Putin und Lenin als typisch russische Matjroschkas

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 16. September 2019

Bad Säckingen

Sandra Ratkovic präsentiert in der Villa Berberich Fotografien, die ein ungewöhnliches Alltagsbild von Moskau einfangen.

BAD SÄCKINGEN. Im Sommer 2015 war die Fotografin Sandra Ratkovic zwei Wochen lang in Moskau unterwegs. Was sie auf dieser Exkursion aufgespürt hat, ist eine andere, weniger bekannte Seite aus dem Alltagsleben in der russischen Hauptstadt. Eine Auswahl aus ihrer Serie "Moskau" zeigt die Fotokünstlerin aus Berlin auf Einladung des Kunstvereins Hochrhein in der Bad Säckinger Villa Berberich.

Städtefotografie ist eine Spezialität von Sandra Ratkovic, die für ihre Projekte viel auf Reisen ist. Im städtischen Kulturhaus präsentiert sie Arbeiten, die einen Blick auf das heutige Moskau zwischen Tradition, Globalisierung, Putinkult, alten Zeugnissen des Militarismus, Folklore und Popkultur werfen.

Es sind Momentaufnahmen aus der Metropole, dokumentarisch fotografiert, mit künstlerischem Auge und künstlerischem Anspruch. Oft weiß man auf den ersten Blick nicht, ob es Fotografien sind oder Malerei, denn Ratkovics Bilder wirken bunt und kontrastreich, sind meist bei knalliger Sonne aufgenommen, was harte Schatten, satte leuchtende Farben und kräftige Kontraste hervorbringt. Die Fotografien sind nicht inszeniert, auch nicht bearbeitet. Aber durch Überbelichtung und überraschende Blickwinkel gelingen der Künstlerin ungewöhnliche Ansichten von Plätzen, Menschen und Parks.

Was ihr aufgefallen ist bei den fotografischen Touren, sind der allgegenwärtige Personenkult um Putin und der zur Schau gestellte Militarismus. Ein Foto zeigt Putin mit einem Bernhardiner und einem Bären als Propagandamotive auf T-Shirts, die in Schaufenstern zu finden sind. Auf einem anderen Foto sieht man Putin und Lenin als typisch russische Matjroschkas, jene farbigen, ineinander verschachtelte Puppen, die zum folkloristischen Wahrzeichen geworden sind. Bunte Fassaden fallen auf den Aufnahmen aus den Vergnügungsparks auf, in denen Einheimische ihre Freizeit verbringen. Darin findet sich auch eine nachgebaute Version des Kreml, vor dem Kanonen und Raketen als Staffage und Kulisse aufgebaut sind. Militaristische Spuren entdeckte die Fotografin auch in den Wandgemälden im Museum des Großen Vaterländischen Kriegs, auf denen Schlachten des Zweiten Weltkriegs dargestellt sind.

Manche der Alltagsszenen aus der russischen Metropole offenbaren etwas Absurdes, einen krassen Zwiespalt zwischen altem und neuem Moskau: Da sitzen zwei Frauen auf einer Bank im Park, essen Eis, während neben ihnen riesige Micky-Maus-Figuren hängen.

Das Bild des heutigen Moskau führt Ratkovic in ihrer Serie eindrücklich vor Augen, die auch schon bei der London Art Fair Aufsehen erregt hat. Der Bildband über das Moskauprojekt, für den der bekannte Autor Wladimir Kaminer das Vorwort geschrieben hat, liegt in der Ausstellung aus.

Die Ausstellung dauert bis 13. Oktober, geöffnet mittwochs 16 bis 18, samstags 14 bis 17, sonn- und feiertags 10 bis 12 und 14 bi 17 Uhr.