Klimaschutz

Wie die CO2-Kompensation leichter gelingt

Philipp Laage

Von Philipp Laage (dpa)

Fr, 29. November 2019 um 21:39 Uhr

Reise

Klimaschutz ist vielen Menschen wichtig, doch oft klaffen Anspruch und eigenes Handeln weit auseinander. Das gilt vor allem beim Thema Urlaub.

Schließlich stoßen Flugzeuge im Vergleich zu anderen Transportmitteln besonders viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus. Seit Jahren besteht zwar die Möglichkeit, durch eine Kompensationszahlung den CO2-Ausstoß auszugleichen, also freiwillig mehr für die Umwelt zu zahlen. Doch das macht kaum jemand. Eine neue Kooperation will das ändern.

Klimabeitrag im Reisebüro leisten
Der Reisebüro-Verbund QTA und die Organisation Atmosfair, führender Anbieter von Treibhausgas-Kompensationen, arbeiten seit Ende September zusammen. In den rund 8800 beteiligten Reisebüros ist die Zahlung eines Klimaschutzbeitrags nun ganz einfach möglich.

Der CO2-Rechner von Atmosfair, mit dem Nutzer die Emissionen ihrer Reise bestimmen können, wurde in die Buchungsstrecke der Reisebüros integriert. Was Urlauber zuvor aufwendig selbst machen mussten, erledigt nun der Reisebüromitarbeiter mit ein paar Klicks.

"Wir müssen zum einen als Branche besser deutlich machen, was wir für Nachhaltigkeit tun", sagt QTA-Sprecher Thomas Bösl zum Hintergrund der Kooperation. "Und zum zweiten müssen wir dem Verbraucher den Zugang zum Thema Kompensation einfacher gestalten." Es gebe da ein großes Unwissen. Eine Anekdote aus der Beratung: "Manche Urlauber glauben, da wird irgendwas aus der Luft gesaugt."

Das Prinzip der CO2-Kompensation
Tatsächlich funktioniert die mögliche CO2-Kompensation so: Mithilfe eines Rechners ermittelt der Nutzer die Emissionen seiner Reise und einen Betrag, der als Ausgleich in treibhausgasmindernde Projekte vor allem in Entwicklungsländern gesteckt wird. Die Idee: Was der Urlauber ausstößt, wird anderswo eingespart. Neben Atmosfair gibt es Anbieter wie Klimakollekte, Primaklima oder Myclimate.

"Ich glaube, dass die Kunden eine große Bereitschaft haben, etwas zu tun. Wir müssen sie aber abholen", sagt Bösl. "Der Mehrwert des Reisebüros liegt auch hier in der Concierge-Funktion. Der Urlauber will die Zeit nicht selbst investieren, wir nehmen ihm das ab."

Doch ist der Wille, freiwillig mehr für den Klimaschutz zu zahlen, wirklich vorhanden? "Die Kundennachfrage ist ganz schwach", räumt Bösl ein. "Das bewegt sich im Promillebereich." Man sei noch nicht am Ziel. Auch große Reiseveranstalter weisen seit Jahren darauf hin, dass kaum jemand die Emissionen seiner Urlaubsreise kompensiert. Offensiv beworben wurde diese Möglichkeit aber bislang auch nie.

Außerdem soll ein Urlaub ja in erster Linie Freude bringen. Das sperrige und polarisierende Klimathema passt nicht unbedingt dazu. Was ist mit Kunden, die von Fridays for Future genervt sind? "Die Alternative, es nicht anzusprechen, halte ich für falsch", so Bösl. "Jeder Kunde entscheidet selbst."

Rein praktisch macht die Kooperation der QTA-Partner mit Atmosfair nun die CO2-Kompensation leichter, für nahezu jede Reise. Die Reisebüros vertreiben alle Fluggesellschaften und Reiseveranstalter. Atmosfair bietet allerdings keine Kompensationen für Kreuzfahrten mehr an, da die Branche, so der Vorwurf, insgesamt nicht genug für den Klimaschutz unternehme. In den Reisebüros können Urlauber jedoch weiterhin die Emissionen der Flüge zur An- und Abreise kompensieren.

"Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung", urteilt Professorin Claudia Brözel von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde zu der Initiative. "Aber es muss beraten werden, sonst verstehen die Kunden das Thema nicht", mahnt die Tourismusexpertin.

Lufthansa bietet zwei Optionen
Bei manchen Fluggesellschaften können Reisende ebenfalls die Emissionen kompensieren. Lufthansa ist schon seit 2007 ein Partner von Myclimate. Lange Zeit war das Angebot auf der Webseite aber eher versteckt. Erst seit dem Spätsommer 2019 bekommen Kunden es kurz vor Abschluss der Buchung angezeigt. Bis 2018 habe die Nutzungsquote bei weniger als einem Prozent gelegen, sagt Lufthansa-Sprecher Steffen Milchsack. "Aber die Kurve geht nach oben."

Neuerdings bietet Lufthansa noch eine zweite Variante an: Kunden können direkt für synthetisches Kerosin zahlen, das laut Airline weitgehend CO2-neutral ist. Das ist für den Passagier um ein Vielfaches teurer als die herkömmliche Kompensation.

Andere Fluggesellschaften haben teils eigene Programme, zum Beispiel die niederländische KLM. Viele Airlines haben aber gar keine eigenen Angebote oder Kooperationspartner. Hier können Urlauber wieder selbst aktiv werden und Reisen bei Atmosfair und Co. direkt kompensieren.

Das Modell der CO2-Kompensation setzt bislang auf Freiwilligkeit. Urlauber müssen selbst bereit sein, für den Klimaschutz zu zahlen. Ob sie das bald in großer Zahl tun werden, wird sich zeigen. Klimaschützer betonen, dass eine andere Maßnahme ohnehin viel besser für das Klima wäre: nämlich deutlich weniger zu fliegen.