Reiseimpressionen umhüllt von Musik

Karin Heiß

Von Karin Heiß

Di, 11. Juni 2019

Gutach im Breisgau

"Bollyhood in Concert" – Konzert des Musikvereins Bleibach mit beeindruckender Reportage von Flora Wenczel und Josef Weis.

GUTACH-BLEIBACH. Die Karten für das Frühjahrskonzert "Bollyhood in Concert" der Trachtenkapelle Musikverein (TKMV) Bleibach waren im Vorfeld bereits ausverkauft. Die Mottokonzerte des Vereins kommen immer gut an und dieses ganz besonders. Sie halten neben musikalischen Vorträgen des Blasorchesters unter Leitung von Frank Kiener besondere Attraktionen parat, um die sich Mitglied Jürgen Fehrenbach (Saxophon) kümmert.

Diese Mal berichteten Flora Wenczel (geboren in Salzburg) und Josef Weis aus Simonswald von ihrer 14-monatigen Reise im asiatischen Raum, bei welcher der Bollenhut (Bollyhood) aus dem Schwarzwald eine Rolle spielte (BZ berichtete). Musik, Reportage und atemberaubende Bilder von Landschaften und Menschen waren aufeinander abgestimmt und es wurde ein äußerst interessanter, wenn auch sehr langer Abend. Wenzcel und Weis schilderten packend ihre Erlebnisse, die von traurig und emotional bis hin zu unterhaltsam und komisch reichten. Dabei war es sehr erfrischend, wie authentisch und offen sie über allerhand sprachen, Missgeschicke und Übermütigkeiten nicht ausgeschlossen. Für diese verblüffenden oder spaßigen "Fehltritte" ernteten sie sogar Szenenapplaus. Am Ende wurden die beiden sympathischen Weltenbummler, die Schwierigkeiten mit Humor und Flexibilität bei ihrer langen Tour in fremden Landen gemanagt hatten, mit einem brausenden, anhaltenden Beifall belohnt.

Der schöne Einstieg in den Abend gelang dem Jugendblasorchester Gutach-Bleibach-Siegelau unter der Leitung von Ann-Christin Dages mit "Superheroes are us" (Michael Story) und "Pavane in Blue" (Ted Huggens). Das Publikum forderte eine Zugabe – das "Queen Medley" kam super an.

Das große Blasorchester eröffnete seinen ersten Konzertpart mit der Polka "Schwarzwälder Maidli" (Willy Lange) – also mit Musik von dort, wo die große Reise der Moderatoren begann. Wenczel übernahm an diesem Abend auch die Ankündigung der vorgetragenen Kompositionen mit Details über deren Entstehungsgeschichte.

"Josef und ich haben uns beim Klettern kennengelernt und weitere Gemeinsamkeiten festgestellt, wie unsere Reiselust", erzählte sie. Es stand ein begrenztes Budget zu Verfügung und das bestimmte auch die Route. Der günstigste Flug Richtung angepeilter Asien-Tour ging nach Malaysia. Das Stück "Weiwei's Melodie" hat Komponist Willi März 2007 für die ungewöhnliche Duobesetzung aus Zither und Yangchin (chinesisches "Hackbrett") geschrieben und nachfolgend für Blasorchester umkomponiert. Am Ende werden die asiatischen Klänge ganz deutlich.

Von Kuala Lumpur ging es über Singapur nach Indonesien – die "Postkarte aus Singapur" (Philip Sparke) ist eine eindrucksvolle Suite in drei Sätzen, die auf vier traditionellen Volks- beziehungsweise Kinderliedern basiert, die wohl jeder in diesem gigantischen Insel- Stadtstaat kennen soll. Hier entstand auch das erste Bild mit einer Einheimischen, die den Bollenhut auf einer Treppe vor den kolossalen Twin-Towers trug. In den Slums von Jakarta, wo die Beiden so viel Gastfreundschaft erlebten, "die Menschen sehr auf Sauberkeit achten und wir keine Sekunde Angst hatten", betonte Flora, entstand das nächste Bollenhut-Bild, mit einer jungen Frau und ihrem Kind auf dem Schoß. Dieses zeigte viel mehr Leben und Persönlichkeit als das vorherige, dem die strengen architektonischen Linien die Lebendigkeit nahmen.

Immer wieder erzählten Weis und Wenczel auch von den Geschichten der fotografierten Frauen. In Vietnam lichteten sie vier Schwestern ab, von denen eine den Hut trug. Die Story dahinter: Im Vietnam-Krieg hatte die Mutter dieser Mädchen das Augenlicht verloren und fand, durch schicksalhafte Fügung oder Glück im Unglück, die Liebe mit ihrem ebenfalls blinden Mann. Das Paar zeugte diese vier gesunden Töchter. Musikalische Beträge waren "Gangnam Style" (Sang Park, Keon Hyung Yoo), zu dem sehr erfrischend einige Tänzerinnen vom Showballett und Orchester vor der Bühne eine coole Choreografie präsentierten.

Im Musical "Miss Saigon" (Alan Bloublil, Claude-Michel Schönberg) geht es um die Beziehung eines vietnamesischen Barmädchens mit einem amerikanischen Soldaten. Die präsentierte Komposition daraus enthielt eindrucksvolle Klangbilder mit Dramatik. Die Moderatoren hatten den Ablauf ihrer Bilder aus der Region wunderschön mit der Musik abgestimmt.

In Indien war es laut Wenczel schwer eine Frau zu finden für ein Hut-Portrait. "Die Frauen dürfen hier nichts selbst entscheiden. Wir wären uns nicht sicher gewesen, ob eine Frau selbst auf das Bild möchte, oder ob der Mann das von ihr will." Und so setzten sie das "Bollenhut-Projekt" in diesem Land aus. In dem Film "Slumdog Millionaire" (A.R. Rahman) ist es einem Jungen gelungen, dem Elend eines indischen Slums zu entkommen und viel Geld zu verdienen. In Indien und speziell Kalkutta hatten die beiden Reisenden wirkliche Schwierigkeiten, mit den Menschenmassen klar zu kommen und der Nähe. Die Menschen hielten nicht die für uns übliche körperliche Distanz ein. "Aber Hut ab vor den Indern", betonte Josef Weis. "Sie schaffen es täglich, 20 Millionen Menschen von A nach B mit der Bahn zu transportieren, und das sogar einigermaßen problemlos."

Mit "Mount Everest" (Rossano Galante) und monumentalen Landschaftsaufnahmen aus der Himalaya-Region in Nepal, wo sich der höchste Berg der Welt befindet, und "Going home" (Mark Knopfler) endete dieser eindrucksvolle Abend.

DJ Bocki legte noch Partymusik auf. Die Bewirtung übernahmen der AC Gutach-Bleibach und die NZ Leimedeyfel.