Kritik am Vatikan

Regenbogenflaggen sollen zeigen: "Liebe ist keine Sünde"

Alexander Huber und Helena Hiss

Von Alexander Huber & Helena Hiss

Fr, 30. April 2021 um 08:00 Uhr

Eschbach

Kritik am Vatikan: Katholische Jugendliche im Markgräflerland hissen Regenbogenflaggen vor Kirchen und kirchlichen Einrichtungen.

Vor der St. Agneskirche in Eschbach wurde eine Regenbogenflagge gehisst, und auch an der Fassade des katholischen Pfarrhauses in Eschbach weht eine solche Fahne, die ein Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung ist und für die Akzeptanz unterschiedlicher Lebens- und Beziehungsformen wirbt.

Regenbogenflaggen wehen nicht nur in Eschbach

Nicht nur in Eschbach, auch in anderen Orten des Markgräflerlandes sind dieser Tage an kirchlichen Gebäuden die bunten Fahnen angebracht worden, dazu gibt es mit bunter Kreide aufgebrachte Schriftzüge auf dem Pflaster. "Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein", ist etwa in Eschbach zu lesen oder: "Lasst uns lieben, denn Er hat uns zuerst geliebt."

Angestoßen wurde diese Aktion vom Jugendbüro des katholischen Dekanats Breisach-Neuenburg mit Sitz in Bad Krozingen. Sie ist eine bunte, aber auch sehr deutliche Kritik an der Haltung des Vatikans, Menschen die in einer anderen als einer Hetero-Beziehung leben, den kirchlichen Segen zu verweigern. Dies wurde Mitte März in einem Schreiben aus Rom bekräftigt und hat auch in Kreisen der katholischen Kirche selbst, vor allem an der Basis, heftige Kritik ausgelöst.

Aktion des Jugendbüros des hiesigen katholischen Dekanats

In genau diese Richtung zielt auch die Aktion des Jugendbüros. "Wir wollten eine Möglichkeit bieten zu zeigen, dass es auch innerhalb der katholischen Kirche sehr viele Menschen, nicht zuletzt junge Menschen, gibt, die damit nicht einverstanden sind", sagt Dekanatsjugendreferent Jonas Ziegler. Schreiben gingen raus an die Pfarrgemeinderäte und auch an Jugendgruppen, beigelegt waren die Regenbogenflaggen und die bunte Kreide.

Jugend- und Social Media gerecht ist die Aktion mit dem Hashtag #Loveisnosin versehen – "Liebe ist keine Sünde". Die kirchliche Jugendarbeit und die Verbände der Erzdiözese Freiburg seien erschüttert über die Haltung des Vatikan. "Sie diskriminiert Menschen, die nichts falsch machen, im Gegenteil sie lieben. Diesen Unterschied, welcher hier gemacht wird, zwischen Hetero und Querer-Liebe verstehen wir nicht und verurteilen diesen", heißt es in dem Schreiben aus dem Jugendbüro. "Gott liebt – unserer Meinung nach bedingungslos." Deshalb möchte man ein Zeichen setzen "gegen die Diskriminierung, die von unserer Kirche ausgeht". Weiter heißt es in dem Schreiben: "Die kirchliche Jugendarbeit im Dekanat Breisach-Neuenburg fordert, nicht Liebe und Sex zur Sünde zu machen, sondern Werte, die uns wichtig sind, zu definieren. Achtsamkeit, Vertrauen, Respekt und Augenhöhe sind wichtige Bausteine einer Beziehung. Um diese Werte sollten wir kämpfen."

Aktion dürfte nicht überall auf Gegenliebe stoßen

Da es die Entscheidung der einzelnen Gemeinden vor Ort und letztlich des jeweiligen Gemeindepfarrers ist, hat das Jugendbüro in Bad Krozingen keinen genauen Überblick darüber, wer bei der Aktion dabei ist. Auch sei man sich bewusst, dass die Aktion nicht überall in kirchlichen Kreisen auf Gegenliebe stoßen dürfte, so Dekanatsjugendreferent Ziegler.