"Jeder kann tanzen lernen"

Birgit Herrmann

Von Birgit Herrmann

Di, 05. November 2019

Liebe & Familie

Interview mit Uwe Grübner von der Tanzschule Waldkirch, der Nachhilfe in Sachen Tanzen vor der Hochzeit gibt.

Ein emotionaler Moment bei Hochzeitsfeiern ist, wenn das Brautpaar mit dem Hochzeitstanz die Tanzfläche eröffnet. Uwe Grübner, Tanzlehrer bei der Tanzschule Waldkirch, hilft Brautpaaren mit Wedding-Kursen fit für diesen großen Auftritt zu werden. Birgit Herrmann hat mit ihm gesprochen.

BZ: Kann wirklich jeder tanzen lernen?
Uwe Grübner: Jeder kann tanzen lernen! Das hat nichts mit Talent zu tun. Tanzen hat mit Koordinationsvermögen zu tun, und das kann man lernen. Sicherlich haben manche Menschen bessere Voraussetzungen, weil sie mehr Rhythmusgefühl oder Balance haben. Etwa, weil sie als Kind Ballett getanzt oder Sport gemacht haben. Aber auch Personen, die sich bisher nicht mit ihrem Körper auseinandergesetzt haben, können es lernen.
BZ: Und wenn jemand zwei linke Füße hat?
Grübner: Zwei linke Füße gibt es nicht. Tanzen ist vergleichbar mit dem Erlernen eines Musikinstruments. Wer nur einmal pro Woche Klavier übt, wird nie ein großer Pianist, aber er wird schon ganz Anhörbares hervorbringen. Das Geheimnis ist viel Übung und viel Geduld, vor allem mit sich selbst. Dann wird das schon.
BZ: Auf was kommt es beim Hochzeitstanz an?
Grübner: Es geht nicht um tänzerische Leistung, sondern Paare sollen für sich und ihre Gäste einen schönen Moment kreieren und Spaß haben. Da ist es nicht wichtig, ob das Paar sich vertanzt oder aus dem Takt ist. Sondern, dass die Emotionen rüberkommen und zu Tränchen und Gänsehaut rühren.
BZ: Welche Tänze sollte man vor der Hochzeit lernen?
Grübner: Das hängt von den individuellen Wünschen ab. Besonders, auf welches Lied das Paar den Eröffnungstanz tanzen will. Das klären wir immer gleich beim ersten Treffen.
BZ: Was wünschen sich denn die Paare für Lieder?
Grübner: Das kann ganz klassisch "Moon River" oder aktuell "Perfect" von Ed Sheeran sein. Aber wir hatten auch schon Paare, die auf "Nothing else matters" von Metallica oder ein Stück der Böhsen Onkelz getanzt haben.
BZ: Muss es immer Walzer sein?
Grübner: Das erarbeite ich immer ganz individuell mit dem Paar und entsprechend der Musik. Es gibt moderne Walzer, etwa "What about us" von Pink oder auch neu arrangierte Filmmusik wie "Skyfall" als Rumba oder Walzer. Zudem hängt die Tanzauswahl von der Kleidung ab, denn mit Brautkleid und Anzug ist nicht jeder Tanzstil möglich.
BZ: Wie viel Zeit benötigt das?
Grübner: Das hängt vom Paar ab. Aber in der Regel reichen drei bis fünf Privatstunden.
BZ: Wie weit vor der Hochzeit sollte ein Paar anfangen, Tanzstunden zu nehmen?
Grübner: So sechs Wochen vorher ist ideal. Dann machen wir jede Woche eine Stunde Training. Und die letzte Stunde findet dann direkt vor der Hochzeit statt, quasi als Generalprobe.
BZ: Geben Sie auch Tipps, wenn das Paar oder Gäste verrückte Tanzeinlagen aus Videoclips lernen möchten?
Grübner: Ja, sicher. So haben wir schon Charleston- oder Hip-Hop-Einlagen einstudiert. Aber es ist nicht so, dass uns Kursteilnehmer ständig Youtube-Videos
zeigen. Denn was in den Clips so locker und leicht aussieht, ist schwere Arbeit. Das schaffen wir in der Kürze der Zeit nicht. Denken Sie nur an eine Hebefigur, das ist echt schwierig. Ich rate den Paaren, immer authentisch zu bleiben. Denn das spüren und begeistert auch die Hochzeitsgäste.
BZ: Gibt es Paare, die nach der Heirat weiter tanzen?
Grübner: Ja, sicher! Es gibt einige Paare, die seit dem Wedding-Kurs vom Tanzvirus befallen sind und bei uns weitere Kurse buchen. Es ist ja auch ein toller Sport, den man mit dem Partner bis ins hohe Alter machen kann.