Meine Top-Elf

Remo Laisa: "Gegen Kevin Keller ziehst du am besten Buffalos an"

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mo, 06. Juli 2020 um 20:00 Uhr

Bezirksliga Hochrhein

Der verrückteste Torhüter? Wer war eine Rakete? Remo Laisa, Kapitän des SV Herten, stellt seine Top-Elf vor. Mit Fußballern der alten Schule, kleinen Kopfballungeheuern und imponierenden Ikonen.

Wer ein paar Jahre in Fußballligen zu Hause ist, bekommt sie schnell zusammen: elf Spieler, die durch ihr Können, ihre Persönlichkeit oder ihre Eigenarten sofort präsent sind. Spieler, mit denen man durch dick und dünn gegangen ist. Auf FuPa, dem Online-Portal der BZ für den Amateurfußball in Südbaden, stellen Kicker ihre Top-Elf vor. Heute: Remo Laisa, 32, Verteidiger, Kapitän und Spielausschuss beim Bezirksligisten SV Herten. Der waschechte Hertener, Industriekaufmann bei Sotax im schweizerischen Aesch, verbrachte fünf Jugendjahre beim SV Weil. Für seine Top-Elf stellt Laisa die Spieler vor, die bei ihm nachhaltig Eindruck hinterlassen haben:

Steffen Birlin (SV Niederhof): "Goalies müssen ja partout verrückt sein – Steffen ist auf positive Weise der verrückteste, den ich kenne. Stark auf der Linie, sehr gut bei Flanken und furchtlos wie einst Oli Kahn. Zu einem Teamausflug reiste er einmal spontan direkt von der Arbeit hinterher. Ab in den Flexibus, ohne Hotel, ohne alles. Er kam für sechs Stunden zu uns nach München, saß auf einem Kistchen und fuhr am nächsten Morgen alleine zurück. Das ist halt Steffen Birlin."

Alexander Gette (zuletzt SV Herten): "Ein Fighter und Zweikampfmonster, der kopfballstärkste Spieler, den ich kenne. Wir haben viele Jahre als Innenverteidiger-Duo gespielt. Unsere Tore wurden immer zusammen gezählt; in einer Saison haben wir zusammen 14 Tore geschossen: ich eins, Alexander die anderen 13. Egal wer bei Standards vorn war, der Gette bekam jeden Ball. Er ist zwar nur etwa 1,75 Meter groß, hatte aber ein gutes Timing."

Fabian Kluge (FC Huttingen): "Mein Arbeitskollege und einer meiner besten Freunde. Einmal mit Fabian zusammen kicken – das wär’ ein Traum. Auf ihn kann man sich verlassen, er übernimmt Verantwortung, auch im Geschäft. Bestes Beispiel auf dem Platz: Als er den Freistoß im Derby gegen Lörrach-Brombach aus 30 Metern in den Winkel zimmerte."

Remo Laisa (SV Herten): "Wenn ich schon die Chance habe, solch eine Elf zusammenzustellen, will ich auch mitspielen. Ich habe überlegt, im Sturm aufzulaufen. Aber da habe ich ein Überangebot, dafür fehlen mir Verteidiger. Ich muss mich wohl oder übel hinten reinstellen."

Michael Renk (zuletzt SV Schopfheim): "Von ihm habe ich viel gelernt. Er hat als erstes zu mir gesagt, dass ich ihn mal als Kapitän ablöse. Micky war alte Schule, nach einer Niederlage war da nix mit Partymusik und Friede, Freude, Eierkuchen. Da wusste jeder: Am Dienstag im Training spengelts gleich am Anfang beim Fünf gegen Zwei. Ein Mentalitätstyp, immer anspielbar. Er ging dort hin, wo es weh tut. Micky hat wirklich Eier gehabt."

Frank Tufaro (zuletzt FC Wallbach): "Der beste und kompletteste Fußballer, mit dem ich je spielen durfte. Egal gegen wen, du wusstest: Er verliert den Ball nicht. Torgefährlich, starkes Dribbling – ein Unterschiedsspieler. Wenn"s im Spiel mal nicht lief, hat er einfach einen Eckball direkt verwandelt. Nach unserer Bezirksliga-Meisterschaft 2011 saß Michael Amrein, frisch Torschützenkönig, in der Kabine und sagte: "24 Tore! Hey Tufi, hast du das auch mal geschafft?" Da schaute der ihn nur trocken an: "Ja, ja. Aber das war damals in der Verbandsliga." Tufi war eine richtige Rakete."

