Gerne wieder

Mantua in Italien glänzt mit riesigen Palästen

Stephan Brünjes

Von Stephan Brünjes

Di, 10. Dezember 2019 um 19:08 Uhr

Reise

Florenz hatte die Medici, Mantua hatte die Gonzagas. Von 1328 bis 1707 herrschte der Fürstenclan und brachte der Stadt südlich des Gardasees prunkvolle Bauwerke und pralle Lebenslust.

Wie unterschiedlich die Menschen doch ticken! Die einen sind stets auf der Suche nach dem Unbekannten, die anderen treibt es Jahr für Jahr an denselben Urlaubsort oder sie machen den gleichen Wochenendausflug. Warum? Das beschreiben Autoren der BZ in unserer Serie "Gerne wieder". Viel Vergnügen!
Hhm, auf den ersten Blick irgendwie mittelmäßig, dieses Mantua. Die Arkaden? Sind in Bozen und Meran stilvoller. Knatternde Vespas in der Fußgängerzone? Kann Florenz dramatischer. Die Piazza Delle Erbe? Ganz nett, der Platz, aber kein Vergleich mit Lucca oder Siena: Wie verzogene Pulte im Möbellager lehnen die Häuser um Mantuas Vorzeige-Karree herum. Aber dann habe ich die Reize dieser 50 000 Einwohner-Stadt entdeckt.

Dafür muss man in Mantua auf Distanz gehen. Mal nur ein, zwei Schritte zurück, mal ganz aus Mantua raus – auf den Lago Superiore etwa. Denn das beste Stadtpanorama bietet eine Bootstour auf diesem See. Erst vom Wasser aus ist die außergewöhnliche Lage der eine Autostunde südlich des Gardasees gelegenen Stadt zu erfassen: Die Stadt thront auf einer Landzunge. Nur drei Straßen führen hinüber – wie Stege, hinter denen sich die Stadtsilhouette erhebt, mit Kuppeln, Türmen und Zinnen, die im Abendlicht matt vergoldet schimmern.

Erst in Mantuas Palästen habe ich begriffen: Dieses Panorama ist das Werk nur einer Familie. Florenz hatte die Medici, Mantua seine Gonzagas. Von 1328 bis 1707 herrschte dieser Fürstenclan, ließ nicht nur monumental bauen, sondern in den Gebäuden Maler wie Rubens und Musiker wie Monteverdi die pralle Lebenslust der Renaissance inszenieren.

Der Palazzo Ducale mit gut 450 teils Turnhallen-großen Wohnräumen ist eine Stadt in der Stadt. Riesige Innenhöfe und Lustgärten hat der Palazzo Ducale und das Castello San Giorgio ein berühmtes Fresco. Das Hochzeitszimmer von Andrea Mantegna kann ich immer wieder bestaunen: Die Decke, eine täuschend echt gen blauem Himmel geöffnete Kuppel zieht den Blick an wie im Sog, hin zu Putten auf kaum fußbreitem Sims und von oben in den Raum schauenden Gesichtern. Wieder heißt es: Zurücktreten, diesmal um zu erfassen, wer in diesem Gemälde den Betrachter von wo mustert. Die Wände zeigen höfisches Leben der Gonzagas, teils vor hügeliger, antik dekorierter Landschaft, teils unterm verzuckerten Palastgewölbe.

Zweitwohnsitze waren schon damals schwer im Trend, jedenfalls bei Fürsten und so auch bei den Gonzagas. Höchste Zeit also für ein Lustschloss, befand Markgraf Frederico II und ließ sich 1524 den Palazzo Te an den Südrand der Stadthalbinsel bauen, einen rechteckigen Palast mit überladenen Fassaden und angeflanschtem Innengarten, gerahmt mit Säulen und Bögen. Wände und Decken des Palazzo Te sind monumentale Plakatflächen für antike Helden. Lebensgroße Pferde schauen täuschend echt von Türrahmen herunter und das Zimmer der Titanen zeigt den apokalyptischen Untergang dieser antiken Putschisten – ein von der Decke förmlich herabstürzendes Horrorgemälde. Ja, auch das gebe ich mir immer gerne wieder, ohne anschließende Albträume.