervt wendete er sich nach Argentiniens Führungstreffer ab - den Jubel wollte er sich nicht mit ansehen und blickte auf Höhe des Mittelkreises auf den Boden. Am Ende konnte aber auch er lachen.
Statistik Polen - Argentinien 0:2 (0:0)
Polen: Szczesny - Cash, Glik, Kiwior, Bereszynski (72. Jedrzejczyk) - Zielinski, Krychowiak (83. Piatek), Bielik (62. D. Szymanski), Frankowski (46. J. Kaminski) - Lewandowski, Swiderski (46. Skóra?)
Argentinien: E. Martínez - Molina, Romero, Otamendi, Acuna (59. Tagliafico) - Mac Allister (83. Almada), Fernández (79. Pezzella), De Paul - Di María (59. Paredes), Messi, Alvarez (79. L. Martínez)
Schiedsrichter: Danny Makkelie (Niederlande)
Zuschauer: 44089 Tore: 0:1 Mac Allister (46.), 0:2 Alvarez (68.)
Gelbe Karten: Krychowiak (1) / Acuna (1)
Besondere Vorkommnisse: Szczesny (Polen) hält Foulelfmeter von Messi (Argentinien) (39.)
Beste Spieler: Szczesny, Cash / Mac Allister, Di María, Messi

Saudi Arabien vs. Mexico

Mexiko ist im nervenaufreibenden Finale der Gruppe C trotz eines Siegs gegen Saudi-Arabien erstmals seit 1978 wieder in der WM-Vorrunde gescheitert. Auch für die Saudis ist die erste Fußball-WM im arabischen Rauem nach dem 1:2 (0:0) im Lusail Stadion am Mittwochabend schon nach der Gruppenphase beendet. Henry Martín (48. Minute) und Luis Chávez (52.) schossen Mexiko vor 84 985 Zuschauern zwar zum verdienten ersten Erfolg in Katar. Zum Weiterkommen reichte das den Lateinamerikanern aber trotzdem nicht. Salem Mohammed Al-Dausari beendete alle Hoffnungen der Mexikaner (90.+5).

Beide Fangruppen sorgten in der imposanten Arena nördlich der Hauptstadt Doha für lautstarke Unterstützung. Schätzungen zufolge hatten mehrere Zehntausend Mexikaner die Reise nach Katar angetreten, für die saudischen Fans war die Reise ins Nachbarland deutlich kürzer. Zu den Ehrengästen zählte am Abend auch FIFA-Präsident Gianni Infantino, der die Bedeutung der Endrunde für die arabische Welt immer wieder herausgestellt hatte.

Die Mexikaner hatten nach zwei torlosen Spielen das drohende Aus vor Augen und begannen furios. Chávez (2.) und Alexis Vega (3.) vergaben dicke Chancen auf die frühe Führung. Nach dem enttäuschenden 0:2 gegen Argentinien hatte Coach Gerardo Martino Mittelstürmer Martín und Offensivspieler Orbelín Pineda in die Startelf beordert - das zahlte sich mit deutlich mehr offensiver Wucht aus.

Die anfängliche Drangphase der Lateinamerikaner überstanden die Saudis auch mit etwas Glück und wurden ihrerseits erstmals durch einen Freistoß von Mohamed Kanno gefährlich (13.). Der Mittelfeldspieler, einer der wichtigsten Akteure im Team des Franzosen Hervé Renard, war rechtzeitig für die Partie fit geworden. Das war es dann aber zunächst auch mit offensiven Vorstößen der Saudis. Erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wurden sie durch einen Kopfball von Ali Al-Hassan wieder ansatzweise gefährlich.

Es spielte Mexiko, vor dem gegnerischen Tor agierte El Tri aber oft zu unkonzentriert. Ein abgefälschter Schuss von Chávez war im weiteren Verlauf noch die beste Chance (41.). Die Saudis konzentrierten sich auf das Verteidigen und stoppten die Mexikaner häufig erst mit Fouls. Es entwickelte sich ein intensives Duell mit vielen Zweikämpfen.

Direkt nach der Halbzeit wurden die Mexikaner dann aber für ihre Offensivbemühungen belohnt. Stürmer Martín traf nach einer Ecke aus kurzer Distanz, Chávez erhöhte mit einem direkt verwandelten Freistoß. Damit gingen die Blicke der Mexikaner zum Parallelspiel der Gruppe C zwischen Polen und Argentinien. Um die Chancen auf das Weiterkommen zu erhöhen brauchte El Tri noch ein Tor - und spielte dementsprechend weiter nach vorne.

Ein Treffer von Hirving Lozano wurde wegen einer Abseitsposition nicht gegeben (56.). Von den Saudis kam offensiv so gut wie nichts mehr. Mexiko rannte an, vergab aber beste Chancen auf das dritte Tor. Martín (70.) und der Chávez (73.) zielten am Tor vorbei. Erneut Chávez wurde nach einem Konter vor dem leeren Tor noch in letzter Sekunde gestört (78.).
Statistik Saudi-Arabien - Mexiko 1:2 (0:0)

Saudi-Arabien: Alowais - Al-Amri, Al-Tambakti, Al-Bulaihi (37. Sharahili) - Al-Ghannam (88. Bahbri), Kanno, Al-Hassan (46. Madu), Abdulhamid - Al-Buraikan, Al-Shehri (62. Al-Aboud), Al-Dausari
Mexiko: Ochoa - J. Sanchez (86. K. Alvarez), Montes, Moreno, Gallardo - E. Alvarez (86. Funes Mori), Chavez - Lozano, Pineda (77. Rodriguez Gomez), Vega Rojas (46. Antuna Romero) - Martin Mex (77. Jiménez)
Schiedsrichter: Michael Oliver (England)
Zuschauer: 84985
Tore: 0:1 Martin Mex (48.), 0:2 Chavez (52.), 1:2 Al-Dausari (90.+5)
Gelbe Karten: Al-Shehri (1), Al-Hassan (1), Al-Tambakti (1), Madu (1), Al-Amri (2), Bahbri (1) / E. Alvarez (1)
Beste Spieler: Kanno / Chavez, Pineda

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