Tim Behringer (FC Schönau): "Tim ist das Gesicht von Schönau. In meiner ersten Saison trafen wir in den Aufstiegsspielen auf den FC, seitdem entwickelte sich es zu einem besonderen Duell. Die Spiele waren immer besonders, jeder Zentimeter hart gekämpft, aber immer fair und mit dem nötigen Respekt. Wir schätzen uns und egal wie hart die 90 Minuten verlaufen: Handshake nach dem Spiel, der Verlierer holt ein Bier und wir setzen uns zusammen."

Pascale Moog (SV Jestetten): "Das gleiche gilt für Pascale. Er lebt den SV Jestetten, engagiert sich in der sportlichen Leitung, kümmert sich auf und neben dem Platz um seine Jungs. Er spielt schnörkellos – nix mit Hacke, Spitze, eins, zwei drei –, sondern ehrgeizig, zielgerichtet und mit ganz viel Herzblut. Mit Typen wie Pascale und Tim kann sich jedes Team und Verein glücklich schätzen. Daher gehören sie in meine Top-Elf."

Guido Perrone (FC Huttingen): "Guido hat das Stürmer-Gen. Er ist nicht zufrieden, wenn er noch kein Tor geschossen hat. Das triebt ihn an und macht ihn seit Jahren so erfolgreich. Und er ist ein Feierbiest. Ein Team harmoniert nur, wenn es auch neben dem Platz entsprechende Typen hat, daher darf Guido nicht fehlen. Mit ihm und Fabian habe ich schon einige Male bis in die Morgenstunden gefeiert."

Michael Amrein (SV Herten II): "Michael ist der Spielertyp, den jeder Gegner und Schiedsrichter hasst, die Mitspieler aber einfach lieben. Er kann 90 Minuten in der gegnerischen Hälfte ohne Ballkontakt stehen, aber fällt ihm dann der Ball vor die linke Klebe, haut er ihn rein. Einmal lief er auf den Torwart zu, der Verteidiger kam ran, Michael ließ sich fallen und holte einen Freistoß raus. Thorsten Szesniak, unser Coach, war vorm Durchdrehen: "Geh’ doch ins Eins gegen Eins!" Was macht Michael? Er nimmt den Ball, zwirbelt ihn rein und läuft zu Szesniak: "Totti, die Wahrscheinlichkeit, dass ich das Laufduell gewinne, war geringer, als dass ich den Freistoß einfach reinhau."

Kevin Keller (TuS Efringen-Kirchen): "Eine richtige Kante, stellt seinen Körper sehr gut rein, macht den Ball gut fest. Am besten ziehst du Buffalos an, um den Hauch einer Chance zu haben, wenn er hoch angespielt wird. Im wahrsten Sinne ein Riesentyp. Wir sind alles Amateure, das vergessen leider einige. Es zieht sich durch meine Top-Elf: Ich schätze Persönlichkeiten, die auf dem Feld, aber auch daneben gute Typen sind. Eben wie Kevin, die 90 Minuten alles geben, danach aber mit "Freund und Feind" zusammenhocken. Wenn man sich in der Beiz trifft, umarmt man sich, trinkt was und freut sich aufs nächste Duell. Weil man weiß: Der ist sportlich und menschlich top."

Trainer: Thorsten Szesniak (Teammanager SV Herten): "Mein erster Trainer bei den Aktiven und die prägendste Figur meiner Laufbahn. Totti lebt Fußball zu 120 Prozent. Ebenfalls einer der alten Schule: Auch wenn es nur Hobby ist, es ist ein Mannschaftssport und wenn wir unsere Zeit investieren, geht man nicht während der Runde in den Urlaub. Ebenso wichtig: Disziplin und eine gute Vorbereitung. Die jungen Spieler gehen am Tag vorm Spiel saufen – ich war in der Jugend auch so. Aber Totti wollte man nicht enttäuschen. Wie er die 120 Prozent vorlebt – er war immer da, gab alles. Das hat mich sehr beeindruckt. Diese Werte habe ich verinnerlicht und ein großes Stück ihm zu verdanken."