Bild-Zeitung

Qualitätsjournalismus ist mehr denn je vonnöten

Leonhard Fleischer

Von Leonhard Fleischer (Gundelfingen)

Mi, 07. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Die harte Schule des Boulevard", Beitrag von Steffen Grimberg und René Zipperlen (Kultur, 17. März)

Wieder mal zeigt die Bild-Zeitung, die mit ihrem krawalligen Chefredakteur Julian Reichelt laut einem ehemaligen Mitarbeiter die "Rückkehr zum ruchlosen Boulevard der 80er Jahre in Kung Fu-Manier" angetreten hat, ihre dereinst ja auch schon von Günter Wallraff dokumentierte hässliche Seite. Empörend erscheint es dabei zudem, dass zahlreiche, Reichelt zum Teil noch sexuell verbundene Frauen dessen herrenzynisches Machogebaren aus karrieristischen Gründen mittrugen, um dann von ihm desto mehr abhängig und ausgebeutet zu werden.

Dieses opportunistische wie selbstschädigende Frauenverhalten bietet das genaue Gegenstück zum antipatriarchalischen Emanzipationsstreben des Feminismus, den auch bereits dessen Ahnherrin Alice Schwarzer verraten hatte, als sie für die Bild-Zeitung arbeitete und diese anschließend als anständiges Blatt bezeichnete. Schlimm ist ferner, dass dessen unanständiger, eine Kultur der Angst verbreitende Chefredakteur Reichelt von Mathias Döpfner Rückendeckung erhielt.

Dem Chef des Springer-Konzerns und angeblich intellektuellen Feingeist, der an Reichelts demütigendem Führungsstil Gefallen fand. Was ist es demnach nur für eine Schande, dass Döpfner von sämtlichen Zeitungsverlegern zweimal zu ihrem Vorsitzenden gewählt wurde? Hierdurch wird jeglicher Qualitätsjournalismus, für den auch die BZ von jeher steht, in ein schräges Licht gerückt, wo er doch gerade angesichts der oberflächlichen und hetzerischen "sozialen" Medien des Internets mehr denn je vonnöten ist. Leonhard Fleischer, Gundelfingen