Am Ende erbt der Staat

Sabine Meuter

Von Sabine Meuter (dpa)

Do, 19. November 2020

Geld & Finanzen

Verwandte oder liebe Freunde direkt bedenken: Warum Singles ein Testament verfassen sollten.

Ledig, kinderlos und alleinstehend – und dann? Wer erbt, wenn ein Single stirbt? "Die gesetzlichen Erben sind dann die Eltern des oder der Verstorbenen", erklärt Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht in München. Mit einem Testament lassen sich Geschwister, Nichten und Neffen oder Freunde direkt bedenken.

Diese freiwillige Regelung der Erbfolge ist auch wichtig für ledige Personen, die einen Partner haben. Denn diese sind nicht automatisch abgesichert.

Zuerst muss man aber wissen, wie die gesetzliche Erbfolge von ledigen Personen funktioniert: Gibt es keine schriftliche Regelung, erben die Eltern. Lebt zum Zeitpunkt des Erbfalls eines der Elternteile nicht mehr, treten für diesen Erbteil an dessen Stelle die Abkömmlinge, also weitere Kinder des Elternteils oder Neffen oder Nichten des verstorbenen Singles.

Wichtig für Singles mit minderjährigen Kindern

Gibt es diese Verwandten nicht, dann erbt die noch lebende Mutter oder der Vater des Singles allein. Angenommen, beide Elternteile des kinderlosen Singles sind bereits tot, und er hat auch keine Geschwister, Neffen und Nichten: Dann kommen die Großeltern des Erblassers mitsamt ihren Abkömmlingen als Erben zum Zuge. "Leben die Großeltern noch, dann erben sie alleine und zu gleichen Teilen", erläutert Fachanwalt Steiner. Ist ein Großelternteil tot oder sind beide Großeltern zum Zeitpunkt des Erbfalls verstorben, dann wird auch hier wiederum ihr Erbteil an deren Nachkommen weitergegeben.

In dem Fall erben also womöglich die entferntesten Verwandten. "Können keine Angehörigen des Erblassers ermittelt werden, dann erbt am Ende der Staat", so Steiner.

Wer das vermeiden will, muss seinen Willen in einem Testament kundtun. Das trifft auch für Personen zu, die zwar einen Partner haben, aber mit diesem nicht verheiratet sind oder nicht eine eingetragene Lebensgemeinschaft bilden.

Zudem gibt es viele Singles mit Kindern. Sie stehen zwar an erster Stelle der gesetzlichen Erbfolge. Aber Eberhard Rott, Fachanwalt für Erbrecht in Bonn, betont: "Hat ein Single minderjährige Kinder, kann ein Testament immens wichtig sein."

Damit kann man etwa vermeiden, dass der sich dann allein um die Kinder kümmernde Ex-Partner auch das Vermögen verwaltet, wenn man das nach der Scheidung nicht mehr möchte. Mit einem Testament lässt sich ein Vermögenspfleger für die minderjährigen Kinder einsetzen.

Möglich ist auch, sowohl einen Vermögenspfleger als auch einen Testamentsvollstrecker zu benennen. Der Vermögenspfleger betreut das Erbe der Kinder bis zu deren Volljährigkeit.

Ein wichtiger Tipp zum Schluss: Gerade bei alleinlebenden Ledigen muss das Testament auch auffindbar sein. "Auf Nummer sicher gehen Erblasser, wenn sie ihren letzten Willen amtlich hinterlegen, und zwar beim für sie zuständigen Amtsgericht als Nachlassgericht", sagt Anton Steiner. Das kostet inklusive Registrierung beim zentralen Testamentsregister eine einmalige Gebühr von rund 90 Euro.