Kunst im Kleinformat

Postkartenfestival in Basel – ein Treffpunkt für Handschrift-Liebhaber

Julia Jacob

Von Julia Jacob

Do, 31. Oktober 2019 um 20:23 Uhr

Kunst

Der Sonntag Es soll daran erinnern, wie schön es ist eine handgeschriebene Nachricht zu versenden: Das Postkartenfestival findet am Wochenende zum zwölften Mal in Basel statt. 90 Künstler tragen dazu bei.

Heute reicht ein Emoji, um sich in aller Kürze mitzuteilen. In vordigitalen Zeiten brauchte es dafür etwas mehr Fingerfertigkeit, viel Platz gab es aber auch auf der Postkarte nicht. Umso mehr rückte das Motiv in den Fokus. Daran knüpft das Basler Postkartenfestival an, das dem Kleinformat seit zwölf Jahren ein Forum bietet. Am Kiosk beim Basler Rathausplatz gibt es sie noch, die typischen Motivpostkarten.

E-Mail und SMS etwas entgegen setzen

Das Münster, der Rhein, ein Pandabär, der ein Herz umarmt, auf dem "I love Basel" steht. Eine Straßenbiegung weiter, im Unternehmen Mitte, wird es am kommenden Samstag auch um Postkarten gehen, allerdings um solche, die zugleich auch ein Kunstwerk sind. Milo Schwager, Kunststudent aus Basel, ist einer der drei Macher des Postkartenfestivals, das dieses Jahr in seine zwölfte Auflage geht. Schwager hat das Festival von seiner Tante übernommen, die das Forum für das Kleinformat ins Leben rief, um den kurzen digitalen Mitteilungsformen von E-Mail und SMS etwas entgegenzusetzen: Die Erinnerung daran, wie schön es doch ist, eine handgeschriebene Nachricht zu versenden.

Wer selbst dann und wann ein Kärtchen bei der Post einwirft, wird wissen, wie wichtig die Motivauswahl ist. Auch beim Postkartenschreiben ist das Nonverbale letztlich wesentlich. Zumindest aussagekräftig genug muss das Motiv sein, um die doch recht dürftigen Zeilen, die auf das 10,5 mal 14,8 Zentimer große Stück Pappe passen, sinngemäß zu umranden. Rund 90 Kunstschaffende haben sich dieses Jahr um einen Ausstellungsplatz beworben. Jedem Teilnehmer stehen sieben Flächen auf einem Postkartenständer. Anders als in den Anfangsjahren des Festivals, als es nur Unikate gab, dürfen mittlerweile auch Duplikate ausgestellt und verkauft werden.

Viel Kritik von Sammlern für die Duplikate

"Das hat für viele Diskussionen und reichlich Kritik gesorgt", sagt Milo Schwager. Besonders für Sammler einzigartiger Kunstwerke sei es nach wie vor ein No-Go, dass es ein Motiv mehrfach gibt. Doch die Zeiten haben sich geändert und viele Aussteller wollen eben auch den Seriendruck anbieten.

Individuell bleibt das Postkartenfestival allemal. Die Karten sind gemalt, mit Collagen versehen, aus Holz oder mit Siebdruck gestaltet. Der Kreativität ist letztlich keine Grenze gesetzt. Außer eben eine: das (Postkarten)-Format A6. Zwischenzeitlich ist auch die Schweizer Post auf das Festival aufmerksam geworden. Doch besonders erfolgreich war der Versuch, Briefmarken anzubieten, nicht.

Nicht zum Verschicken gedacht

"Offenbar wollen die Leute die Karten gar nicht unbedingt verschicken", stellt Schwager fest. Und so ist das Festival in freier Regie geblieben. Finanziert wird es durch die Einnahmen aus dem Verkauf. 80 Prozent gehen an die Aussteller, 20 Prozent an das Festivalteam, das seine Helfer für ihren Einsatz abschließend zum Essen einlädt.

Besonders groß war der Ansturm auf das Postkartenfestival beim zehnten Jubiläum mit mehr als 120 Ausstellern. Mittlerweile ist die Teilnehmerzahl aus Platzgründen auf 100 begrenzt, einige wenige Aussteller könnten bei Interesse aber noch nachrücken.
Postkartenfestival Basel, Samstag, 2. November, 12-22 Uhr im Unternehmen Mitte, Gerbergasse 30, Basel. Weitere Informationen und Kontakt unter www.postkartenfestival.ch