Zischup-Kommentar

Leere Regale, gestresste Menschen

Penelope Grünberg, Klasse 8b, Gewerbliche und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerische Schulen

Von Penelope Grünberg, Klasse 8b, Gewerbliche und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerische Schulen (Emmendingen)

Di, 30. Juni 2020 um 14:40 Uhr

Schülertexte

Penelope Grünberg, Klasse 8b der GHSE Emmendingen

Wir schreiben den 27. Februar 2020, im Supermarkt steht man über eine halbe Stunde an der Kasse an und wartet, bis die Person vor einem ihre drei vollen Einkaufswägen auf das Kassenband gelegt und gezahlt hat, um die eigene Brezel und ein Getränk zu zahlen. Selbst auf die freundliche Frage, ob man damit vielleicht vor dürfe, wird nur ein unfreundliches "Nein" entgegnet. Auch auf die Nachfrage, ob der "Hamsterkäufer" noch eine seiner fünf Packungen Klopapier entbehren könne, weil keine mehr im Regal ist, lautet die Antwort "Nein!".

Natürlich nicht! Was soll man auch anderes erwarten? Einkäufe für mehr als vier Wochen, leere Regale, ängstliche und gestresste Menschen – das ist der neue Alltag in unseren Supermärkten. Jeder will so schnell wie möglich nach Hause, um sich ja nicht anzustecken. All das bewirkt die Angst vor dem Coronavirus, der die Welt und auch Deutschland seit Anfang März in Atem hält.

Doch Angst ist selten ein guter Ratgeber. Ja, es ist sinnvoll für einen gewissen Zeitraum einen Vorrat an Lebensmitteln zu haben. Laut Bundesamt für Katastrophenschutz sollte man zu jeder Zeit – mit oder ohne Virus – Essen für zwei Wochen zu Hause haben. Damit ist aber nicht gemeint Lebensmittel zu horten, sondern sie zu verwenden und erst dann wieder einkaufen zu gehen. Nils Hübner vom Institut für Hygiene der Uni Greifswald hatte in einem ZDF-Interview am 29. Februar 2020 gesagt, man solle möglichst selten einkaufen gehen. Er sagt auch "Hamsterkäufe lösen kein Problem, sondern sie schaffen eines. Aus diesen Herdenphänomenen können wirklich Engpässe entstehen, die allein durch den Virus nie entstanden wären. Wir bereiten uns auf einen Virus vor und nicht auf den Dritten Weltkrieg."

An diesem Abend gingen Fotos viral und man erfuhr, dass in Supermärkten Regale ganz leer gekauft waren, so waren zum Beispiel auch im Kaufland in Emmendingen Zahnpasta, Salz, Nudeln, Hygieneartikel und weitere Artikel komplett ausverkauft. "Ich möchte alles, was ich brauche, zu Hause haben, bevor es gar nichts mehr gibt und die Geschäfte ganz schließen" sagte ein hastiger Kunde im Kaufland Emmendingen.

Nicht nur Experten, sondern auch führende Politiker erklären Hamsterkäufe für unnötig, da die Geschäfte selbst dann noch geöffnet sein werden, wenn andere Geschäfte und öffentliche Institutionen schließen würden. Selbst wenn man krank wird, kann man einen Bekannten bitten, den Einkauf zu erledigen. Es besteht also keinen Grund, das Versorgungssystem aus reiner Panikmache zu belasten. Und damit an seine Grenzen zu bringen.