Riesige Herausforderung

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Von dpa

Mi, 29. Mai 2019

1. Bundesliga

Wie geht’s weiter beim VfB Stuttgart nach dem Abstieg? / Mario Gomez scheint beim Klub zu bleiben.

STUTTGART (dpa). Einen der bittersten Momente seiner Fußball-Karriere verarbeitete Thomas Hitzlsperger in seinem Büro. Der Sportvorstand des VfB Stuttgart grübelte im Klubzentrum über das Debakel seines am Boden liegenden Traditionsvereins. Der 37-Jährige steht nach dem dritten VfB-Absturz in die Zweitklassigkeit vor einer riesigen Herausforderung.

Hitzlsperger muss diesen Umbruch und den enormen Imageschaden seines Klubs im Eiltempo abarbeiten – nach dem 0:0 am Montagabend im Relegationsrückspiel bei Union Berlin und dem damit verbundenen Abstieg (Hinspiel: 2:2). Ihm bleibt dafür jedoch kaum Zeit. Denn schon am letzten Juli-Wochenende startet die zweite Liga in die neue Saison. Mitte Juni dürfte der neue Trainer Tim Walter (bisher Holstein Kiel) mit seinen Profis bereits in die Vorbereitung starten.

Welche Spieler der 43-Jährige zum Trainingsauftakt begrüßen darf, ist unklar. Zwar besitzen fast alle Akteure zu verringerten Konditionen Verträge für die zweiten Liga, aber der Kader wird trotzdem nicht zusammen. Fix ist, dass Benjamin Pavard für 35 Millionen Euro zu Bayern München wechselt. Auch Winter-Neuzugang Ozan Kabak wird voraussichtlich den Klub dank einer 15-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel verlassen, da sein Kontrakt nur für die erste Bundesliga gültig ist. Außerdem laufen die Verträge von Kapitän Christian Gentner, Andreas Beck und des Ex-Freiburgers Dennis Aogo aus.

Immerhin: Ex-Nationalstürmer Mario Gomez will laut seinem Berater beim VfB bleiben. "Mario will mithelfen, den sportlichen Schaden zu reparieren. In dieser Lage wird er den Verein nicht verlassen", sagte sein Berater Uli Ferber am Dienstag der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. Der 33-jährige Gomez hat bei den Schwaben noch einen bis zum 30. Juni 2020 gültigen Vertrag. Vor zwei Jahren rettete er in der Relegation noch den VfL Wolfsburg in den Partien gegen Eintracht Braunschweig. 2017/18 trug er dann entscheidend zum Klassenverbleib des VfB Stuttgart bei, zu dem er in der Winterpause zurückgewechselt war. In der nun zu Ende gegangenen Spielzeit 2018/19 konnte Gomez indes nicht überzeugen und war zuletzt oft nur eingewechselt worden.

Ob Präsident Wolfgang Dietrich weiter macht, bleibt dagegen offen. Schon seit Monaten steht er bei den eigenen Fans massiv in der Kritik. Dietrich hatte dem VfB mit der Ausgliederung der Profi-Abteilung eine glorreiche Zukunft prophezeit – es trat zumindest sportlich das genaue Gegenteil ein. Sollte er nicht zurücktreten, darf er auf der Mitgliederversammlung am 14. Juli mit massivem Gegenwind rechnen. Allerdings hat der Präsident und Aufsichtsratschef dafür gesorgt, dass es dem VfB finanziell gut geht. Die Ausgliederung hat bisher 41,5 Millionen Euro der Daimler AG eingebracht, weitere Investoren sollen zeitnah folgen. Zudem dürften die Verkäufe von Pavard und Kabak rund 50 Millionen Euro einbringen. Auf der anderen Seite verringern sich die TV-Gelder massiv, und auch beim Sponsoring oder angesichts von günstigeren Ticketpreisen wird der Klub weniger einnehmen. Dennoch: Für einen Zweitligisten wird der VfB einen sehr ordentlichen Etat haben.