Städtebund

Reisen in Hansestädte wie Halle, Buxtehude oder Lübeck lohnen sich

Dörte Nohrden

Von Dörte Nohrden

So, 25. April 2021 um 13:51 Uhr

Reise

Auf den Spuren der Hanse: Nicht nur Hamburg, Bremen oder Lübeck, sondern fast 200 Städte gehörten einst dem Hansebund an – viele lohnen heute noch eine Reise, denn die Städte haben einiges zu bieten.

Wer an typische Hansestädte denkt, dem kommen Bilder aus Hamburg oder Bremen und vor allem aus Lübeck in den Sinn. Doch dem hansischen Städtebund gehörten fast 200 Städte an. So manche davon überraschen.

Lübeck: Die Königin der Hanse
Das imposante Holstentor zeigt bis heute die alte Macht und den Wohlstand Lübecks. Die Stadt an der Trave schwang sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts zur Königin der Hanse auf. 200 Jahre später hielt Lübeck, damals die bevölkerungsreichste Stadt an der Ostsee, die Zügel des Städtebundes fest in der Hand.

Der Handel florierte, zunächst mit Salz und Heringen, später wurden in Lübeck Waren aus aller Welt umgeschlagen – ob Bernstein, Felle oder Gewürze aus Übersee. In bauchigen Hansekoggen schipperten Kaufleute die Waren in Fässern, Säcken und Kisten verpackt über Flüsse und Meere. Bald dehnte sich der Handel über Tausende Kilometer aus. Vier gemeinsame ausländische Kontore entstanden: von Nowgorod über Bergen bis nach London und Brügge.

Hierzulande spannte sich ein enges Wegenetz zwischen Hafen-, aber auch zahlreichen Binnenstädten. Die meisten der bis zu 200 Orte, die zeitweise dem Hansebund angehörten, gerieten nach dem Ende der Hanse im 17. Jahrhundert in Vergessenheit. Bis die niederländische Stadt Zwolle 1980 den historischen Städtebund mit der Gründung der Neuen Hanse wieder aufleben ließ. Bis heute haben sich 193 Städte aus 15 Ländern mit ausgewiesener Hansevergangenheit dem Bund angeschlossen.

Bereits 1991 als Kulturroute des Europarates zertifiziert, können Reisende den Spuren der Hanse folgen – und dabei Städte entdecken, die zunächst einmal verwundern mögen.

Die Hanse - Kulturroute des Europarates: Infos unter mehr.bz/eukul


Buxtehude: Apfelblüte und Backsteingotik
Bereits im 13. Jahrhundert wurde das heutige 40 000-Seelen-Städtchen an der Este zur Hafenstadt. In ihrer schmucken Altstadt rund um das Hafenbecken können Besucher noch heute hansische Geschichte hautnah erleben. Ob auf einer Fahrt durch den grachtenähnlichen Fleth oder beim Bummel durch mittelalterliche Gassen, geprägt durch Fachwerk und die für die Hansezeit typische Backsteingotik. Überragt wird die Stadt von der eindrucksvollen Kirche St. Petri.

Buxtehudes Lage – unweit der Elbe und vor den Toren der großen Hanseschwester Hamburg – machte die Stadt einst zum idealen Umschlagplatz, besonders für Getreide. Seit dem Jahr 2014 trägt sie wieder ihren verdienten Namen: Hansestadt Buxtehude.

Wer sich zu einer Erkundungstour aufmacht, ist im Frühjahr richtig. Die Stadt liegt im Alten Land, "Hamburgs Obstgarten", der sich jedes Frühjahr in ein prächtiges Kirsch- und Apfelblütenmeer verwandelt.

Der Fleth in Buxtehude: mehr.bz/fleth

Herford: Leinwandhandel bis nach London
Werre und Aa mäandern durch die einst bedeutsame Hansestadt Herford in Ostwestfalen, die sich seinerzeit einen Namen im Leinwandhandel machte. Historische Zollakten belegen, dass insbesondere das begehrte Leinen für Jahrhunderte etwa nach London exportiert wurde. Seit in Herford 1983 der neue Westfälische Hansebund gegründet wurde, lebte die Geschichte in den mehr als 40 Mitgliedsstädten wieder auf.

