Filigranes Zusammenspiel der Farben

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Fr, 03. Mai 2019

Riegel

Der Berliner Künstler Günter Scharein stellt zum dritten Mal in der Galerie Messmer in Riegel aus.

RIEGEL. Der Künstler Günter Scharein hat für sich den Punkt entdeckt. Aus Zehntausenden der kleinen farbigen Flecken sind seine Bilder aufgebaut. Was aus einem Punkt Farbe im Großen und Ganzen werden kann, ist derzeit Galerie Messmer in Riegel zu sehen. Die Ausstellung "Die Macht der Farben" wurde jetzt eröffnet.

Der nun 70-jährige Berliner Künstler Günter Scharein zeigt zum dritten Mal seine Bilder in der Galerie M der Kunsthalle Messmer. Der frühere Kunstlehrer, der seit 1988 als freischaffender Künstler arbeitet, überlässt es weitgehend seinem Kunstwerk, sich zu kreieren. 20 Prozent der Komposition von Zehntausenden Farbtupfern stammen von ihm, dann übernehme das Bild die Regie, sagt Scharein bei der Vernissage. Freilich steckt hinter der "Macht der Farben", die sich auf dem Raster entwickelt, viel Theorie und Farbenlehre. Scharein und das Bild schaffen es durch ihren außergewöhnlichen Umgang mit Acrylfarbe auf Hartschaumplatten aus einer Vielzahl von Punkten, die teils nebeneinander und teils übereinander gesetzt werden, eine ganz unterschiedlich strahlende Komposition zu zaubern. Ganz nahe am Werk erkennt der Betrachter die filigranen Farbpunkte und je weiter er sich entfernt, desto mehr Leben kommt in die Farbflächen. Die für Scharein charakteristische Arbeitsweise gestaltet eine besondere Farbtextur, wodurch selbst in seinen Werken mit nur einer Farbe – diese allerdings in unterschiedlichen Abtönungen – Tiefe entsteht. Die gesamte Komposition offenbart auf den ersten Blick nicht, welcher immense Arbeitsaufwand in den Bildern steckt. Egal, ob Scharein selbst oder sein Werk den Pinsel geführt hat, die Grundlage für Tupfer und Rasterung ist eine intensive Auseinandersetzung mit der Wirkungsmacht der Farben sowie deren besonderen Eigenschaften, wenn es darum geht, die Töne zu mischen. Durch das Studium der jeweiligen Farbfamilie ergründet Günter Scharein die spezifischen Qualitäten seines Werkstoffes. Er empfindet den geringsten Fehler als optischen Bruch der feinstufigen Farbverläufe.

Offensichtlich trifft Scharein mit seinen Kompositionen den Nerv namhafter Sammler und Galeristen. Seine Arbeiten waren und sind in zahlreichen Einzelausstellungen und im Deutschen Bundestag zu sehen und haben es in viele öffentlichen Sammlungen wie der von Hoppe-Ritter, Daimler, Pietzsch, IBM, Piepenbrock und der Staatsgalerie Stuttgart geschafft.

Die Ausstellung ist bis 30. Juni in der Galerie Messmer in Riegel zu sehen: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr; weitere Infos: http://www.galerie-messmer.de.