Ein vertrautes Bild

wk, bz

Von Wolfgang Künstle & BZ-Redaktion

Mi, 14. April 2021

Reitsport

Für Profireiter geht der Turnierbetrieb trotz Pandemie weiter / Thomas Mang vom RV Dreiländereck gewinnt S-Springen in Ichenheim.

(wk/BZ). Beinahe ist es schon ein vertrautes Bild, die menschenleeren Reitplätze, auf deren Geläuf in diesem Frühjahr Springturniere ausgetragen werden, deren Sinn allein darin begründet liegt, den Berufsreitern, die ihr Geld auf dem Rücken eines Pferdes verdienen (müssen), eben jenes zu ermöglichen. "Die Reiter sind heiß, sie wollen auf den Platz", sagte Reinhard Schill, Vorsitzender für den Bereich Sport beim Reitverein Ichenheim. Am Samstag fand ein solches Turnier beim RVI unweit von Offenburg statt.

Am vergangenen Wochenende hätte der Verein ohnehin sein traditionelles Reitturnier ausgetragen – was in diesen trüben Zeiten selbstredend nicht im bewährten Modus möglich war. Und so opferten die Verantwortlichen den Sonntag und boten am Samstag den professionellen Reitern ihr Reitgelände an. Zugelassen waren neben den Berufsreitern noch die Kader- und die Perspektivreiter, die die Gelegenheit dankbar nutzten – es war so ziemlich alles da, was in Baden-Württemberg Rang und Namen hat.

Hans-Dieter Dreher für Nationenpreis nominiert

Entsprechend hochklassig war der Sport, der in den sechs Prüfungen geboten wurde. Allein beim finalen S*-Springen gingen 41 Reiter an den Start. Ohne Strafpunkte durchquerten deren 13 den Parcours, der schnellste unter ihnen war Thomas Mang vom RV Dreiländereck. Auf der elfjährigen niederländischen Stute Famira benötigte er für seinen fehlerfreien Ritt 63,67 Sekunden und distanzierte den Syrer Mohamad Mogheeth Alshehab (RFV Herrenberg) auf Galina um 0,77 Sekunden.

Auf Rang sieben reihte sich Hans-Dieter Dreher mit Quattro Loma (66,52) ein. Für den RVD-Reiter war es der erste Start seit Ende Februar, seitdem war der internationale Turnierbetrieb wegen eines aggressiven Herpesvirus unterbrochen. Inzwischen sind die Turniere seitens des Weltverbandes wieder freigegeben, für Dreher steht die Reise nach Italien an, wo er für das am heutigen Mittwoch beginnende CSI3*-Turnier in Gorla Minore gemeldet hat. Dort wird er auch eine Woche später in den Parcours gehen: Bundestrainer Otto Becker berief den Eimeldinger in das fünfköpfige Aufgebot für den Drei-Sterne-Nationenpreis.

Während Dreher das Reitturnier in Ichenheim auch zur Teilnahme in der mittelschweren M-Klasse nutzte, trat Mang in allen sechs Konkurrenzen an und brachte es auf 15 Starts. Weitere Top-Platzierungen gelangen ihm in der A**-Springferdeprüfung mit den Rängen zwei (Spinelly) und fünf (Kleiner Prinz). Beim Turnier in Sauldorf-Boll erreichte Dreiländereck-Reiterin Pia Reich auf Portofino den zweiten Platz im S*-Springen.

Nach Ichenheim war mit Timo Heiniger, Barbara Schnieper und Dominique Zbinden auch ein Trio aus der Schweiz angereist, was recht unkompliziert vonstatten ging. Bedingung war ein negativer Corona-Test, wie Reinhard Schill erklärte. Diesen hat er höchstpersönlich entgegengenommen und kontrolliert, am Abend konnten die drei die Rückreise antreten, da ihr Aufenthalt in Deutschland weniger als 24 Stunden dauerte.

Wirtschaftlich stellt das abgespeckte Turnier für den RV Ichenheim kein Problem dar, wie Schill erklärt, da den geringeren Einnahmen auch ein kleinerer Aufwand gegenüber steht. "Das gleicht sich aus", sagt er, und auch logistisch sei die Veranstaltung mit ihren 50 Reitern keine Herkulesaufgabe. "Mit zehn, 15 Helfern ist das zu schaffen", erklärt der Vorsitzende. So hat Schill keine Bedenken beim Blick auf die zweite Auflage eines solchen Profiturniers in Ichenheim. "Die Terminplanung ließ keine andere Möglichkeit zu", sagt er. Das Turnier soll am 4. Mai stattfinden – einem Dienstag. Einem ganz normalen Arbeitstag für Berufsreiter.