Reduziertes Vergnügen auf roter Erde

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Do, 18. Juni 2020

Tennis

Senioren 70 des Tennisclub Neustadt verzichten auf Wettkämpfe / Männer- und Frauenteam des TC Grün-Weiß starten Ende Juni.

. Corona stellt auch den Tennissport auf eine harte Probe. War zunächst noch nicht einmal Einzeltraining im Freien erlaubt, so dürfen inzwischen auch wieder Doppel geübt werden. Lockerungsmaßnahmen der Landesregierung Baden-Württemberg ermöglichen jetzt sogar Punkterunden. Allerdings haben inzwischen viele Mannschaften mit der Saison mehr oder minder abgeschlossen und ihre Meldungen zurückgezogen. Anstelle von sieben oder acht Teams bilden jetzt nur mehr zwei oder drei Equipen eine Gruppe. Manche Ligen kommen gar nicht zustande. Auf- und Abstiegsregelungen sind außer Kraft gesetzt. Eine Ausnahme gilt für die Badenliga, wo der Meister auch aufsteigen darf. 2021 dürfen alle Mannschaften in den Klassen des Jahres 2020 antreten.

Die Senioren 70 des TC Grün-Weiß Neustadt, dem erfolgreichsten Verein im Hochschwarzwald, dürfen die Früchte der Vorsaison nicht ernten. Das Tennis-Sextett um Winfried Koslik und Hermann Heitz wurde ungeschlagen Meister der Badenliga und feierte den Aufstieg in die Südwest-Liga. Doch die vierthöchste Spielklasse im deutschen Senioren-Tennis kommt aufgrund der Absagen gar nicht erst zustande. Auch die Hochschwarzwälder hatten ihre Nennung zurückgezogen. Die Senioren 65 belegten im Vorjahr Rang drei in der Südwest-Liga und hatten somit den Klassenerhalt sicher. Doch aufgrund der Abgänge von zwei wichtigen, letztlich unersetzlichen Akteuren meldete Neustadt eine Klasse tiefer für die Badenliga. Mit Datum vom 31. Mai zogen die Hochschwarzwälder aber zurück. Mit der TSG Eberbach/Waldbrunn und dem TC Gottmadingen zeigten lediglich zwei Vereine Interesse am Spielbetrieb.

Die zahlreichen Vorschriften haben die meisten Cracks abgeschreckt. So gab es zunächst viele Verbote. Zu Auswärtsbegegnungen sollten die Spieler im Tennis-Dress anreisen. Die Nutzung von Umkleiden und Duschen war nicht gestattet. Letztlich hätten die Akteure in ihren verschwitzten Klamotten die Heimreise antreten müssen. Die Regelung hätte auch für kurzfristig in Erwägung gezogene Freundschaftsspiele ohne Punkte und Tabelle gegolten.

Von den insgesamt neun Neustädter Tennis-Mannschaften haben sich fünf gegen einen Start in der Punkterunde entschieden. Stichtag für eine kostenfreie Abmeldung war der 31. Mai. Antreten wollten die Männer 50 des TC Grün-Weiß, wurden aber mangels Masse gestoppt. Sie hatten als einziges Team für die Bezirksliga gemeldet. Bezirkssportwart Tobias Bulz strich wegen fehlender Gegner diese Gruppe. Spieler einer abgemeldeten ersten Mannschaft dürfen nicht in einer zweiten Mannschaft eingesetzt werden. Den Spielbetrieb aufnehmen werden die Frauen 40 des TC Neustadt. Für die 1. Kreisliga zugesagt haben Quartetts aus Liptingen, Überlingen und Rebberg. Am 28. Juni steht für die Neustädterinnen die Auswärtsbegegnung in Liptingen an, am 5. und 12. Juli folgen zwei Heimbegegnungen im Stadion an der Gutach.

Auch die Männer des TC Neustadt nehmen den Kampf auf. Der Absteiger des Vorjahres muss lediglich zwei Begegnungen bestreiten. Am 28. Juni, 13 Uhr, erwartet das Sextett um Mannschaftsführer Carsten Winter (Leistungsklasse 7) den TC Hotzenwald-Göhrwihl. Am 5. Juli geben die Grün-Weißen ihre Visitenkarte in Stühlingen ab. Da einige Stammkräfte aus den Vorjahren ihren Verzicht erklärten, können die Nachwuchsspieler Peer Hermann und Moritz Gollrad (beide Jahrgang 2002) erste Erfahrungen bei den Männern sammeln. "Das ist für die Jugendlichen eine gute Möglichkeit, ohne Druck Match-Praxis zu erhalten", so Winter.

Die Männer 40 feierten im Vorjahr den Aufstieg in die 1. Bezirksliga. Am Samstag, 27. Juni, 14 Uhr heißt der Gegner Weilersbach. Am 4. und 11. Juli muss sich der Aufsteiger bei HW Villingen und dem TC Welschingen beweisen. Auch in diesem Sextett ist Carsten Winter Spielführer und die Nummer eins. Die Hygiene- und Abstandsregelungen sind in allen Partien strengstens zu beachten. Bezüglich Körperkontakten heißt es: "Händeschütteln und Umarmen haben zu unterbleiben. Dies umfasst auch den Handschlag zur Begrüßung sowie das Abklatschen von Doppelpartnern zwischen den Ballwechseln." Zuschauer sind nicht erlaubt. Die Zahl der Betreuer ist soweit als möglich zu reduzieren. Umkleide- und Duschräume dürfen erst nach Spielschluss abwechselnd genutzt werden.

Der 41-jährige Krankenpfleger Carsten Winter blickt mit vorsichtigem Optimismus auf die nächste Saison: "Ein solches Szenario haben wir in unserer fast hunderjährigen Geschichte noch nie erlebt." Der Rechtshänder ist seit 2012 Sportwart des 1926 gegründeten TC Neustadt. Im Vergleich zu Mannschaftssportarten wie Fußball "geht es Golfern und uns doch noch ganz gut", so Winter. "Wir werden trotz aller Vorschriften Spaß am Spiel haben." Ein paar Sorgen bleiben aber Corona-unabhängig bestehen. Aufgrund von Studium und Berufsausbildung fehlen dem 183 Mitglieder zählenden Club Nachwuchskräfte sowie Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Im Jugendbereich nehmen zwar 35 Mädchen und Jungen regelmäßig am Training teil. Allerdings das nicht, um eine Mannschaft zu melden. "Wir müssen Spielgemeinschaften bilden, um die Zukunft abzusichern", so Winter.