Wer sich in Herfords gotischer Jakobi-Kirche umsieht, wird auf etwas für diese Region Eigenartiges stoßen: eine mehr als zwei Meter lange Walrippe. Sie stammt von einem Wal, gestrandet vor der Nordseeinsel Juist. Die Rippe ziert den Sakralbau seit Ende des 16. Jahrhunderts als Symbol des Hansebündnisses. Am südwestlichen Strebepfeiler prangt wiederum eine Jakobsmuschel. In der Hallenkirche versammelten sich einst zahlreiche Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela.

Halle: Das weiße Gold an der Saale – Salz
Sie gilt als eine der südlichsten Hansestädte Deutschlands. Ihr "weißes Gold", unter anderem gewonnen aus den Solequellen des Hallmarktes, brachte frühen Wohlstand. Halle blickt auf eine jahrhundertelange Hansebeziehung zurück.

Auch wenn die lebendige Universitätsstadt forschen Schrittes Richtung Zukunft marschiert, hat sich eine bemerkenswerte Tradition aus der Hansezeit erhalten: die Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle. Seit 1491 sind die Halleschen Salzwirker, sogenannte Halloren, in einer eigenen Bruderschaft organisiert. In Schauvorführungen können Neugierige noch heute Siedeprozesse nach dem Pfannenverfahren bestaunen und einen Blick in die Vergangenheit werfen. Die Bruderschaft hat es 2014 sogar ins Unesco-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes geschafft.

Info: Immaterielles Welterbe Salzwirker-Bruderschaft, Thale zu Halle, mehr.bz/saale


Köln: Reich durch Reben – das Weinhaus der Hanse
Stromabwärts über die Niederlande bis zur Nordsee war der Weg nach London nicht mehr weit. Bereits im 12. Jahrhundert, lange vor dem ersten offiziellen Hansetag im Jahr 1358, waren es Kölner Kaufleute, die zunächst einen Sonderweg gingen. Die Kaufmannspioniere gründeten ihr Handelskontor Stalhof an der Themse. Sowohl sie selbst, als auch ihre Waren standen damals unter dem Schutz des Königs Heinrich II. Ihr Exportschlager: Wein.

Köln, um 1430 mit rund 40 000 Einwohnern die größte deutsche Stadt, wurde reich durch Reben, unter anderen durch den regional angebauten Rotwein "vinum rebellum". Das Marktrecht für den Weinhandel machte Köln zum größten Stapelplatz für edle Tropfen.

So verwundert es nicht, dass in dieser Rheinstadt noch heute der zweitgrößte Binnenhafen Deutschlands liegt. Übrigens: Das rot-weiße Kölner Wappen – ebenso wie das des 1. FC Kölns – reicht ebenfalls zurück bis zur Hansezeit und darüber hinaus. Schon damals flatterten an den Mastenden deutscher Handelsschiffe längliche Wimpel in Rot und Weiß, in den Farben des Heiligen Römischen Reiches. Sie finden sich bis heute in zahlreichen Stadtwappen wieder.

Korbach: Spazieren auf der Spur des Goldes
Eine doppelte Stadtmauer umgibt schützend das beschauliche Korbach im Waldecker Land. Kein Wunder: Hier in Hessens einziger Stadt mit Hansevergangenheit wurde bereits im 11. Jahrhundert nach einem edlen Gut geschürft: Gold. In den Tiefen des Goldbergs meißelten sich Bergbauer in Schweißarbeit durchs Gestein – und wurden fündig. Korbach gilt als eine der größten Goldlagerstätten Deutschlands. Auch Eisen und Kupfer wurden hier abgebaut.

Korbach war keine klassische Hansestadt, aber unterhielt dennoch weitreichende Beziehungen zur Hanse. Dies lag unter anderem an zwei alten Fernhandelsstraßen, die sich hier kreuzen: die Heidenstraße zwischen Köln und Leipzig sowie die Weinstraße, die zwischen Bremen und Frankfurt verlief.

Wer heute durch Korbach flaniert, genießt Ausblicke auf prachtvolle gotische Kirchen und kann sich an hübschen Fachwerkhäusern satt sehen. Und auf welchem Altstadt-Spaziergang flanieren Besucher schon entlang goldener, in den Boden eingelassener Embleme? Hier zumindest tun sie es, nämlich auf der Goldspur Korbach.

Infos zur Goldspur Korbach: mehr.bz/korbach

Weitere Infos: Der Städtebund "Die Hanse", http://www.hanse.org