Rettungshubschrauber

Ministerium lehnt Probebetrieb eines Helikopters in Rickenbach ab

Michael Krug

Von Michael Krug

Do, 21. Februar 2019 um 11:30 Uhr

Rickenbach

Die Björn-Steiger-Stiftung wollte für sechs Monate einen Rettungshubschrauber in Hütten stationieren. Das Land lehnte das Angebot ab – und wartet auf das Ergebnis einer Untersuchung.

Vor Abschluss der Strukturuntersuchung der Luftrettung in Baden-Württemberg wird es keine Festlegung auf bestimmte Luftrettungsstandorte geben. Mit diesem Hinweis blockt das baden-württembergische Innenministerium das Angebot der Björn-Steiger-Stiftung ab, in Rickenbach-Hütten einen mehrmonatigen Probebetrieb für einen Rettungshubschrauber anzubieten. Den hatte die Stiftung vorgeschlagen, um dem Ministerium neue Zahlen zu Häufigkeit und Einsatzzeit zu liefern.

"Wir wollten den Zeitraum überbrücken, bis die Daten des Gutachtens vorliegen", sagt Ulrich Schreiner, Geschäftsführer der Björn-Steiger-Stiftung. Deshalb habe man dem Innenministerium in Stuttgart angeboten, für ein halbes Jahr einen Probebetrieb von Hütten aus zu fliegen, damit man belastbare Daten und Zahlen vorliegen hat. Der Probe-Hubschrauber wäre nur tagsüber geflogen, der Zeitraum wäre von April bis Oktober gewesen. Die Björn-Steiger-Stiftung hätte nach Aussagen des Geschäftsführers Schreiner provisorisch mit einem Zelthangar gearbeitet.

Das Innenministerium Baden-Württemberg bestätigt, dass es seitens der Björn-Steiger-Stiftung einen mündlichen Vorschlag gegeben habe, den befristeten Betrieb eines Rettungshubschraubers im Kreis Waldshut (Flugplatz Hütten-Hotzenwald) aufzunehmen. Dieses Angebot sei aber nicht weiterverfolgt worden weil, wie die Stiftung auch wisse, "eine solche Leistung der Luftrettung nach Vorgaben des Vergaberechts ausschreibepflichtig" sei.

Zudem habe das Innenministerium im Herbst vergangenen Jahres ein Gutachten zur Untersuchung der Luftrettungsstruktur in Baden-Württemberg in Auftrag gegeben. "Ziel dieser Strukturuntersuchung ist es, unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und einsatztaktischer Möglichkeiten, eine fundierte Basis für eine vollständige Flächenabdeckung im Land mit Luftrettungsmitteln zur signifikanten Verbesserung der medizinisch relevanten Prähospitalzeit bei den sogenannten Tracerdiagnosen zu erhalten. Mit Ergebnissen der Strukturuntersuchung ist Ende 2019 zu rechnen." Dann erst, so das Innenministerium auf Anfrage dieser Zeitung, würden "belastbare Daten und fachlich begründete Empfehlungen für eine Überplanung der Luftrettung in Baden-Württemberg" vorliegen. Ulrich Schreiner, Geschäftsführer der Björn-Steiger-Stiftung Rettungsdienst GmbH, rechnet vor, wann in seinen Augen dann mit einer Entscheidung für oder gegen Rickenbach-Hütten als Standort eines Rettungshubschraubers zu rechnen ist: "Wenn Ende 2019 das Gutachten vorliegt, wird dieses in 2020 erst einmal ausgiebig diskutiert werden. Wenn es gut läuft, wird dann der Standort im Landkreis Waldshut Ende 2020/Anfang 2021 europaweit ausgeschrieben." Man habe das Gefühl, so Schreiner weiter, "die Menschen im Landkreis Waldshut haben keine Lobby".

Auch Kreisrat Klaus Denzinger (FDP), hatte vor Wochen in einem offenen Brief Innenminister Thomas Strobl um eine schnellere Abarbeitung der Strukturuntersuchung gedrängt. Aber Staatssekretär Wilfried Klenk hatte wie auch das Innenministerium in der aktuellen Antwort auf den Zeitraum bis Ende 2019 verwiesen.

Zur Absage an die Björn-Steiger-Stiftung meint Denzinger: "Ich halte die Vorgehensweise des Innenministeriums für nicht akzeptabel. Hier werden die Bedürfnisse der Menschen im Landkreis Waldshut völlig außer Acht gelassen."